Das Yale Turnier

Der Tag, über den ich heute berichte, beginnt eigentlich schon am Abend vorher. Christian und ich besprechen uns. Auf dem grau-beigen Sofa sitzend besprechen wir die Taktik für den morgigen Tag. Vielleicht gut für mich, mit spontanen Planänderungen gehe ich meistens ähnlich verplant um wie Stefan Raab mit einem neuen Studiospiel. Neben uns sitzt Lucas, ein Freund der uns morgen unterstützen will, und schüttelt nur heftig den Kopf während er uns zuhört. „Wollt ihr es nicht einfach auf euch zukommen lassen?“, unterbricht er uns ziemlich plötzlich. „Also, ähm“, fängt Christian an, „Ok“, setze ich fort.

Am nächsten Morgen werde ich recht unsanft von meinem Handy geweckt. Vielleicht hätte ich etwas früher ins Bett gehen sollen. Als ich etwas torkelnd meine Zimmertür öffne kommt mir ein seltsamer Geruch entgegen. Noch leicht benommen folge ich den Treppenstufen nach unten in die Küche. Unten angekommen entdecke ich schnell die Quelle des Geruchs. Zwei lachende Gestalten braten Eier. Lucas hält einen großen Pfannenwender in der Hand, Christian eine Pfanne. Lucas ist gerade dabei, sich Ketchup in seine Pfanne zu kippen, Christian schaut misstrauisch. Den leeren Tüten neben seiner Pfanne zufolge, hat er sich für die „Fire“-Sauce von Tacco Bell entschieden. Als ich die zum letzten mal probiert habe, musste ich zwei Liter Milch trinken. Diese 50:50 Ei-Saucen Mischung erklärt den eigentümlichen Geruch, der sich wie ein schleichender Schlafwandler durch das ganze Haus verteilt. Auch wenn die beiden mir nach eigenen Aussagen, natürlich etwas abgegeben hätten, entscheide ich mich für eine andere Instanz des Morgens: PopTards. Inzwischen ist es für mich eine Gewohnheit. Genussvoll hole ich die zwei rechteckigen Scheiben Zucker aus der Verpackung. Dieser Prozess ist etwa mit dem öffnen eines KinderPinguins zu vergleichen. Sehr viel Plastik, und doch sehr befriedigend. Nach dem allmorgendlichen PopTard geht es auch schon los. Ich entscheide mich diesen Morgen dafür in meinen knallblauen Crocs das Haus zu verlassen, den ganzen Rest des Tages werde ich schon in meinen Tennisschuhen gefangen sein, die zwar perfekt zum Tennis spielen sind, sich aber außerhalb des Platzes doch sehr klobig tragen. Zu viert setzen wir uns in den großen Pickup meines Gastvaters. Christian dreht irgendwas am Radio herum, so lange bis ein mittelmäßig cooler Road Song erklingt. Mit der Sonne im Rücken, meinen Tennisschläger auf dem Schoß, einem Soundtrack, den nur komische deutsche Filme als Atmosphäre benutzen würden (auch nur weil er zufällig lizenzfrei ist) und einem halb schlafenden Lucas neben mir, nähern wir uns unserem heutigen Ziel: Das Tennisturnier in Yale. Nach etwa einer halben Stunde Fahrtzeit sind wir in Yale. Die Luft ist frisch, als ich mit meinen Crocs durch das noch feuchte Gras hin zu den Tennisplätzen schlappe.  

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Vier Plätze sind bereits von Yale, und einer anderen Mannschaft besetzt, Christian und ich schnappen uns schnell den fünften und sechsten. Kurz nachdem wir ein paar Bälle geschlagen haben, trudelt der Rest unser ähnlich müden Mannschaft ein.  

Amerikanische Tennisturniere funktionieren ein bisschen anders als deutsche. In Deutschland tritt man meistens als einzelne Person an. In einem großen Tableau werden alle Partien aufgelistet und nacheinander ausgespielt. Wer eine Runde weiter kommt, dann noch eine und noch eine, hat gewonnen, als einziger. Am Ende unseres Turnieres gibt es sieben Gewinner. Hier treten wir als Mannschaft gegen drei andere Mannschaften an: Goodrich, Sandusky und Yale. Jede Mannschaft bestimmt ein erstes, zweites, drittes, usw. Doppel. Dann spielen alle ersten Doppel gegeneinander, alle zweiten, usw. Christian und ich sind das erste Doppel unser Mannschaft. Für uns beide ungewohnt, denn eigentlich stehen wir allein auf dem Tennisplatz.  

