Across the States – Photostory

Es ist Spring Break! Begeistert verabschieden sich tausende Schüler Michigans in die Ferien. Auch wir machen uns auf eine Reise. Während Christian zuhause schon die ersten Baseball Spiele hat, nehmen mich Paul und Heather mit nach Gatlinburg, Tennessee, in den Great Smoky Mountains.

Ich habe unsere Reise mit ein paar unscharfen Handybildern festgehalten.

Einmal angekommen, ist der Ausblick fantastisch, und schnell beschließen wir, eine kleine Wanderung zu unternehmen…


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Reise ins Paradies 2/2

Circa drei Stunden später sind wir angekommen. Leider scheint Captain Luke zu schnell geflogen zu sein, sodass wir in Dallas angekommen noch etwa 10 Minuten auf unser Gate warten müssen. Neben Todessternen zerstört Luke also auch Zeitpläne.  

An unserem Gate angedockt bin ich wieder einer der ersten, der aufspringt. Der Frau neben mir helfe ich, ihren Koffer aus dem Fach zu ziehen. Anders als in Detroit, strömt mir keine kalte Luft entgegen als ich durch den Finger zu meinem Ankunftsgate laufe.

In Texas ist es angenehm lauwarm. Als ich die große Halle betrete, in die der Finger am Gate endet, staune ich erneut. Ein riesiger Bogen aus Glass umfasst das Gebäude, das mit seiner hohen Decke genug Raum für reichlich Restaurants und Cafés. Mit einem Blick sehe ich zwei Starbucks. Direkt daneben sind die Gates. Ich bin in Terminal D, das glücklicherweise auch mein Abflugsterminal ist. Ich muss also nur ein paar Gates laufen, und bin direkt bei meinem nächsten Flugzeug. Auf dem Weg schaue ich mich um und entscheide mich, einen Halt bei Starbucks zu machen. Auf Meeghins Empfehlung hin, entscheide ich mich für einen Pink Drink, eine Art Erdbeermilch und -eis mit Erdbeeren. Über meinem Kopf rast ein Zug, der die einzelnen Terminals miteinander verbindet, ähnlich wie der People Mover in Detroit.  

An meinem Gate angekommen setze ich mich erst einmal hin. Neben meinem Gate ist ein Flug nach Tokio dabei, zu boarden. Besorgt klingende Ansagen auf japanisch dröhnen durch die Halle. Wieder werden Passagiere dazu aufgefordert, an den Counter zu kommen, nur klingen ihre Namen weniger amerikanisch. Ein „Mr. Wing Wing Wing“ muss nach vorne kommen. Wirklich war. Bescheiden halte ich derweil Ausschau nach anderen Alleinreisenden in meinem Alter. Meinen roten Hoodie habe ich ausgezogen, um Blick auf mein lila YFU T-Shirt zu geben. In der Hoffnung, das mich jemand anspricht setze ich mich und fange an, meinen Blogartikel zu schreiben. Ich schreibe also von heute morgen, was ziemlich praktisch ist, da ich noch ziemlich klare Erinnerungen habe. Derweil steigen die letzten Fluggäste in das Flugzeug nach Tokio. Ein letztes mal wird irgendjemand aufgerufen. Niemand kommt. Ich auch nicht. Kurz denke ich darüber nach, zum Counter zu gehen, und Rey aus Star Wars zu zitieren.  

„Auf wen auch immer du auch wartest, sie werden nie kommen.“ 

Obwohl ich es einen Moment wirklich in Erwägung gezogen hatte, entschließe ich mich, es gut sein zu lassen. Lieber stehe ich noch einmal auf und spaziere einmal um das Terminal herum, bevor ich die nächsten acht Stunden im Flugzeug sitze. Die suche nach anderen Austauschschülern habe ich offiziell aufgegeben, nachdem mich niemand angesprochen hat. Ich laufe also im Kreis und blicke noch einmal auf die Skulptur in der Mitte der Halle. Was sie wohl darstellen soll? Ich weiß es nicht, weißt du es? Dummerweise habe ich es auch nicht nachgeschaut, obwohl ich es jetzt gerne gewusst hätte.  

