The Wizard of Oz 2/2

Bevor sich der Vorhang heute ein zweites mal auftut, helfe ich, unter anderem das große gelbe Haus von der Bühne, in die kleine Werkstatt zu schieben, die durch ein hohes Tor von der Hauptbühne abgetrennt ist. Dafür schieben wir nun ein anderes Stück der Kulisse auf die Bühne. Von der Decke sehe ich ein großes, grünes, hölzernes Tor herunter kommen.

Alle „Ozians“, darunter auch ich, bringen uns in Position hinter dem grünen Tor, das soeben noch von der Decke baumelte. Inzwischen habe ich mir mein grün kariertes Jacket übergeworfen. Das Orchester setzt an und der Vorhang hebt sich. Insgesamt war die Pause zwischen Akt eins und zwei nur zehn Minuten lang.

Unsere Helden Löwe, Dorothy, Tinman und Vogelscheuche befinden sich vor den Toren der Stadt aus Smaragden. Unerschrocken klopft Dorothy an. Mürrisch schaut der Wächter (Jeremiah) durch das kleine Fenster in der Tür.

Unsere Helden versammeln sich wieder auf der Bühne, um endlich den Zauberer zu sehen!

Nach einem kleinen Dialog beschliesst der Wächter die Fremdlinge in die Stadt zu lassen und stellt ihnen die Stadt in Oz mit ihren Einwohnern, den Ozians, vor. Die Ozians leben ihr bestes Leben, genießen den Jubel und Trubel der grünen Stadt. Angezogen sind sie fein in Jacket, Hemd und guten Hosen, die Mädchen tragen Kleider.

„We get up at twelve and start to work at one, take an hour for lunch and then at two we’re done.“

– Ozians in „Mary old land of Oz“

Im Song „Mary old Land of Oz“ singen die grünen Einwohner nicht nur von ihrem Tagesablauf, sondern verpassen den Charakteren auch eine Aufhübschung durch die „Beauticians“, die aufgeregt Zöpfe binden, Krallen schneiden, ölen und Stroh aufstocken.

Ich bin Teil einer kleinen Tanzgruppe, die für einen Augenblick ein Lächeln auf die Gesichter der Zuschauer zaubert.

Das laute, geschriene Lachen der Hexe unterbricht unseren Tanz, gerade als wir zu einer Endpose ausholen. Es wird neblig im Saal. Die böse Hexe lacht noch einmal, die Ozians zucken zusammen. „Dorothy, gib auf!“, schreibt sie in den Nebel. Fast ein wenig panisch fangen wir an, von der Bühne zu rennen, doch der Wächter beruhigt uns schnell. „Alles ist unter Kontrolle, der große Zauberer von Oz hat alles im Griff, ihr könnt alle nach Hause gehen.“ Alle verlassen die Bühne, bis auf Löwe, Tinman, Vogelscheuche und Dorothy. Liebend gerne würde Dorothy nach Hause, doch nur der Zauberer kann helfen…

Während Löwe in seinem Solo „König des Waldes“ bekundet, was für einen Mut er gefunden hat, um jetzt vor den großen Zauberer zu treten, schaut der Wächter mürrisch von der Seite. Erst als nach dem Lied klar ist, wie hoffnungslos die Situation von Dorothy doch ist, entschließt er sich, zu helfen. „Ich werde euch schon irgendwie zum Zauberer bringen…“

Der mächtige Zauberer versteckt sich hinter dem Vorhang, in der „Kammer des Zauberers“.

Ehe sich die Protagonisten versehen, inzwischen haben sie eine weitere Runde im Theatersaal gedreht, führt der Wächter sie zum mysteriösen Zauberer, der sich hinter einem grünen Vorhang verbirgt. Mit mächtiger Stimme fängt er an, einschüchternd erst Vogelscheuche anzugreifen, dann Tinman und schließlich Löwe, der in seiner Ängstlichkeit schlicht zu Boden fällt. Das Publikum lacht. Mutig fordert Dorothy den Zauberer jedoch auf, ihr zu helfen, bevor die Hexe ihr zuvorkommt, die immer noch hinter ihren roten Schuhen her ist. Der Zauberer willigt ein, aber unter einer Bedingung: Er will den Besenstiel der Hexe! Frustriert verlassen die Vier den Raum des Zauberers.

All dies verfolgen wir auf dem kleinen Fernseher, der in der Umkleide angebracht ist und, zwar verschwommen, aber erkennbar, das Geschehen auf der Bühne wiedergibt. Die Jungs, die vorher Ozians waren, darunter auch ich, schlüpfen jetzt in ihre nächstes Kostüm. Wer vorher Ozian war wird jetzt zum „Winkie“. Winkies waren einmal Ozians, doch wurden von der bösen Hexe verzaubert und haben nun all ihre Farbe verloren. Ich werfe mir also ein graues Oberteil über und ziehe die kurze, graue Hose an, die schon bereit auf meinem Platz in der Umkleide liegt.

Während unsere Helden noch einmal vom Wächter durch das grüne Tor begleitet werden, wird das Schloss der Hexe auf die Bühne gerollt. Als der Vorhang sich öffnet sitzt sie entspannt auf der Kante und zupft an einem Gänseblümchen.

„I hate her, I hate her not, I hate her, I hate her not…“

– The Wicked Witch of the West

Die Winkies, darunter auch ich, machen sich im Seitenflügel der Bühne bereit. Nachdem die Hexe zum Entschluss gekommen ist, dass sie Dorothy hasst, ruft sie laut: „Winkieeees!“ Wir, die Winkies marschieren im absoluten Gleichschritt auf die Bühne und stellen uns links und rechts der Hexe auf, die in zwischen in der Mitte der Bühne angekommen ist. Unter meinem Oberteil ist es heiß, und ich erwische mich kurz dabei, mir eine Schweißperle von der Stirn zu wischen.

Nicht lange verharren wir auf der Bühne, bloß der Winky General (Ethan) hat ein paar Worte mit ihr zu wechseln. Praktisch, denn von meiner Rolle als Winky habe ich nicht viel Zeit um in mein nächstes Kostüm zu schlüpfen.

Während ich mich also auf dem Weg zurück zur Umkleide befinde, betreten unsere vier Helden erneut den düsteren Wald. Diesmal treffen sie allerdings auf andere tanzende Kreaturen: Die Jitterbug.

Von der Hexe erschaffen tanzen die Jitterbugs wie wild ihren Tanz und breiten sich auf der ganzen Bühne aus. Dorothy, Vogelscheuche, Löwe und Tinman können einfach nicht aufhören zu tanzen, sie sind verzaubert! Der Zauber der Jitterbugs liegt schwer auf unseren vieren und sie fallen in einen tiefen, sehr tiefen Schlaf.