Ein paar Leute schauen uns einschätzend an, als wir den blau-grünen Hartplatz betreten. „Der Coach von Dakota hat von uns erzählt“, fängt Christian an, „die wissen das wir einen Austauschschüler haben, der gut ist.“ Und tatsächlich, ein paar der Jungen unser Gegnerteams tuscheln hektisch. Ich weiß noch nicht ob ich diesen Sonderstatus genießen kann, denn als wir uns an diesem noch jungen Tag einspielen ist unsere Leistung erstmal nicht vielversprechend. Christian schlägt einen Ball ins Netz. Ich stürme ans Netz und treffe den Zaun anstatt das Feld. Erst nach ein paar Minuten fangen wir an, die Bälle auch ins Feld zu schlagen. Ich dehne meine Schulter heute extra lange, gestern hat sie ein bisschen weh getan. Dann geht es los. Schräg vor den sechs Tennisplätzen steht ein ausladendes Dach. Darunter finden ein paar Tische mit der Turnierleitung und einem kleinen Essensbuffet platz. Yale ist ein familiäres, kleines Turnier. Jeder ist angehalten, etwas zu essen mitzubringen, für alle. Jemand hat einen großen Topf Chilli gekocht, ein paar haben Hotdogs organisiert. Wieder ein anderer hat Pizzen gebracht.  

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Der Turnierdirektor ist ein älterer Mann aus Yale. Er begrüßt alle, erklärt alles und liest die ersten Partien vor. In unser Kategorie, erstes Doppel, spielt als erstes Sandusky gegen Yale. Da Yale nur sechs Plätze hat, kann immer nur ein Match in einer Kategorie gleichzeitig stattfinden, für mich und Christian heißt es also warten. Aufmerksam beobachten wir unsere nächsten Gegner. Für Sandusky spielt ein großer und breiter Junge, den man vom ersten Anblick eigentlich eher in der Football Mannschaft vermutet hätte. Aus irgend einem Grund lächelt er ununterbrochen wenn ich ihn anschaue. Irgendwann höre ich auf, ihn anzuschauen, aus Angst, er macht such über mich lustig. „Habe ich irgendetwas im Gesicht oder so?“, frage ich Christian. Er lacht, sagt „Ja, einen riesigen Fleck“. Also hole ich mein Handy raus um das Ausmaß meines Gesichtsflecks zu begutachten. Natürlich ist da kein Fleck, also werfe ich Christian den vorwurfsvollsten Blick zu, den ich meinen müden Gesichtsmuskeln gerade entlocken kann. Er lacht. Dann ist es soweit. „First Doubles Port Huron Goodrich“, brüllt der Turnierdirektor ein mal über die kleine Ansammlung von Tennisplätzen hinweg. Aus den Augenwinkeln sehe ich zwei große Jungs aus der Ecke aufstehen, wo sich die Goodrich Mannschaft versammelt hat. Durch eine angerostete Tür trotten wir langsam, aber irgendwie doch entschlossen auf den Platz. Irgendwie habe ich ein gutes Gefühl bei diesem Turnier.  

Christian wirft mir einen Ball zu, und als wir uns alle an der Grundlinie versammelt haben, fangen wir an, uns einzuspielen. Nebeneinander spiele ich zuerst mit einem Jungen, der etwa meine Körperstatur hat. Sein Partner ist etwas größer. Dann geht es los. Christian fängt an aufzuschlagen. Aufgeregt blicke ich über den Platz. Zwar habe ich im Einspielen schon einen Eindruck davon bekommen, was auf uns zukommt, aber wie gut oder schlecht unsere Gegner wirklich sind, wird sich erst jetzt offenbaren. Der Aufschlag trifft die Linie des Aufschlagfelds. Misstrauisch blickt der Netzspieler auf den Ball. Obwohl Christians Aufschlag gut war und auch Tempo hatte, weiß der Returnspieler eine Antwort. Erstaunt kann ich dem Ball, der fast wieder genau zurück zu Christian fliegt, nur hinterherschauen. Unsere Gegner sind besser als erwartet. Ich blicke fragend. Christian entgegnet den Blick mit einem „Ok, let’s go!“. Irgendwie gewinnen wir das erste Spiel. Dann das zweite, dann das dritte. Fast schon ein wenig verzweifelt trotten unsere Gegner zu ihrem Trainer, der hinter dem Zaun wartet und ein paar hilfreiche Tipps zu geben versucht. Vergebens, der Satz geht an uns. Es könnte nicht besser laufen, auch im zweiten Satz können wir dominieren. Langsam hat sich eine Anzahl an Menschen staunend hinter dem Zaun versammelt. Ein paar tuscheln aufgeregt.  

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Ein kleinerer Junge blickt ehrfürchtig zu uns auf, als wir, fast schon majestätisch, den Platz verlassen und zum Essensbuffet laufen. Es könnte nicht besser sein, soeben hat jemand Pizza vorbeigebracht. Kaum habe ich mein Pizzastück aufgegessen, befinde ich mich schon wieder auf dem Platz. Das zweite Match verläuft reibungslos, der große, lächelnde Junge aus Sandusky hat zu Christians Aufschlägen und meinem Spin nicht viel zu sagen, sein Partner versucht es noch zu retten, vergeblich. Nachdem wir also auch unser zweites Match für uns entscheiden konnten, bleibt noch ein Gegner übrig: Yale.  