Zurück am Gate fängt gerade Gruppe eins an zu boarden. Wieder sehe ich meinen Veteranen, der als erstes in die Maschine geschoben wird. Ich kann nicht genau erkennen, ob es der gleiche Mann ist, aber zumindest eine Ähnlichkeit besteht. Auch ich reihe mich so langsam ein. Vor mir sehe ich ein Mädchen stehen. Sie hat einen deutschen Reisepass mit Tickets in der linken Hand. Sherlock Holmes-artig analysiere ich, dass die Wahrscheinlichkeit gering ist, dass sie keine Austauschschülerin ist, was sonst will man in Dallas und fliegt nach Hawaii. „Bist du von YFU?“, frage ich mit einer Prise Neugier in der Stimme. „Ja“, antwortet sie schnell. „Ich habe dich beobachtet und deinen Pass gesehen“, fange ich an, während ich bemerke, dass das eine furchtbare Art ist, jemanden anzusprechen. Das kann ich doch besser. Hannah, so stellt sie mir sich vor, scheint es mir nicht zu verübeln und erzählt, dass sie aus Rheinland-Pfalz kommt. Viel Zeit bleibt uns jedoch nicht, sie steigt ein mit Boarding Gruppe 6, ich bin in Gruppe 9. Dementsprechend weit auseinander sitzen wir auch im Flugzeug. Also verabschieden wir uns, bis später.  

Lässig laufe ich wenig später erst durch den Finger, um dann fast schon mit Routine in die Maschine zu steigen. Ich gestehe, ich komme mir ein wenig cool dabei vor.  

In der Boeing 777 gibt es zwei Reihen mit jeweils drei Sitzen an den Fensterseiten und eine Vierergruppe von Sitzen in der Mitte. Ich habe einen Platz in der Mitte. Auf 20e, meinem Sitz, hat diesmal noch niemand Platz genommen. Neben mir sitzt ein Mitte 20-Jähriger mit einer pinken Adidas Jacke. Auf der anderen Seite sitzt noch niemand. Auf meinem Sitz liegt bereits ein Kissen und eine Decke. Ich mache es mir gemütlich. Captain Randy begrüßt uns und seine Crew herzlich auf American Airlines Flug 5 nach Honolulu, was mich zweifeln lässt, ob man, um Pilot bei American Airlines zu werden, eigentlich einen stereotypischen amerikanischen Vornamen haben muss.  

Die Maschine beginnt sich zu bewegen, was für mich gute Nachrichten sind, denn das schließt aus, das sich noch jemand neben mich setzt. Dekadent breite ich mich aus.  

Gerade haben wir die Flughöhe erreicht, da rollen zwei Stewardessen einen großen Essenswagen an mir vorbei. Passend, denn ich hatte bisher noch nichts gegessen. Heute im Angebot: Chicken BBQ oder Vegetable Wrap. Ich entscheide mich für das Chicen BBQ, in der Annahme, das man damit wenig falsch machen kann. Meine Annahme sollte sich bewahrheiten, tatsächlich war der Chickenwrap nicht schlecht. Dazu gab es echte hawaiianische Chips (?) und Schokorosinen.

Eine Stunde fliegen wir jetzt schon, und es scheint ein wenig ungemütlich zu werden. Etwa über Roswell, was meiner Meinung nach kein Zufall sein kann, haben wir Turbulenzen. Alle müssen sich anschnallen. Eine Frau in der reihe schräg vor mir fängt an zu quicken, was meine Aufmerksamkeit auf sie zieht. Wie es aussieht, teilt sie sich die Fensterreihe mit einem Afroamerikaner, und einem Europäer. Soeben hat sie sich mit Wein begossen, was das kurze Quicken erklärt. Nicht nur sie ist mit Wein gut dabei, sondern auch ihr Nachbar, der Europäer, auf dessen Tisch ich blicken kann. Er bekommt gerade ein neues Glas Weißwein. Links der Frau sitzt der Afroamerikaner. Er bekommt ein kleines Fläschchen, das von Weitem aussieht wie ein Feigling. Alle drei unterhalten sich euphorisch, die Frau lacht immer wieder laut. Mir scheint, als hätte sich einen Weg aufgetan, alle Völker und Geschlechter der Welt zusammenzuführen. Eine Möglichkeit, alle, zumindest für eine kurze Zeit, an einem Strang ziehen zu lassen. Alkohol.  