„Just be careful

of that rascal

Keep away from the Jitterbug!“

– The Wicked Witch of the West in the „Jitterbug Song“

Die Choreography dauert einige Minuten und das Publikum klatscht enthusiastisch. Inzwischen habe ich mich in Position gebracht für meinen nächsten Auftritt, denn nachdem unsere Helden vom gemeinen Zauber der Hexe eingeschläfert wurden kommen nun ganz andere Kreaturen und ärgern sie.

Die Fliegenden Affen kommen!

Wild wedle ich mit den Armen, als wir durch die Reihen kreuz und quer durch das Theater rennen. Nach einer Runde im Saal springe ich auf die Bühne und schmeiße Vogelscheuche durch die Luft. „Es tut mir so leid Adam!“, flüstere ich ihm betroffen auf der Bühne zu, als ich ihn zu Boden werfe.

Die anderen der fliegenden Affen nehmen sich jeweils auch einen der Charaktere zur Brust und Neico, der Affengeneral entführt Dorothy und nimmt sie mit in das Schloss der Hexe.

In der nächsten Szene sitzen die Affen wieder auf der Bühne, ich hocke am Rand des Orchestergrabens und setze ein diebisches Lächeln auf. Wir befinden uns im Schloss der Hexe und Dorothy liegt auf dem Boden. Ihre Augen öffnen sich.

Dorothy und die Affen schauen zur Hexe, die auf einem Turm in der Seite steht.

Nur umringt von Affen finden sich Dorothy und ihr Hund Toto wieder in einer grauen Festung mit nur einem Fenster. Nach einem kurzen Schlagabtausch mit der Hexe, die von der Seite auf ihrem Turm steht, gelingt es dem Hund allerdings zu fliehen. Genau richtig, denn Vogelscheuche, Tinman und Löwe sind bereits vor den Toren der Festung um Dorothy zu retten… Irgendwie…

Vogelscheuche fällt dazu ein ziemlich genialer Plan ein, um unbemerkt in das Schloss einzudringen.

„But first we need to get a hold on three Winky uniforms…“

– Scarecrow

Getarnt in den Uniformen der Winkies marschieren die Helden also in die Festung um Dorothy zu finden, doch in welchem der tausend Räume ist bloß Dorothy? Vogelscheuche, Tinman und Löwe haben eine Hilfe: Toto! Er bellt lautstark und leitet sie zu Dorothy, die inzwischen komplett allein ist in ihrem Raum.

Umzingelt von Winkies!

Gerade als die vier jedoch unbemerkt abhauen wollen, kommen die Winkies, und ich, zurück auf die Bühne. Dorothy und ihre neugewonnenen Freunde sind umzingelt! Sanft stupse ich den Löwen mit meinem Speer, er zuckt kurz.

Dorothy wird jedoch Held der Situation indem sie der bösen Hexe ein für alle mal ein Ende bereitet. Sie nimmt den Wassereimer neben der Hexe und kippt ihn über sie. Die Hexe schmilzt! Sie verschwindet immer weiter in der kleinen Anhörung, bis zuletzt nur noch ihr Kopf heraus schaut. Die Hexe ist tot!

Die Hexe schmilzt.

Jetzt bleibt nur noch, den Besenstiel der Hexe zum Zauberer zu bringen und ihn erneut um seine Hilfe zu bitten, doch als unsere Helden zurück im Raum des Zauberers sind, sträubt sich der mächtige Zauberer zuerst.

„Kommt zurück zur nächsten Sprechstunde, die ist in etwa 20 Jahren!“, lacht er mürrisch, als die vier den Saal betreten. Diesmal ist Dorothy jedoch nicht so verängstig und fordert den Zauberer auf, sein Versprechen einzuhalten. Schließlich haben sie die Hexe getötet und den Besenstiel hergebracht. Noch immer zeigt sich der mächtige Oz jedoch mürrisch, bis Vogelscheuche und Tinman beschließen, sich den Zauberer selbst anzusehen.

Tinman und Vogelscheuche öffnen den Vorhang der Kammer des Zauberers.

Zur Überraschung aller ist der Zauberer garnicht so groß und mächtig, wie er einst schien. „Du bist ja gar kein Zauberer, du bist ja gar nicht so groß und mächtig, wie wir uns es vorgestellt haben“, platzt es allen irgendwie heraus.

„I guess you’re right, I’m a humbug.“

– Oz

Der Gauner, der sich vor kurzem noch als Zauberer ausgegeben hat, muss allerdings auch zugeben, dass er den Helden nicht wirklich helfen kann. Aber muss er das überhaupt?

"Wird Mut nicht durch deine Taten, und nicht durch deine Einstellung bestimmt? 
Wird Intelligenz nicht durch deine Entscheidungen und nicht durch dein Gehirn bestimmt?
Und wird dein Herz nicht dadurch bestimmt, wie sehr du geliebt wirst und nicht durch deine Liebe?"

Jetzt bleibt nur noch Dorothy, die noch immer nicht nach Hause kann, doch Oz hat eine Idee. Ryder und ich sind in der nächsten Szene die ersten, die die Bühne betreten, denn wir rollen einen riesigen Ballon auf die Bühne. In der „Ballon-Szene“ versuchen Oz und Dorothy vergeblich, mit einem Heißluftballon zurück nach Kansas zu fliegen. Dorothy schafft es mit Toto jedoch nicht rechtzeitig an Bord und bleibt hoffnungslos am Boden zurück.

„I can’t stop it, I don’t know how it works! Goodbye folks!“

– Oz

Als Dorothy jedoch anfängt zu weinen und in die Arme von Vogelscheuche fällt, kommt noch einmal Glinda, die gute Hexe des Nordens in ihrem majestätischen Ring angeflogen. Sie erzählt Dorothy, das sie schon immer die Fähigkeit besaß, nach Hause zu gehen, schließlich hatte sie die magischen roten Schuhe an. „Warum ich es dir nicht früher gesagt hab‘? Du hättest es mir nicht geglaubt und musstest es für dich selbst herausfinden“, antwortet Glinda auf die angestellte Frage, die sich jeder verwirrte Kopf im Raum inzwischen gestellt hat. „Alles was du tun musst, ist deine Hacken drei mal zusammentippen zu lassen und dir zu denken ‚Zuhause ist es am schönsten'“.

Während Dorothy also die magischen Worte wiederholt gehen alle Bewohner des Landes Oz langsam in die Seitenflügel. Das Licht wird dunkler und schließlich ist es komplett schwarz. Man hört ein Rumpeln.

Dorothy sieht sich um. Neben ihr steht das gelbe Haus und der Zaun vom Anfang. Sie ist zurück in Kansas. Überglücklich fällt sie ihrer Familie in die Arme.

There is no place like home!