Yale ist für eins bekannt: Doppel. Die Kids aus Yale spielen meistens nicht so gut, wie die anderen, aber clever. Wir konnten bereits zwei Matches beobachten, beide hat Yale für sich entscheiden. Nie gab es jemanden, der herausstach oder durch besonders gute Schläge aufgefallen ist. Im Gegensatz zu den meisten hier, hat Yale das Spiel verstanden: Es geht nicht darum, wie hart man schlägt, sondern wohin und wie. Christian und ich spielen das erste mal zusammen heute, unsere Gegner sind ein eingespieltes Team. Einer von beiden hat eine weiße Sportbrille auf der Nase, der andere eine riesige Cap. Wieder fängt Christian an aufzuschlagen, doch diesmal fliegt der Ball, ohne das ich auch nur reagieren kann direkt an mir vorbei in meine Ecke. Im ersten Ball des gesamten Matches wurde ich passiert, das hat bisher noch niemand gemacht. Christian schaut mich erstaunt und ein bisschen vorwurfsvoll an, ich versichere: „Kein Problem, Kein Problem“. Zum Glück ist nicht jeder Ball eine Überraschung und nach etwas mehr als einer halben Stunde liegen wir in Führung. Unsere Strategie geht auf, vorher haben wir schon reichlich unsere Gegner beobachtet, Schwächen und Stärken studiert. Wir versuchen immer wieder, das Team zu separieren, Einzelkämpfe gewinnen bevorzugt wir.

Dann ist es soweit, der letzte Ball unseres Matches sollte ein Lob werden, doch landete genau in Christians Schläger – und wird getötet. Wir geben unseren Gegner feierlich die Hände, ein paar Leute klatschen hinter dem Zaun.  

Knapp eine Stunde später bekommt jeder von uns eine goldene Medaille in die Hand gedrückt. Auch wenn unser Team aus Port Huron nicht gewonnen hat, haben Christian und ich zumindest einen kleinen Erfolg verzeichnen können. Überglücklich machen wir ein Siegerfoto.

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Dann heißt es Abschied nehmen. Noch einmal blicken wir in die Runde und nicken unsern Gegnern zu. Wir werden mit einem anerkennenden Lächeln in die bunt untergehenden Abendsonne verabschiedet.  


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Mein erster Schultag 1/2

Als ich an diesem morgen aufwache, fällt es mir schwerer als sonst, die Augen zu öffnen, zu Sinnen zu kommen, irgendwie aus dem Bett, zum meinem Handy zu stolpern. Eigentlich mag ich es nicht, direkt am morgen auf ein helles Display zu schauen, aber da ich weiß, dass ich nur schwer aus dem Bett zu kriegen bin, habe ich mein Handy prophylaktisch auf den kleinen Schreibtisch in meinem Zimmer gelegt. Jetzt klingelt es. Für einen Moment frage ich mich, warum ich so fertig bin, dann fällt mir ein, dass es halb sechs ist, und ich gestern nicht wirklich einschlafen konnte. Vielleicht habe ich auch nur sehr schlecht geträumt. Waren meine letzten Assoziationen mit dem, was heute auf mich zukommt vielleicht nicht positiv? Gut möglich, denn heute ist mein erster Schultag. 

Nach einem obligatorischen Gang ins Bad ziehe ich mich um. Dann packe ich meinen Rucksack. Bereits am Abend zuvor habe ich mir Gedanken gemacht. Zwei Sport Outfits haben es in meinen Rucksack geschafft, ein dicker Block mit meinem Stundenplan darin. Was man wissen muss, ist, das amerikanisches Papier ein anderes Format hat als deutsches. Das amerikanische Equivalent zum deutschen DinA4 Format ist ein wenig kürzer, dafür etwas dicker. Ein Zufall? Die kürzere Länge ist kein Problem, aber die zusätzliche Dicke setzt meinem Rucksack so zu, dass ich, zusammen mit meinen Sportklamotten und meinem Tennisschläger Probleme habe, ihn zu schließen. Spontan packe ich noch ein Deo ein. Als ich mich dem halb geöffneten Fenster in meinem kleinen Zimmer nähere, bemerke ich erst die Kälte, die in mein Zimmer zieht. Ich ziehe über mein T-Shirt also meinen dicken roten Pulli, den viele wahrscheinlich kennen. Ich fühle mich ausgerüstet für einen Militäreinsatz. Für jede Individualität bin ich gewappnet. Vergessen habe ich noch nie etwas. Mit diesem Gefühl von Sicherheit steppe ich mit großen Schritten die Treppe herunter. Wenn mich andere dabei gesehen hätten, wäre ich vielleicht in Zeitlupe gelaufen. Lange hält das Gefühl nicht an, denn nach etwa der Hälfte der Stufen, in der Mitte der Treppe ist ein kleiner Podest, fällt mir das erste Item des Tages ein, das ich vergessen habe. Wieder unten angekommen ist das erste was ich sehe, wie immer das große, zum liegen einladende, beige Sofa. Darauf sitzen meine Gasteltern. Ihre Gesichter von einem iPad erhellt. Der Rest des Raumes liegt im Dunkeln. Ich bin aufgeregter als sonst beim üblichen „Guten Morgen Talk“. Ja, ich habe gut geschlafen (habe ich nicht), mir geht es gut (naja) und ja, ich freue mich auf die Schule. Und das stimmt sogar. Ich erwische mich kurz bei dem Gedanken „Schlimmer geht es ja nicht mehr“, dann beschließe ich, aber nicht weiter darüber nachzudenken. Versteh mich nicht falsch, ich mochte meine Schulen Deutschland. Ich stehe sogar manchmal wirklich gerne auf, um mich dann auf meinem Dratesel die Straße runter rollen zu lassen. Ich mag die meisten meiner Lehrer, die Gebäude, meine Freunde. Was ich nicht mag ist der Unterricht. Mir fallen auf Schlag zehn Dinge ein, die man verbessern könnte. Kein Problem. Es ist langweilig, dauert zu lange, und ist unfair. Und dann die Stimmung. Ich werde wirklich häufig komisch angeschaut, wenn ich mit einem Lächeln das Gebäude betrete. Es fühlt sich an, als würde ich auf eine Beerdigungsfeier gehen. Jeden Tag. 