Noch sieben weitere Stunden verbringe ich damit, auf fremde Bildschirme zu schauen (sehr interessant!), zu schreiben, und die Seele baumeln zu lassen. Schlafen kann ich nicht, zu aufgeregt bin ich noch immer. Etwa eine halbe Stunde bevor wir landen beginnt Captain Randy mit dem sanften Landeanflug. Mit Kaubonbons in der Hand, bin ich auf das Schlimmste vorbereitet. Doch diesmal bleibt Ohrenschmerz aus. Sollte mein linkes Ohr sich doch daran gewöhnt haben, Druck auszugleichen? Ich schöpfe Hoffnung.  

Wenig später setzt die Boeing 777 in Honolulu auf.  

Aloha Hawaii!


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Reise ins Paradies 1/2

Ach, jetzt wo ich so darüber nachdenke, hätte ich vielleicht doch ein wenig früher ins Bett gehen sollen. Wo ich gestern noch bis neun unterwegs war, liege ich jetzt, um kurz vor drei am Morgen mit einem schrillen Wecker im Ohr in meinem irgendwie ungemütlichen Bett. Verantwortungsbewusst gebe ich mich nach ein mal umdrehen aber meinem Schicksal hin und stehe auf, zu meinem Handy, um dem nervenden Gefiepe ein Ende zu bereiten. Duschen, Zähneputzen, und noch ein paar letzte Sachen zusammen suchen. Gerade als ich, natürlich habe ich schon alles eingepackt, die Checkliste meiner Organisation durchgehe, sehe ich mich der ersten Hürde entgegen. Ich hatte gewusst, das ich irgendetwas vergessen würde, aber das es schon gleich der zweite Stichpunkt auf der Liste wäre, damit hätte ich nicht gerechnet. Also packe ich entnervt alles wieder aus und frage Heather. „Hast du meine Krankenversicherungskarte?“ „Ich habe sie zuletzt vor fünf Monaten gesehen“.  

Die letzten Dinge…

Eine halbe Stunde später, inzwischen ist es zehn nach vier, sitze ich im Auto nach Detroit. Neben mir eine große Tasche und mein Rucksack. Darin, in meinem Portemonnaie, ein Stück Papier mit meiner Versicherungsnummer, meinem Namen und noch ein paar Infos. Naiv hoffe ich, das ich mir in der nächsten Woche kein Bein breche beim Wellenreiten und in keinen Vulkan falle. Was soll auch schief gehen…  

Eingecheckt habe ich bereits im Internet, muss nur noch meine Tasche abgeben und mein Ticket ausdrucken. Wir nähern uns inzwischen dem Flughafen. Ich erwische mich dabei, ein wenig zu zittern, allerdings nicht aus Angst, sondern aus Vorfreude. Vielleicht auch Kälte, noch immer sind es Minusgrade im verschneiten Michigan. Zuhause habe ich noch aus Gewohnheit nach meiner dicken Winterjacke gegriffen, als ich das Haus verlassen habe. Nur mit meiner dünnen Sommerjacke bin ich, zumindest gefühlt, dem Erfrieren sehr nah auf den paar Metern von Parkplatz zum Terminal. Das Terminal und das Parkhaus verbinden ein paar Rolltreppen und ein langer Gang. Kennst du diese langen Förderbänder, die es immer in langen Flughafenhallen gibt? Ich finde, dass das allein schon ein Grund genug ist, um zu fliegen. Dass nicht inzwischen jede Innenstadt mit diesen faszinierenden Beförderungsmaschinen ausgestattet ist, sehe ich als menschliches Versagen. Vielleicht ist es an der Zeit, ein innovatives Startup zu gründen.  