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Prom 2019

Meine Crocks quietschen, als ich an diesem frühen Nachmittag die Treppe herunter schlendere. Das Hellblau hebt sich ab von Rest meines navyblauen Anzugs ab, den ich mir für heute übergeworfen habe. Um den Hals trage ich eine rote Krawatte, doch zu meiner Krawatte später mehr.

Unten auf der Couch sitzen Heather, Paul und Grandma, die mich etwas ehrfürchtig anschauen, als ich am Ende der Treppenstufen angekommen bin. In meinem Anzug stehe ich sehr aufrecht da, fast etwas steif. Grandma setzt an und erzählt mir, wie gut ich doch aussehe, Heather stimmt nur zu. Wenig später stößt auch Christian dazu, der von oben aus seinem Zimmer auch majestätisch die Treppe herunter spaziert. Er trägt heute einen grauen Anzug mit weinroter Weste und Fliege. Damit will er natürlich so gut wie möglich das Kleid seines Dates, Rachel matchen, schließlich sollen beide auf Fotos heute nebeneinander gut aussehen. Der Grund dafür, dass Christian und ich, die normalerweise leidenschaftlich Jogginghosen tragen, uns in einen Anzug geworfen haben, steht schon seit Anfang des Schuljahres im Kalendar: Heute ist Prom!

Prom ist sowas wie der Abschlussball zum Ende eines jeden Schuljahres in Amerika. Meistens haben die Bälle verschiedene Themen und werden von dem Schulkomitee, einer Gruppe von Schülern, die sich um solche Angelegenheiten kümmert, veranstaltet. Wo in „Zurück in die Zukunft“, meiner Amerika-Referenz Nr. 1, das Thema Unterwasser Seezauber war, ist unser Thema heute verzauberter Wald, was sich allerdings in nichts widerspiegelt, was sich später herausstellen wird.

Inzwischen ist Austin, ein Freund von Christian bei uns angekommen und wir machen ein paar Bilder. Austin trägt einen komplett weißen Anzug mit einer goldenen Weste und goldener Fliege.

Jetzt, wo wir schon einmal fein angezogen sind machen Austins Mutter, Heather und Grandma dutzende von Bildern von uns allen in jeglichen Formen und Haltungen. Da beide Baseball spielen, muss natürlich auch ein Foto mit Baseball Handschuhen gemacht werden. Ich schleiche in Christians Zimmer und klaue mir einen Baseball Schläger um in das Bild zu passen. Heather drückt den Auslöser.

Wenig später kommt endlich Christians Date, Rachel, mit ihrer Mutter in einem silbernen Jeep auf unsere Auffahrt gebraust. Aufgeregt verlassen alle wieder das Haus, inzwischen waren wir wieder reingegangen, um mit ihr noch ein paar mehr Bilder zu schießen.

Überraschend holt Heather für uns ein paar Buchstaben aus der Küche.

„Wahrscheinlich finde ich das morgen alles auf Facebook wieder“, wirft mir Austin über die Schulter zu. Er sollte sich übrigens nicht irren. „Noch begeisterter als von Fotos von ihren Kindern sind die Amerikaner eigentlich nur von Football und Chicken Waffel Sandwiches…“, kontere ich hart. Zweihundert Fotos später verabschieden wir vier uns von unseren Eltern zuhause und machen uns endlich auf den Weg zum Prom.

Der Ball findet allerdings nicht etwa in unserer Schule, wie oft in High School Filmen suggeriert, in einer alten Bank, mitten im Stadtkern von Port Huron, direkt am Wasser und in Sichtweite von Kanada, statt. „Ich hätte nicht gedacht, das mein erster High School Prom in Sichtweite von Kanada stattfinden würde“, setze ich an, als wir in Christians blauem Pick Up auf den kleinen Parkplatz vor dem Ballsaal fahren. Ein paar blaue Fähnchen in Eimern markieren, wo der Parkplatz anfängt und trennt ihn von einem Stück Land daneben ab. Schnell hole ich mein Handy raus und schieße ein paar Fotos von uns, wie wir auf den Hintereingang der Location zusteuern. Ein paar Dutzend Schüler, einer feiner angezogen als der andere, warten bereits vor der kleinen Eingangstür. Auch hier mache ich schnell ein Foto, da ich heute nicht nur für meinen Blog berichte, sondern auch für unsere Schülerzeitung „The Lighthouse“, für die ich seit ein paar Wochen fleißig Artikel schreiben darf. Hier geht es zu den letzten Ausgaben der Zeitung.

Vor der Kulisse des Ballsaales und den alten Klinkerbauten des Stadtkerns drehen Emilia und James, auch Schreiber für „The Lighthouse“ schon ein paar pre-Interviews um sie später in einem Artikel verwenden zu können.

Viele meiner neugewonnenen Freunde aus der Schule sind heute hier, die ich inzwischen fröhlich begrüße. Alle sind aufgeregt, was gleich passieren wird, wann es endlich losgeht und was es eigentlich zu Essen gibt.

Um Punkt sechs Uhr wird die kleine Hintertür geöffnet, vor der wir uns schon sehnsüchtig aufreihen. Als ich durch den Türbogen spaziere blicke ich Mrs. Moran, meiner ehemaligen Mathelehrerin ins Gesicht, die mich mit einem Lächeln im Gesicht begrüßt. Mit einem kleinen Gerät scannt sie den QR-Code, den ich in meinem Wallet in meinem Handy gespeichert habe. Kurz durchlebe ich noch einmal ein Erlebnis vorletzten Sommers, als ich von meiner Schwester Tickets für ein Freundeskreis Konzert bekommen habe, die Internetseite aber, nunja, nicht durch überragende Seriosität in Erscheinung getreten war, wie man es sich vielleicht hätte vorstellen können. Das Gerät des Manns vom Security, der mein Ticket gescannt hat, schien den QR-Code einfach nicht lesen zu wollen. Dreißig Sekunden Panik später wurde der Code allerdings akzeptiert und wir wurden reingelassen. Nachdem ich nun auch hier reingelassen wurde, betreten wir einen schmalen Gang, der zum Ballsaal führt. Ich sehe ein bekanntes Gesicht.

Mr. Raney, mein Lehrer für Chor und Gitarre, lächelt mich an. Er steht im Gang und lotst die aufgeregten Schülermassen in Richtung des Saals. „Hübsche Krawatte – so schlicht rot, einfarbig“, spricht er mich an. Ich erwidere das Kompliment und spreche auf seine Krawatte an: „Ganz gleichfalls – so schlicht schwarz, passend zum Anzug.“ Um uns sehe ich verwirrte Augenpaare, die erstaunt auf die gelben Enten auf unseren Krawatten, und dann auf uns schauen. Mr. Raney und ich bezweifeln die Existenz von Badeenten. Warum wir das tun, und warum wir eigentlich beide gelbe Enten auf unseren Krawatten haben? Nebensächlich.