Warum ich die Schule nicht mag? Hier geht es zu einem Artikel von mir über die Schule!


Jedenfalls setze ich meinen Gang in die Küche fort. Die Küche und das Wohnzimmer verbindet eine ausladende Doppeltür. Nie habe ich sie geschlossen gesehen, weshalb die Küche eigentlich halb im Wohnzimmer steht. Auf dem langgezogenen Tresen der Küche stehen viele Dinge. Ein Korb mit Brötchen für Hamburger und Hot Dogs, ein paar Saucen, darunter Ketchup, Senf, Miracle Whip, und ein paar andere, die ich noch nicht kenne. Direkt daneben eine Fritteuse, daneben ein Toaster, daneben ein Blech mit frisch gebackenen Zimtschnecken.

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Ich hole mir einen Teller und zwei Schnecken. Ich setze mich an den Küchentisch zu meinem Gastbruder Christian. Der hat bereits eine Zimtschnecke verputzt. Still geben wir uns ganz unseren Zimtschnecken hin, bis Heather, meine Gastmutter, uns aufscheucht. Das „erster Tag in der Schule“-Bild muss noch gemacht werden. Ich streiche mir durchs Haar. „Bitte lächle doch einmal!“, bittet Heather ihren Sohn. Er weigert sich, wahrscheinlich aus Prinzip. Vor lauter Ernsthaftigkeit müssen wir beide lachen. In der Hoffnung, wir wurden in einem passenden Moment festgehalten, nehmen wir unsere Rucksäcke und begeben uns auf die Reise. 

Normalerweise würde man jetzt irgendwo hinlaufen, mit seinem großen Rucksack, einem grünen Apfel und einem Butterbrot, das die Mutter für einen geschmiert hat, man aber sowieso nicht isst, in einen gelben Bus steigen, sich neben irgendeine Jenny setzen, sich verlieben, und so weiter… Nur haben Christian und ich einen kleinen Vorteil (oder Nachteil?): Meinen Gastvater Paul, der ist nämlich Lehrer für „World History“ an unserer Schule, der Port Huron Highschool. Er kann uns jeden Morgen zur Schule mitnehmen. Ich hatte sowieso nicht vor, mich zu verlieben. 

Über die große Auffahrt laufen wir zur Doppelgarage und steigen in Pauls schwarzen Pickup. Ich gestehe: Vor den USA habe ich noch nie in einem Pickup gesessen, hier sitze ich fast nur in Pickups. Zur Schule fahren wir ein kurzes Stück auf den Highway, und dann durch die Stadt. Die Highschool ist nicht wirklich im Zentrum, sodass wir schon sehr bald da sind. Drei, wie ein Pi-Zeichen angeordnete Streifen von Parkplätzen sind vor dem Hintereingang der Highschool. Vorbei an ein paar Tennisplätzen und einem Footballfeld slided Paul elegant auf seinen Stammparkplatz. Während dem Einparken erzählt er mir, dass das sein Parkplatz ist. Natürlich wäre er nicht böse, wenn jemand anderes mal da steht, aber das muss schon ein sehr großes Missverständnis sein, immerhin ist es sein Parkplatz, witzelt er. Wir lachen und betreten durch einen kleinen Hintereingang die Schule.

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Schon einmal war ich in der Schule, zur Registrierung. Trotzdem habe ich null Orientierung. Alle Gänge scheinen gleich auszusehen. Rechts eine Tür, links eine Tür, dazwischen ein paar Spinde mit dicken Zahlenschlössern. Genau so wie man es sich vorstellt. Der Gang zieht sich endlos weiter, irgendwann biegen wir nach links ab in einen weiteren Gang. An der Wand: Ein Straßenschild. Wir betreten die Success-Road. Auf die anderen Straßennamen gespannt, laufe ich Paul und Christian nach, die zielsicher in die nächste Straße abbiegen. Geflasht von der Endlosigkeit des Ganges, der übrigens wieder genau aussieht wie der erste Gang und die Success Road, vergesse ich den Namen dieses Ganges sehr schnell. Irgendwann kommen wir beim Raum Nr. 116 an. Pauls Raum. Hier hat nicht jede Klasse, sondern jeder Lehrer seinen Raum. Die Schüler pendeln dann immer von Lehrer zu Lehrer. An der Wand in Pauls Raum hängen ein paar Plakate von Schülern über den zweiten Weltkrieg, oder so. Daneben hängt eine Weltkarte. Wo in Deutschland eine Kreidetafel war, ist in Pauls Raum (und in allen anderen auch) ein langes Whiteboard. In der Mitte findet ein Projektor platz zum projizieren. An den Seiten ein paar Infos. Von Handynutzung über Hausaufgaben über Toilettenregelung. Man muss den Lehrer fragen und sich mit seiner Handynummer in eine Liste eintragen. Mit etwas Glück bekommt man einen „Hall-Pass“. Dann muss man in zehn Minuten wieder zurück sein. Schräg unter dem Whiteboard steht ein kleiner Schreibtisch mit einem Computer und einer Tastatur, die Paul wild bearbeitet. Auf dem Beamer erscheint eine PowerPoint Folie mit dem Plan für die Woche. Ich bin beeindruckt. „Er plant immer alles durch. Er kann dir genau sagen, was du Dienstag in einem Monat machst.“, spricht mich Christian von der Seite an. Besser so als umgekehrt, denke ich mir. Die ersten Schüler kommen in Pauls Raum und Christian und ich machen uns auf den Weg. Er hat in der ersten Stunde „Weights and Conditioning“, also Gewichtheben. Ich habe „Recreational Sports“, ein Kurs, der sich um viele Sportarten kümmert. Ein bisschen wie deutscher Sportunterricht. Volleyball, Basketball, alles mal dabei. Zum Glück finden beide Kurse im Gym statt, sodass er mich noch ein bisschen begleiten kann. 

Bis wir am Gym angekommen sind, scheint es eine Ewigkeit zu dauern. Die Gänge ziehen sich. Wir biegen zurück auf die Success Road, dann auf den Excel Broadway. Schließlich stehen wir vor einer großen Schwingtür, die ins Gym führt. Christian verabschiedet sich in einen Nebenraum der riesigen Sporthalle, ein weiterer Raum mit ein paar Hantelbänken und Sportgeräten an den Wänden. Mein Kurs findet in der Haupt-Halle statt. Die eigentliche Halle ist nur ein relativ schmaler Streifen Laminat in der Mitte, denn der Großteil der Halle wird von zwei riesigen Tribünen eingenommen. An den Wänden die Initialen der Stadt, PH für Port Huron. Sogar auf der Tribüne sind sie wiederzufinden. Alles ist in einem schicken Rot gehalten. Hinter den prominent in der Mitte platzieren Basketballkörben hängen Tafeln mit den Schulrekorden. Ein Michael hat 1999 die beste Volleyballsaison der Schule abgeliefert. Eine Rachel hat während einem Basketballspiel die meisten Körbe geworfen. 

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Also stehe ich da. Um mich herum versammeln sich langsam mehr und mehr Jungen, die wohl alle in meinem Kurs sind. Dann taucht unser Lehrer auf, jedenfalls denke ich, dass es unser Lehrer ist. Ein älterer Mann mit krummem Rücken und Geheimratsecken, in denen Vögel nisten könnten. Ein Poloshirt hängt über ihm wie ein nasses Handtuch. Drei obere Knöpfe, die geöffnet sind, lassen etwas Brusthaar durchschimmern. Ich male mir schon aus, wie der Unterricht bei ihm aussehen würde, ein paar von uns begrüßen ihn. Dann geht er in die Nebenhalle und schließt die Tür hinter sich. Das war wohl der falsche. Hinter uns ist inzwischen ein weiterer Lehrer gekommen. „Ist das unser Lehrer?“, frage ich vorsichtig irgendjemanden der gerade neben mir steht. Ich bekomme ein nüchternes „Ja“ als Antwort. Bei dem Sportlehrer eben fiel es mir schwer, ihn mir in Bewegung vorzustellen, aber bei diesem…? Mr Jensen, wie er sich später vorstellt ist ein wenig molliger. Als er näher kommt beobachte ich das erste mal in meinem Leben folgendes Naturphänomen von äußerer Seltenheit: Sprechende Schweißperlen. Jedem, der Mr Jensens Schweißperlen auf der Stirn anschaut, dem flüstern sie erst „No pain, no gain“, und dann „Don’t look at me!“ zu. Mit grimmiger Miene scheucht Mr Jensen uns auf die Tribüne. Ich setze mich neben Ape, wie er sich bei mir vorstellt. Er geht schon zum College, macht aber noch ein paar Stunden an der Highschool. Drei Sportkurse und einen Englischkurs, nur damit er nicht nur Sport macht, erzählt er mir stolz. In seiner Hand hat er ein viel zu großes Handy, im mir abgewandten Ohr einen AirPod. Bevor ich ausgesprochen habe sehe ich den letzten Schüler die Tribüne hoch trampeln. „Digby, beeil dich!“, ruft Mr Jensen eilig. Mir lächelt sein breiter Mund entgegen. Vorne fehlt ein Schneidezahn. Ich scheine der einzige zu sein, der ihn anschaut, denn er fixiert mich mit seinen dicken Glupschaugen. Er ist etwas klein, dafür etwas dicker als ich. Seine Hose hängt an einem ungünstigen Ort, auf dem beigen T-Shirt ist ein Schokoladenfleck. Irgendwie ist er mir sympathisch. Er setzt sich neben mich. Bevor ich auch nur ein Wort sagen kann, erzählt er mir sein halbes Leben. Seit einer Ewigkeit schreibt er Liebeslieder, die er manchmal Mädchen in der Schule vorsingt, plappert er los. Bisher hat er noch nie ein hübsches Cheerleader abbekommen, und ob das Mädchen da drüben ihm wohl ihre Nummer gibt? 