Die meisten Schüler haben schon an einem der unzähligen Tische im Saal platzgenommen, als Christian, Rachel, Austin und ich durch einen großen Eingangsbogen dazu stoßen. Der Saal ist einer der ältesten der Stadt, wurde aber gerade neu renoviert. Das angenehm warme Abendlicht, das durch die großen Fenster fällt, fiel hier einst auf eine Bank, dem ursprünglichen Verwendungszweck des Gebäudes. Heute ist das nur noch durch den großen Tresor zu erkennen, dessen große Tür noch sichtbar in der Wand hängt.

Neben uns vier sitzt unter anderem Jakob an unserem Tisch, der kurz nachdem wir uns alle gesetzt haben, die erste Entdeckung an seinem Glas auffindet. Es ist fast wie in einem Loriot Sketch.

Jacob findet Lippenstift an seinem Glass. Classic.

Während Jacob noch fassungslos auf sein Glas schaut, haben die meisten der Seniors schon platzgenommen im Saal. Eine Angestellte mit einem Klemmbrett fängt erst in der hintersten Ecke an, tischeweise die Schüler zum Buffet zu schicken. Wir schnaufen. Zwar sitzen wir etwa in der Mitte des Blockes von Tischen, trotzdem dauert es gefühlt eine Ewigkeit, bis wir aufgerufen werden, zum Buffet zu gehen. „Ich hoffe nur, es gibt Kartoffelpüree“, merkt Austin neben mir an.

Die Kellnerin mit Klemmbrett ruft noch einen weiteren Tisch zum Buffet, bevor sie sich endlich uns aushungernden Jugendlichen zuwendet und uns den Weg zum Essen freigibt. Austin sollte nicht enttäuscht werden, es gibt Kartoffelpüree! Er zieht ein breites grinsen auf, während er sich mit dem großen Löffel, der in der Schüssel hängt, reichlich von dem eigentlich so deutschen Essen auf den Teller schaufelt.

In den metallenen Schalen befindet sich neben dem Kartoffelpüree, in dem übrigens auch ein Hauch Knoblauch ist, unter anderem Nudeln mit mediterranem Gemüse, Pesto-Bruschetta Chicken und irgendetwas vom Rind. Dazu wurden kleine Brötchen und Salat mit Ranch Dressing gereicht. Nun mag ich sicherlich nicht der qualifizierteste Food Tester auf WordPress sein, sicherlich möchte ich mir allerdings eine Scheibe des Quotenkuchens abschneiden, weshalb nun eine Rezension der eben genannten Speisen folgt.

Brot – gut, Salat – gut, Nudeln – gut, Gemüse – gut, Chicken – gut,… okay, der Rest ist vielleicht selbsterschließend. Im Übrigen habe ich es immerhin geschafft, ein gut aussehendes Close Up Bild von meinem Essen zu schießen – In feinster Food Blogger Manier.

Nun fehlt nur noch ein Getränk, für das wir vier zur Bar gehen, die an der Rückwand des Saales platziert ist. Wir alle entscheiden für uns eine Strawberry Sprite, also Sprite mit einem Schuss Erdbeersyrup, das der Barkeeper aus einem langen Schlauch direkt in unser Glas leitet. Irgendwie cool.

Austin scharbt gerade das letzte Bisschen seines Kartoffelpürees von seinem Teller, als die ersten Tische zum Dessert übergehen. Neben dem großen Buffet stehen noch zwei weitere Tische, auf denen Brownies mit Vanilleschaum, etlichen Streuseln und Soßen Platz finden. Ich kann es mir nicht nehmen lassen auch ein Close Up von meinen Brownies mit reichlich Schokolade und Karamell zu erstellen.

Verführerisch schmilzt die Schokolade und das Karamell läuft den Brownie herunter, als ich mich wieder auf meinen Platz gesetzt habe. Traumhaft.

Jetzt wird es allerdings höchste Zeit, zu dem Punkt des Abends zu kommen, der sinnbildlich für Prom stehen sollte – Der Tanz!

Den Rest des Abends sollte noch ordentlich getanzt, gefeiert und Spaß gehabt werden, der DJ spielt also einen Kracher nach dem anderen und wir tanzen, tanzen und tanzen. Bis vor den großen Fenstern des Ballsaales die Sonne untergeht vergehen noch ein paar schöne Stunden mit meinen neugewonnenen Freunden!


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The Wizard of Oz 1/2

Es ist etwa kurz nach zwölf, als Alayna und ich auf den bunten Parkplatz unserer Highschool vorfahren. Viele der Parkplätze sind bemalt. Alaynas rotes Auto steht auf einer großen, gemalten Flagge. Ein Elternteil eines kleineren Mädchens hält uns beiden die große Schwingtür des gläsernen Vorbaus auf. Wo Alayna einen großen Koffer voller Make Up hinter sich herzieht halte ich nur einen kleinen Schuhbeutel in der Hand. Der ältere Frau scheint es nicht zu schnell zu gehen, sie zieht eine Flappe. Vor zehn Minuten noch saßen wir zusammen mit den anderen an einem der hölzernen Tische bei Cracker Barrel, einem „old country store“. Neben Schaukelstühlen, Gitarren und einem schwarz-weiß Portrait einer Dame, die unheimlich in die Kamera schaut schmausten wir Bacon und Pancakes.  

Inzwischen bin ich an der Umkleide angekommen. Erwartungsvoll reiße ich die Tür auf. Mit offenem Mund blicke ich zuerst einem großen Block an Kostümen entgegen, dann Jeremiah, Adam, Jack, Gavin, Avery, Ethan und Jayvon. Ich stoße den Jungs zu, die sich schon intensiv auf die Show vorbereiten. Inzwischen ist das Anziehen unserer Kostüme, das Auftragen des Make Up und das positionieren unserer Utensilien zur Routine geworden. Zu lauter Musik tanzen wir den „Crab Rave“. Obwohl dies bereits das vierte mal ist, das wir die komplette Show aufführen, merke ich langsam, dass meine Aufregung steigt. Es ist Zeit, sich in Richtung der Bühne aufzumachen, und den großen, roten Vorhang zu öffnen. Port Huron Highschool & Central Middle School präsentieren: „The Wizard of Oz“ 

Aus dem Orchestergraben tönt Musik. Wir befinden uns in Kansas. Die Gemüter der Einwohner dieser Gemeinde aus Farmern sind rau, die Mentalität südlich. „Uncle Henry“ (Avery) und „Aunt Em“(Lauren) betreten die Bühne. Beide beugen konzentriert über einem Korb und zählen. Etwas frustriert schauen sich beide kurz an, bis „Dorothy“(Alayna) auf die Bühne stürmt. In ihrer Hand ein Korb mit ihrem Hund „Toto“(Marty), der interessiert in den Korb schaut. Als das unschuldige Mädchen aus Kansas jedoch besorgt mit ihrer Familie reden will, bekommt sie nur Ablehnung.