Ein Mädchen? Das hatte ich garnicht gesehen. Ganz am Rand der Tribüne sitzt doch tatsächlich ein Mädchen. Das einzige in unserem Kurs. Hat sie sich versehen oder ist einfach nur taff? Während mir Digby weiter seine Lebensgeschichte erzählt, fangen Mr Jensen und seine Schweißperlen wieder an zu reden. „Die üblichen Regeln“, fängt er an, „ihr kennt das ja alles, hier habe ich ein paar Formulare, die ihr bitte ausfüllt. Morgen kümmern wir uns um eure Locker, übermorgen fangen wir an Sport zu machen“. Für jedes Wort brauche ich einen Moment, um es zu verstehen, so schnell spricht er. Und nein, ich kenne die üblichen Regeln nicht, aber ich traue mich auch nicht nachzufragen. All zu dringend scheint es nicht zu sein, denn die Hälfte der Klasse widmet seinem Handy mehr Aufmerksamkeit. Am Ende der Stunde stehen alle vor der Mittellinie der Halle. Pünktlich zum Gong, der eher ein elektronisches Piepen ist, stürmen alle nach draußen. Ich mache mich auf den Weg zu meiner zweiten Stunde: AP Gov.  


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Tag X – Teil 3/3

Noch anderthalb Stunden bis wir landen, ich strecke meine Beine aus. „Lohnt es sich noch, Blog zu schreiben?“, werfe ich Jana zu. „Keine Ahnung“, antwortet Sie. Also sitze ich da. Loriot hat es in einem seiner legendären Sketche einmal gesagt: „Ich möchte einfach nur hier sitzen“. Weise Worte. Mein konzentriertes Sitzen wird jedoch von einem kleinen Zucken in meinem linken Ohr gestört. Oh, das hatte ich ganz vergessen. Große Maschinen haben die Angewohnheit, nicht einfach zu landen, sondern erstmal langsam runter zu gehen. Das gefällt meinem linken Ohr nicht. Irgendwie schaffe ich es nicht, den Druck auszugleichen. Auf dem rechten Ohr ist alles supi, nur das linke zickt. Nach und nach steigt also der Druck auf meinem Ohr, während die Flughöhe und der Inhalt meiner Katjes-Tüte sinken. Trotz meines schmerzenden Ohrs finde ich kurz Zeit, aus dem Fenster zu schauen. Ein interessantes Bild von Wolken über einer Stadt zeigt sich mir. Wie abgehackt hört das Wolkenmuster über dem Ozean auf. Langsam verwandeln sich die Eiskristalle im Flugzeugfenster in Wassertropfen. Als wir weiter runter gehen, erkenne ich, das nicht nur die Wolken exakt geordnet sind.

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Auch die Straßen, Häuser und Gärten der Vorstadt Chicagos scheinen sich einem riesigen Muster zu fügen.

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Kurz bevor mein Ohr (vermutlich) geplatzt wäre, setzen wir wieder auf der Erde auf. Alle drängeln Richtung Ausgang. Durch einen schmalen Gang geht es in Richtung Security Check. Immer wenn man man in die USA fliegt, muss man am Zielflughafen noch einmal sein Gepäck aufgeben und wird durchgeprüft. Absperrbänder und dutzende Sicherheitsbeamte führend uns in eine riesige Halle, von der ein Labyrinth aus weiteren Absperrbändern mindestens 80% einnimmt. Am Ende der Halle sind Passkontrollen. Also stellen wir uns an. An der Wand hängt eine überdimensional große Flagge der USA. Vor den Häuschen, in denen die Sicherheitsbeamten zur Passkontrolle sitzen, hängen Fernseher, auf denen ein Werbefilm läuft. Er zeigt ein Pärchen, das am Strand läuft, dann einen Bäcker, der einen Teig mit den Fingern knetet. Im Hintergrund wehte eine halbtransparente USA-Flagge. Unterbrochen werden diese Idyllenbilder nur von Sicherheitshinweisen. „Do not take photos in this area“ zum Beispiel. Schade, die Halle, in die sich mehr und mehr Menschen drängeln, wäre ein Foto wert gewesen.

Nach der Passkontrolle treten wir in eine weitere Halle. Diesmal ist sie mit Gepäckbändern gefüllt. Ich folge dem Pulk von lila T-Shirts zu einem Gepäckband, das völlig überfüllt ist. Einzelne Koffer werden schon neben das Band gestellt. Darunter auch meiner. Mit meinem Koffer ausgestattet laufen wir einen Gang entlang. Am Ende des Ganges stehen ein paar Männer, die unsere Koffer wieder verladen, ich stelle meinen dazu. Und dann sehe ich ihn: Den ersten McDonalds in den USA. Schnell zücke ich mein Handy und mache im Vorbeigehen ein Foto. 

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Ich folge dem Pulk weiter nach draußen, wo Busse auf uns warten, die uns weiter verteilen. Ich muss zu Terminal 2, von dort aus soll mein Flug nach Flint gehen. Vincent und ein paar andere müssen auch zu Terminal 2.  Mein Flug geht erst um 21:45, jetzt ist es 14:00. Im Bus werden wir von einer älteren Dame angesprochen. Erst auf den zweiten Blick erkenne ich ein lila T-Shirt an ihr. Sie hält ein Klemmbrett mit einem nicht endenden Stapel von Listen in der rechten Hand. In der linken einen lila Stift. „Whats your name?“, fragt sie uns mit einem sehr amerikanischen Slang. Alle sagen ihre Namen, sie hackt ab. Dann bin ich an der Reihe. „Jonas Evers“, „May you spell it for me?“. Natürlich, denke ich. „E-V-E-R-S“. „You’re not on the list.“, stellt sie sehr nüchtern fest. Ich muss sehr beunruhigt dahergeschaut haben, denn die Dame fängt an, beruhigend auf mich einzureden. Sie holt eine zweite Liste raus, lässt mich drauf schauen. Ich entdecke mich ganz unten. Die Dame erzählt, dass mein Flug erst um 21:45 startet. Ach was. Ich hätte mich irgendwo mit den anderen treffen sollen. Woher soll ich das den wissen, frage ich mich. Wir beschließen, einfach bei Terminal 2 auszusteigen und auf die anderen zu warten. 

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Terminal 2 ist eine lange Halle, die Wände sind hoch. In der Mitte ist ein schmaler Spalt, indem sich die Sicherheitskontrolle befindet. Unsere Begleitung stürmt mit den anderen dorthin, Vincent und ich warten davor. Also warten wir. Weiter hinten in der Halle laden ein paar Sitze mit Steckdosen zum Pause machen ein, doch wirklich zur Ruhe komme ich nicht. Ich nerve in der WhatsApp Gruppe, wo die anderen sind. Keine Antwort. Eine knappe Stunde vergeht, bis mich jemand anschreibt. „Wo steckt ihr, wir sind schon am Gate.“ Super, denke ich. Also ziehe ich Vincent von der Steckdose weg, hin zum Sicherheitscheck. Diesmal packe ich mein Deo als erstes aus dem Rucksack raus, doch damit nicht genug. „Die checken ja wirklich alles durch.“, werfe ich Vincent zu. Hinter dem Band, auf dem wir Kästen mit unseren Sachen platzieren sollen, steht ein Polizist, der in etwa mit der Heiserkeit von Piet Thiesen (an schlechten Tagen), und der Lautstärke eines Marktschreiers alle darauf hinweist, am besten alles auszuziehen, um es auf das Band zu legen. „Put off your shoes! Get everything out of your pockets, even paper!“, schreit er uns an. Auf mich wirkt es einschüchternd. Immerhin werden wir nach dem Sicherheitscheck mit einem Starbucks belohnt, der sich direkt dahinter befindet. „Also, ich finde wir sollten den großen Vergleich wagen,“, fange ich an, „Chai Tea Latte in den USA vs Chai Tea Latte in Deutschland.“. Wir stellen uns an, ich bestelle meinen Chai, Vincent irgendetwas anderes und einen Cookie. „You guys enjoy your time?“, plappert es mich von hinten an. Ich drehe mich um und erkenne die Dame wieder. Diesmal tiefen entspannt. Wir antworten beide mit Ja, ich erzähle ihr, dass ich gerade das erste mal mit Dollar bezahlt habe. Sie ist sichtlich begeistert. Genau so begeistert, wie ich, als ich meinen Chai Latte probiere. „Genau wie in Deutschland.“ Das war abzusehen, gebe ich zu. Im Weggehen sehe ich ein paar weitere wartende Starbucks Kunden. Mir fällt ein Mädchen mit roten Rasterzöpfen auf. Ich will ein Foto machen, doch dann…