„Dorothy, we’re trying to count…!“

– Uncle Henry

Genervt von ihrer Familie verlassen Dorothy und Toto schnell die Bühne und verschwinden Backstage. „Hunk“(Adam), „Hickory“(Gavin) und „Zeke“(Ethan/Jayvon) bringen einen großen Karren auf die Bühne. Ein Rad fehlt. Auch hier ist die Stimmung aufgeheizt. Lautstark fangen die Charaktere erst an, einander, dann Aunt Em anzubrüllen. Sie reagiert lässig und verteilt ein paar Kekse, um die Gemüter zu beruhigen.

Als nächstes führt „Mrs. Gulch“(Beyonce) mit einem alten, schwarzen, Damenfahrrad auf die Bühne. Sie sieht wütend aus. Ihr Problem: Toto. Dorothys kleiner Hund passt der alten Dame offensichtlich garnicht. „Was fällt dem Hund ihres Kindes ein, so laut zu sein!“, beschwert sie sich lautstark bei den Farmern. „Ich habe eine offizielle Beschwerde beim Sheriff eingereicht, also unternehmen sie etwas, oder der Hund muss beschlagnahmt werden!“.

Für Dorothy ist das ein Albtraum, sie muss Toto abgeben. Glücklicherweise gelingt es Toto, der alten Mrs. Gulch auszubüxen, und zurück zu Dorothy zu laufen, die den Hund nimmt, und beschließt, wegzulaufen. Ganz weit weg. Über den Regenbogen.

„Where trouble melts like lemon drops,
away above the chimney tops
that’s where you’ll find me.“

– Dorothy in „Somewhere over the Rainbow“

Mit Toto auf dem Arm trifft das junge Mädchen auf „Professor Marvel“(Jack), einem dubiosen Professor, der ihr einen Blick in die Zukunft gewährt.

Dorothy und Professor Marvel schauen auf Kansas, Dorothys zuhause.

Dorothy ist von dem Gesehenen verwirrt. Aunt Em scheint es nicht gut zu gehen und sie beschließt, dem kleinen Abenteuer ein Ende zu setzen und nach Hause zu gehen, doch ein Sturm zieht auf…

Als ich meine „queue line“ höre, beginne ich mich zu bewegen. Jetzt ist es für mich jedoch noch nicht Zeit, auf die Bühne zu gehen, erst habe ich eine andere Aufgabe. Schnell laufe ich durch den langen Gang vor dem Theater bis ich schließlich vor dem Chor-Raum ankomme und die Tür aufmache. Aus der Dunkelheit hier blicken mich etwa 30 fragende Augenpaare von Grundschülern an.

Die kleinsten Darsteller unseres Musicals sind fast an der Reihe, auf die Bühne zu gehen, also beginne ich, die Meute leise aus ihrem Warteraum zu lotsen. Kaitlyn hilft mir die Tür offen zu halten. Etwa 20 Grundschülertraben auf die Bühne hinter das Kulissenbild, das an langen Bändern an der Decke des Theaters festgemacht ist. Uncle Henry stürmt auf die Bühne…

„It’s a twister, it’s a twister!“

– Uncle Henry

Während ich die Grundschüler hinter ihren kleinen, angemalten Häusern aus Holz platziere und für etwas Ruhe sorge (alle sind natürlich aufgeregt) fängt das große, gelbe Haus an wild über die Bühne zu drehen. Ein Wirbelsturm. Dorothy, die verzweifelt in das Haus geflüchtet ist, schreit laut nach Hilfe. Niemand ihrer Familie kommt ihr jedoch zur Hilfe, alle sind schon im Schutzbunker.

Das Haus kommt zum stehen und das Kulissenbild wird gehoben. Dorothy öffnet die Tür des Hauses und findet sich an einem Ort wieder, den sie noch nie zuvor gesehen hat: Sie landet in Munchkinland.

Dorothy verlässt ihr Haus, das mitten im Munchkinland und auf der bösen Hexe des Ostens gelandet ist. Nur ihre Füße mit den roten Schuhen schauen noch unter dem Haus hervor.

Es dauert nicht lange bis „Glinda“(Hannah), die gute Hexe des Nordens, sie empfängt und schnell aufklärt, dass sich Dorothy jetzt nicht mehr in Kansas befindet. Doch das ist noch nicht alles. Wie es scheint ist das gelbe Haus genau auf die böse Hexe des Ostens gefallen und hat sie getötet – Ein Freudentag für alle Bewohner von Oz, die sich nun nicht mehr vor der Hexe fürchten müssen. Kurz danach kriechen alle kleinen Munchkins, die Grundschüler, die ich vorhin noch leise auf die Bühne begleitet habe, hinter ihren Häusern und Büschen hervor. Sie singen, tanzen und danken Dorothy, dass sie die böse Hexe getötet hat!

Verwundert schaut Dorothy um sich, als sie von Munchkins umringt wird.

Bald wird den Munchkins und auch Dorothy allerdings klar, dass eine Hexe zwar tot ist, es aber noch eine zweite gibt. Die böse Hexe des Westens (Shawnna) erscheint unter viel Nebel. Schnell bemerkt sie was der bösen Hexe des Ostens, ihrer Schwester, widerfahren ist.

„You dropped your house on my sister? How can anyone be so unbelievably clumsy?“

– The Wicked Witch of the West

Traurig scheint die böse Hexe jedoch nicht zu sein, denn nun kann sie einen Gegenstand ihrer Schwester haben, den sie schon immer begehrte… Die roten Schuhe! Bevor sie sich versieht hat sich Dorothy allerdings schon die glitzernden Schuhe angezogen. Die Hexe stöhnt laut, Dorothy schaut verwundert daher. „Die Schuhe kann ihr niemand abnehmen, so lang sie lebt!“, klärt Glinda, die gute Hexe, auf. Beide Hexen starren sich verfeindet an.

Während die böse Hexe also frustriert von der Bühne geht erklärt Glinda Dorothy, die doch eigentlich nur nach Hause möchte, dass sie ihr nicht wirklich helfen kann. Der einzige, bei dem Dorothy eine Chance hätte, wäre der mächtige Zauberer von Oz höchst persönlich. Der Weg dorthin ist jedoch gefährlich und lang. Tapfer und vielleicht etwas naiv macht sich das junge Mädchen auf den Weg…


Nach einer weile, Dorothy hat inzwischen eine Runde im Theater hinter sich, bleibt sie jedoch stehen. Vor ihr ist steht eine Vogelscheuche. „Wo es wohl lang geht?“, denkt sie laut vor sich hin. „Vielleicht da lang?“, tönt es aus der Leere, „Oder doch lieber da lang?“. Dorothy braucht eine Sekunde, bis sie bemerkt, das die Vogelscheuche (Adam) soeben zum Leben erwacht ist und mit dem einen Arm nach rechts und mit dem anderen nach links zeigt. „Einige Leute gehen auch in beide Richtungen…“, die Arme der Vogelscheuche kreuzen sich. Verwirrt fragt Dorothy warum die Scheuche sich nicht entscheiden kann. Die Antwort: „Ich habe kein Hirn, nur Stroh.“ Auf die Frage, warum die Vogelscheuche denn dann sprechen könnte, antwortet sie nur:

„I don’t know, but some people without brains do an awful lot of talking, don’t they?“

– Scarecrow
Dorothy, die Vogelscheuche und die Krähen.

Liebend gerne hätte die Vogelscheuche ein Gehirn. Nicht einmal die Krähen, die sich inzwischen lauthals auf dem kleinen Podest niedergelassen haben, auf dem vorher die Vogelscheuche saß, haben Angst vor ihr. In der Hoffnung, der Zauberer könnte der Vogelscheuche ein Gehirn, und Dorothy zurück nach Hause bringen, machen sich also beide auf den Weg.

Während die beiden noch eine Runde im Theatersaal drehen, wird auf der Bühne ein kleiner Wald aufgebaut. Dorothy ist hungrig, und sieht die glänzenden roten Äpfel, die von den Ästen der Bäume hängen. Doch als sie ausholt, um einen der Äpfel zu pflücken fängt der Baum sich an, zu bewegen. Beleidigt fangen die Bäume an, beide mit Äpfeln zu bewerfen. Der Saal lacht.

„Ölkanne…“, murmelt der verrostete Tinman leise. Dorothy und Vogelscheuche helfen.

Wenig später bleiben die beiden noch einmal stehen. Sie lernen „Tinman“ (Gavin) kennen, einen Mann aus Zinn. Einst war er ein fleißiger Holzfäller, doch die böse Hexe hat die Axt von Tinman verzaubert. Während er also eines Tages ahnungslos Holz fällen wollte, hat ihn seine eigene Axt in Stücke zerlegt. Schrecklich. Was Tinman seit jeher fehlt ist ein Herz. Ob der Zauberer von Oz wohl helfen kann?

Der Freundeskreis um Dorothy ist allerdings kurz davor, sich noch ein mal zu vergrößern, als sich die drei von dem helleren, fröhlichen, in den verzauberten Düsterwald begeben. Dort treffen sie den Löwen (Ethan/Jayvon), der sich auch der Clique anschließt. Als der Löwe hinter einem der dunklen Bäume hervorspringt, sind alle erst verängstigt, doch bald stellt sich heraus, dass er garnicht so gefährlich ist.

„Oh the Lord made me a Lion but forgot to make me brave!“

– Cowardly Lion

Was dem Löwen fehlt, ist Mut. Der Löwe hat Angst vor fast allem, er ist ein Feigling. Ob der große Zauberer von Oz ihm wohl eine Packung Mut spendiert?


Während alle von der Bühne gehen, lenkt die böse Hexe, die in einer kleinen Nische in der Wand steht, die Aufmerksamkeit auf sich. „Wie kann ich die vier aufhalten, bevor sie zum Zauberer gelangen?“, überlegt sie laut. „Ich brauche etwas liebliches, etwas mit Gift… Blumen! Mohnblumen werden sie zum Schlafen bringen!“ Das Spotlight auf der Hexe wird dunkler, und sie verschwindet mit einem lauten lachen.

Löwe, Tinman, Vogelscheuche und Dorothy treten wieder auf die Bühne und finden sich umgeben von den vielen Mohnblumen, die ein fast hypnotisches Schlaflied singen. „Ich könnte jetzt echt ein Nickerchen vertragen…“, fängt Löwe an. Einer nach dem anderen schlafen unsere Protagonisten ein – bis auf die Vogelscheuche und Tinman. Tinman weint verzweifelt und schreit nach Hilfe. Auch die Vogelscheuche fängt an, lauthals nach Hilfe zu schreien.

Zum Glück lässt Hilfe nicht lang auf sich warten und Glinda, die gute Hexe des Nordens erscheint.

Glinda lässt es schneien, und Löwe, Vogelscheuche, Tinman und Dorothy sehen die Stadt aus Smaragden.

Zwischen den Blumen wendet sie einen ihrer Zauber an: Sie lässt es schneien. Schnell sind die Blumen bedeckt und alle wieder wach. Und auch die ihr Ziel liegt jetzt vor Augen: Die Stadt aus Smaragden – Heimat des Zauberers von Oz.

„We’re off to see the wizard, the wonderful wizard of Oz!“

Der Vorhang schließt sich.


Wenn dir meine Nacherzählung der Geschichte gefallen hat, hinterlasse mir doch deine E-Mail Adresse um keine neuen Berichte mehr zu verpassen! Achso, und wann komme ich eigentlich auf die Bühne…?

Mein erster Schultag 1/2

Als ich an diesem morgen aufwache, fällt es mir schwerer als sonst, die Augen zu öffnen, zu Sinnen zu kommen, irgendwie aus dem Bett, zum meinem Handy zu stolpern. Eigentlich mag ich es nicht, direkt am morgen auf ein helles Display zu schauen, aber da ich weiß, dass ich nur schwer aus dem Bett zu kriegen bin, habe ich mein Handy prophylaktisch auf den kleinen Schreibtisch in meinem Zimmer gelegt. Jetzt klingelt es. Für einen Moment frage ich mich, warum ich so fertig bin, dann fällt mir ein, dass es halb sechs ist, und ich gestern nicht wirklich einschlafen konnte. Vielleicht habe ich auch nur sehr schlecht geträumt. Waren meine letzten Assoziationen mit dem, was heute auf mich zukommt vielleicht nicht positiv? Gut möglich, denn heute ist mein erster Schultag. 