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Wenig später treffen wir die anderen, auch das Mädchen, dass mir geschrieben hat. Ihr Name ist Allegra, sie fliegt auch nach Flint. Und Melina. Neben ihr saß ich schon in Frankfurt, aber ihren Namen erfahre ich erst jetzt. Zugegeben, wahrscheinlich hat sie mir ihren Namen schon gesagt, denn Sie erinnert sich an meinen. Noch ein paar andere sitzen bei uns, zum Beispiel Jonas. „Cooler Name“, werfe ich ihm zu. Er lacht. Nach Flint fliegen, laut einer Liste, die Allegra gesehen hat wohl fünf Leute. Bisher sind wir nur drei. Jonas, Allegra und ich. Wir suchen uns ein schönes Plätzchen an einem langen Fenster. Wie der Zufall will, ist gegenüber dem Fenster ein großer McDonalds. Ich schaue Vincent an, Vincent schaut mich an. 

Wieder an meinem Platz angekommen, in der rechten Hand mein Handy, in der linken einen Hamburger, fangen wir an, uns zu unterhalten. „Wo kommt ihr hin?“, fragt irgendjemand. Ich erzähle von meiner Gastfamilie, dass ich drei Gastgeschwister bekomme, wir in einer kleinen Vorortschaft wohnen, und ich ein eigenes Zimmer bekomme, weil meine größte Gastschwester gerade ausgezogen ist. Jonas erzählt, dass er nach Marysville geht, wo immer das ist. Allegra geht nach Oxford, einem kleinen Örtchen, etwa so groß wie Kimball. Ich erzähle, dass ich Blog schreibe, und frage, ob nicht jemand korrekturlesen möchte. Also nimmt Melina meinen PC an sich. Glücklich darüber, dass jemand meine Fehlerchen ausbessert, probiere ich meine Fritten. „Wow, die sind viel besser als in Deutschland! Ich glaube in diesem Land bleibe ich ein Jahr!“, scherze ich rum. 

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So vergehen ein paar Stunden. Wir werden immer weniger. Ich verabschiede mich von Vincent, sein Flug geht schon um 16:00. Irgendwann beschließen wir, die nach Flint fliegen, schon zum Terminal zu gehen. Ich bin einfach nur noch müde und schlafe schon vor dem Flug ein wenig. Das wundert mich, denn normalerweise brauche ich ein Bett zum schlafen. Ich bin nicht jemand, der immer und überall schlafen kann. Ich muss schon sehr müde gewesen sein. Um neun Uhr beginnt dann endlich das Boarding. Als ich im Flugzeug sitze schlafe ich eigentlich direkt wieder ein. Dem Geschäftsreisenden neben mir kann ich nur wenig Aufmerksamkeit schenken. So richtig bemerke ich garnicht, dass wir starten. 

Ich wache kurz vor der Landung wieder auf. Prüfend schaue ich um mich. Die winzige Maschine schüttelt sich ein wenig und setzt schließlich zur Landung an. Bevor mein Ohr es überhaupt schafft, weh zu tun, sind wir am Boden. „Manchmal muss man den Schmerz einfach von hinten überraschen, sodass er garnicht erst anfangen kann“, sage ich später zu Jonas. Ich bin happy. Und aufgeregt. 

Ehrlich gesagt hätte ich gedacht, dass ich aufgeregter bin. Wahrscheinlich bin ich einfach nur zu müde um richtig aufgeregt zu sein. Also laufe ich durch einen Finger, zum letzten Mal heute. Das erste mal habe ich das Gefühl, irgendwo anzukommen. Trotzdem fühlt es sich noch ein wenig nach Klassenfahrt an. Flint ist ein kleiner Flughafen, und vom Terminal zum Ausgang sind es nur ein paar Meter. Ich lasse mir Zeit, forme in meinem Kopf schon ein paar Sätze zurecht. Jonas zu meiner linken, die Mädels zu meiner Rechten, laufe ich den breiten Gang entlang auf eine dicke Glastür. Sie steht offen. Erst als ich kurz davor stehe, sehe ich ein paar wenige Menschen warten. Gleich vorne rechts steht meine Familie. Das ist leicht zu erkennen, denn zwei meiner Gastgeschwister, Christian und Samantha halten ein Plakat mit der Aufschrift „Welcome Jonas“ in der Hand. Für einen Moment überlege ich, ob auch wirklich ich gemeint bin. Ich scheine mich für die richtige Familie entschieden zu haben, denn ehe ich mich versehe, schüttel’ ich allen die Hände und wir holen meinen Koffer.

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Im Auto unterhalten wir uns ein wenig, ich versuche nicht einzuschlafen. Dann endlich kommen wir an. Einfach nur müde und erschöpft falle ich wenig später in mein Bett. „Das Bett, in das ich die nächsten 10 Monate jeden Tag fallen werde“, denke ich. Gefühlt bin ich jetzt schon zuhause, doch wie lange wird es dauern, bis ich wirklich hier zuhause bin? 


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