Nach einem obligatorischen Gang ins Bad ziehe ich mich um. Dann packe ich meinen Rucksack. Bereits am Abend zuvor habe ich mir Gedanken gemacht. Zwei Sport Outfits haben es in meinen Rucksack geschafft, ein dicker Block mit meinem Stundenplan darin. Was man wissen muss, ist, das amerikanisches Papier ein anderes Format hat als deutsches. Das amerikanische Equivalent zum deutschen DinA4 Format ist ein wenig kürzer, dafür etwas dicker. Ein Zufall? Die kürzere Länge ist kein Problem, aber die zusätzliche Dicke setzt meinem Rucksack so zu, dass ich, zusammen mit meinen Sportklamotten und meinem Tennisschläger Probleme habe, ihn zu schließen. Spontan packe ich noch ein Deo ein. Als ich mich dem halb geöffneten Fenster in meinem kleinen Zimmer nähere, bemerke ich erst die Kälte, die in mein Zimmer zieht. Ich ziehe über mein T-Shirt also meinen dicken roten Pulli, den viele wahrscheinlich kennen. Ich fühle mich ausgerüstet für einen Militäreinsatz. Für jede Individualität bin ich gewappnet. Vergessen habe ich noch nie etwas. Mit diesem Gefühl von Sicherheit steppe ich mit großen Schritten die Treppe herunter. Wenn mich andere dabei gesehen hätten, wäre ich vielleicht in Zeitlupe gelaufen. Lange hält das Gefühl nicht an, denn nach etwa der Hälfte der Stufen, in der Mitte der Treppe ist ein kleiner Podest, fällt mir das erste Item des Tages ein, das ich vergessen habe. Wieder unten angekommen ist das erste was ich sehe, wie immer das große, zum liegen einladende, beige Sofa. Darauf sitzen meine Gasteltern. Ihre Gesichter von einem iPad erhellt. Der Rest des Raumes liegt im Dunkeln. Ich bin aufgeregter als sonst beim üblichen „Guten Morgen Talk“. Ja, ich habe gut geschlafen (habe ich nicht), mir geht es gut (naja) und ja, ich freue mich auf die Schule. Und das stimmt sogar. Ich erwische mich kurz bei dem Gedanken „Schlimmer geht es ja nicht mehr“, dann beschließe ich, aber nicht weiter darüber nachzudenken. Versteh mich nicht falsch, ich mochte meine Schulen Deutschland. Ich stehe sogar manchmal wirklich gerne auf, um mich dann auf meinem Dratesel die Straße runter rollen zu lassen. Ich mag die meisten meiner Lehrer, die Gebäude, meine Freunde. Was ich nicht mag ist der Unterricht. Mir fallen auf Schlag zehn Dinge ein, die man verbessern könnte. Kein Problem. Es ist langweilig, dauert zu lange, und ist unfair. Und dann die Stimmung. Ich werde wirklich häufig komisch angeschaut, wenn ich mit einem Lächeln das Gebäude betrete. Es fühlt sich an, als würde ich auf eine Beerdigungsfeier gehen. Jeden Tag. 


Warum ich die Schule nicht mag? Hier geht es zu einem Artikel von mir über die Schule!


Jedenfalls setze ich meinen Gang in die Küche fort. Die Küche und das Wohnzimmer verbindet eine ausladende Doppeltür. Nie habe ich sie geschlossen gesehen, weshalb die Küche eigentlich halb im Wohnzimmer steht. Auf dem langgezogenen Tresen der Küche stehen viele Dinge. Ein Korb mit Brötchen für Hamburger und Hot Dogs, ein paar Saucen, darunter Ketchup, Senf, Miracle Whip, und ein paar andere, die ich noch nicht kenne. Direkt daneben eine Fritteuse, daneben ein Toaster, daneben ein Blech mit frisch gebackenen Zimtschnecken.

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Ich hole mir einen Teller und zwei Schnecken. Ich setze mich an den Küchentisch zu meinem Gastbruder Christian. Der hat bereits eine Zimtschnecke verputzt. Still geben wir uns ganz unseren Zimtschnecken hin, bis Heather, meine Gastmutter, uns aufscheucht. Das „erster Tag in der Schule“-Bild muss noch gemacht werden. Ich streiche mir durchs Haar. „Bitte lächle doch einmal!“, bittet Heather ihren Sohn. Er weigert sich, wahrscheinlich aus Prinzip. Vor lauter Ernsthaftigkeit müssen wir beide lachen. In der Hoffnung, wir wurden in einem passenden Moment festgehalten, nehmen wir unsere Rucksäcke und begeben uns auf die Reise. 

Normalerweise würde man jetzt irgendwo hinlaufen, mit seinem großen Rucksack, einem grünen Apfel und einem Butterbrot, das die Mutter für einen geschmiert hat, man aber sowieso nicht isst, in einen gelben Bus steigen, sich neben irgendeine Jenny setzen, sich verlieben, und so weiter… Nur haben Christian und ich einen kleinen Vorteil (oder Nachteil?): Meinen Gastvater Paul, der ist nämlich Lehrer für „World History“ an unserer Schule, der Port Huron Highschool. Er kann uns jeden Morgen zur Schule mitnehmen. Ich hatte sowieso nicht vor, mich zu verlieben. 

Über die große Auffahrt laufen wir zur Doppelgarage und steigen in Pauls schwarzen Pickup. Ich gestehe: Vor den USA habe ich noch nie in einem Pickup gesessen, hier sitze ich fast nur in Pickups. Zur Schule fahren wir ein kurzes Stück auf den Highway, und dann durch die Stadt. Die Highschool ist nicht wirklich im Zentrum, sodass wir schon sehr bald da sind. Drei, wie ein Pi-Zeichen angeordnete Streifen von Parkplätzen sind vor dem Hintereingang der Highschool. Vorbei an ein paar Tennisplätzen und einem Footballfeld slided Paul elegant auf seinen Stammparkplatz. Während dem Einparken erzählt er mir, dass das sein Parkplatz ist. Natürlich wäre er nicht böse, wenn jemand anderes mal da steht, aber das muss schon ein sehr großes Missverständnis sein, immerhin ist es sein Parkplatz, witzelt er. Wir lachen und betreten durch einen kleinen Hintereingang die Schule.

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Schon einmal war ich in der Schule, zur Registrierung. Trotzdem habe ich null Orientierung. Alle Gänge scheinen gleich auszusehen. Rechts eine Tür, links eine Tür, dazwischen ein paar Spinde mit dicken Zahlenschlössern. Genau so wie man es sich vorstellt. Der Gang zieht sich endlos weiter, irgendwann biegen wir nach links ab in einen weiteren Gang. An der Wand: Ein Straßenschild. Wir betreten die Success-Road. Auf die anderen Straßennamen gespannt, laufe ich Paul und Christian nach, die zielsicher in die nächste Straße abbiegen. Geflasht von der Endlosigkeit des Ganges, der übrigens wieder genau aussieht wie der erste Gang und die Success Road, vergesse ich den Namen dieses Ganges sehr schnell. Irgendwann kommen wir beim Raum Nr. 116 an. Pauls Raum. Hier hat nicht jede Klasse, sondern jeder Lehrer seinen Raum. Die Schüler pendeln dann immer von Lehrer zu Lehrer. An der Wand in Pauls Raum hängen ein paar Plakate von Schülern über den zweiten Weltkrieg, oder so. Daneben hängt eine Weltkarte. Wo in Deutschland eine Kreidetafel war, ist in Pauls Raum (und in allen anderen auch) ein langes Whiteboard. In der Mitte findet ein Projektor platz zum projizieren. An den Seiten ein paar Infos. Von Handynutzung über Hausaufgaben über Toilettenregelung. Man muss den Lehrer fragen und sich mit seiner Handynummer in eine Liste eintragen. Mit etwas Glück bekommt man einen „Hall-Pass“. Dann muss man in zehn Minuten wieder zurück sein. Schräg unter dem Whiteboard steht ein kleiner Schreibtisch mit einem Computer und einer Tastatur, die Paul wild bearbeitet. Auf dem Beamer erscheint eine PowerPoint Folie mit dem Plan für die Woche. Ich bin beeindruckt. „Er plant immer alles durch. Er kann dir genau sagen, was du Dienstag in einem Monat machst.“, spricht mich Christian von der Seite an. Besser so als umgekehrt, denke ich mir. Die ersten Schüler kommen in Pauls Raum und Christian und ich machen uns auf den Weg. Er hat in der ersten Stunde „Weights and Conditioning“, also Gewichtheben. Ich habe „Recreational Sports“, ein Kurs, der sich um viele Sportarten kümmert. Ein bisschen wie deutscher Sportunterricht. Volleyball, Basketball, alles mal dabei. Zum Glück finden beide Kurse im Gym statt, sodass er mich noch ein bisschen begleiten kann. 

Bis wir am Gym angekommen sind, scheint es eine Ewigkeit zu dauern. Die Gänge ziehen sich. Wir biegen zurück auf die Success Road, dann auf den Excel Broadway. Schließlich stehen wir vor einer großen Schwingtür, die ins Gym führt. Christian verabschiedet sich in einen Nebenraum der riesigen Sporthalle, ein weiterer Raum mit ein paar Hantelbänken und Sportgeräten an den Wänden. Mein Kurs findet in der Haupt-Halle statt. Die eigentliche Halle ist nur ein relativ schmaler Streifen Laminat in der Mitte, denn der Großteil der Halle wird von zwei riesigen Tribünen eingenommen. An den Wänden die Initialen der Stadt, PH für Port Huron. Sogar auf der Tribüne sind sie wiederzufinden. Alles ist in einem schicken Rot gehalten. Hinter den prominent in der Mitte platzieren Basketballkörben hängen Tafeln mit den Schulrekorden. Ein Michael hat 1999 die beste Volleyballsaison der Schule abgeliefert. Eine Rachel hat während einem Basketballspiel die meisten Körbe geworfen. 

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Also stehe ich da. Um mich herum versammeln sich langsam mehr und mehr Jungen, die wohl alle in meinem Kurs sind. Dann taucht unser Lehrer auf, jedenfalls denke ich, dass es unser Lehrer ist. Ein älterer Mann mit krummem Rücken und Geheimratsecken, in denen Vögel nisten könnten. Ein Poloshirt hängt über ihm wie ein nasses Handtuch. Drei obere Knöpfe, die geöffnet sind, lassen etwas Brusthaar durchschimmern. Ich male mir schon aus, wie der Unterricht bei ihm aussehen würde, ein paar von uns begrüßen ihn. Dann geht er in die Nebenhalle und schließt die Tür hinter sich. Das war wohl der falsche. Hinter uns ist inzwischen ein weiterer Lehrer gekommen. „Ist das unser Lehrer?“, frage ich vorsichtig irgendjemanden der gerade neben mir steht. Ich bekomme ein nüchternes „Ja“ als Antwort. Bei dem Sportlehrer eben fiel es mir schwer, ihn mir in Bewegung vorzustellen, aber bei diesem…? Mr Jensen, wie er sich später vorstellt ist ein wenig molliger. Als er näher kommt beobachte ich das erste mal in meinem Leben folgendes Naturphänomen von äußerer Seltenheit: Sprechende Schweißperlen. Jedem, der Mr Jensens Schweißperlen auf der Stirn anschaut, dem flüstern sie erst „No pain, no gain“, und dann „Don’t look at me!“ zu. Mit grimmiger Miene scheucht Mr Jensen uns auf die Tribüne. Ich setze mich neben Ape, wie er sich bei mir vorstellt. Er geht schon zum College, macht aber noch ein paar Stunden an der Highschool. Drei Sportkurse und einen Englischkurs, nur damit er nicht nur Sport macht, erzählt er mir stolz. In seiner Hand hat er ein viel zu großes Handy, im mir abgewandten Ohr einen AirPod. Bevor ich ausgesprochen habe sehe ich den letzten Schüler die Tribüne hoch trampeln. „Digby, beeil dich!“, ruft Mr Jensen eilig. Mir lächelt sein breiter Mund entgegen. Vorne fehlt ein Schneidezahn. Ich scheine der einzige zu sein, der ihn anschaut, denn er fixiert mich mit seinen dicken Glupschaugen. Er ist etwas klein, dafür etwas dicker als ich. Seine Hose hängt an einem ungünstigen Ort, auf dem beigen T-Shirt ist ein Schokoladenfleck. Irgendwie ist er mir sympathisch. Er setzt sich neben mich. Bevor ich auch nur ein Wort sagen kann, erzählt er mir sein halbes Leben. Seit einer Ewigkeit schreibt er Liebeslieder, die er manchmal Mädchen in der Schule vorsingt, plappert er los. Bisher hat er noch nie ein hübsches Cheerleader abbekommen, und ob das Mädchen da drüben ihm wohl ihre Nummer gibt? 

Ein Mädchen? Das hatte ich garnicht gesehen. Ganz am Rand der Tribüne sitzt doch tatsächlich ein Mädchen. Das einzige in unserem Kurs. Hat sie sich versehen oder ist einfach nur taff? Während mir Digby weiter seine Lebensgeschichte erzählt, fangen Mr Jensen und seine Schweißperlen wieder an zu reden. „Die üblichen Regeln“, fängt er an, „ihr kennt das ja alles, hier habe ich ein paar Formulare, die ihr bitte ausfüllt. Morgen kümmern wir uns um eure Locker, übermorgen fangen wir an Sport zu machen“. Für jedes Wort brauche ich einen Moment, um es zu verstehen, so schnell spricht er. Und nein, ich kenne die üblichen Regeln nicht, aber ich traue mich auch nicht nachzufragen. All zu dringend scheint es nicht zu sein, denn die Hälfte der Klasse widmet seinem Handy mehr Aufmerksamkeit. Am Ende der Stunde stehen alle vor der Mittellinie der Halle. Pünktlich zum Gong, der eher ein elektronisches Piepen ist, stürmen alle nach draußen. Ich mache mich auf den Weg zu meiner zweiten Stunde: AP Gov.  


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