Beeindruckt setze ich einen Fuß in das Terminal N und bin auf der einen Seite fasziniert vom bunten Treiben unter mir, zum einen besorgt über die Menschenmassen, die mich vom Sicherheitscheck trennen. Wie eine Katze auf der Lauer schleiche ich die Treppe herunter und lasse mich einen Moment lang von der Faszination Flughafen mitreißen. Ein Schmelztiegel der Kulturen, ein Ort an dem irgendwie alle gleich sind. Es riecht nach Menschen, Druckertinte, Kaffe, und abgegriffenem Plastik. Die grelle Beleuchtung lässt hier Tag und Nacht verschwimmen. Obwohl ich gerade im Auto noch geschlafen habe, bin ich jetzt hellwach und konzentriert. Obwohl Fliegen inzwischen unumständlich und idiotensicher ist, bin ich beim CheckIn auf dem großen Touch-Display hoch fokussiert.

Ob ich ein Baby mit mir trage? Ich werfe erst Paul, dann Heather einen Blick zu, vermutlich aus Angst irgendwas falsch zu machen. Nach kurzer Überlegzeit klicke ich zuversichtlich auf „Nein“. Wir alle lachen, ich habe sichtlich zu lange gebraucht. Meine Tasche bekommt einen dieser fancy Klebestreifen umgehängt und wird von einem Mitarbeiter unsanft auf das Gepäckband geworfen. Ob es daran liegt, dass die Tasche die Aufschrift „Lufthansa“ trägt? Ich fliege mit American Airlines. „Vielleicht hätte sich eine andere Tasche in dieser Situation besser gemacht“, denke ich laut, als ich vom CheckIn-Counter zum Sicherheitscheck laufe…  

So aufgeregt wie ich bin, scheine ich sehr schnell zu laufen, denn Heather und Paul habe ich schon um ein paar Meter abgehängt. Ich warte kurz. Die Schlange vor dem Sicherheitscheck hat sich seit ich das letzte Mal geschaut hat, nicht verkleinert, im Gegenteil. Also verabschiede ich mich, und reihe mich in der langen Schlange ein. Ein paar scharfe S-Kurven später, bedingt durch das Absperrband, werde ich von einer Sicherheitsfrau angeschrien, weiter aufzufüllen, was mich dazu veranlasst, mich zu fragen, worin eigentlich der Unterschied zwischen diesem Jobzweig und einem Marktschreier besteht. Gibt es überhaupt einen? Ist es im Prinzip nicht völlig gleich, oben man mit heiserner Stimme Menschen anschreit, oder das neueste Gemüse bewirbt?  

Die Schlange teilt sich in vier kleinere Schlangen vor vier kleinen Podesten mit Beamten, die Pässe kontrollieren. Unbewusst habe ich mir den coolsten aller Beamten ausgesucht. Vor mir steht ein älterer Mann mit einem langen weißen Bart. Der Beamte schaut auf das Passfoto.  

„Steve, wir haben ein Problem“, sagt er mit einem wirklich besorgten Unterton. „Du musst den Bart abrasieren.“. Steve schaut entsetzt und krault sich bescheiden den langen Bart. Ich kann mir ein Lächeln nicht verkneifen. Steve ist garnicht zu lachen zu Mute. Nach ein paar Sekunden muss auch der Beamte anfangen zu lachen und lässt Steve passieren. Beim Block auf mein Foto, das nun drei Jahre alt ist, bekomme ich nur gesagt, das ich ja ordentlich gewachsen sei. Das mag stimmen, zwar sind meine dicke Nase und meine blauen Augen noch wieder zu erkennen, trotzdem ähnelt der 13-Jährige Jonas mit seidenglatter Haut, und dem runden Babygesicht mir nicht mehr all zu sehr.  

Als nächstes lege ich meinen Computer und meine PowerBank in die kleinen Kästen, um sie durch den X-ray schieben zu lassen. Hier scheint es mit der Sicherheit nicht so genau genommen zu werden, wie damals in Chicago, als ich Hoodie, Schuhe und Jacke ausziehen musste. Heute kann ich einfach so durch den Metallscanner marschieren. Wie eigentlich immer, habe ich vergessen, meinen Computer aus seiner Hülle zu ziehen, also muss er noch einmal durchleuchtet werden. Keine Probleme soweit. Befreit atme ich auf, als ich aus dem Securitybereich stapfe. Ich blicke nach links, ich blicke nach rechts. Meine nächste Aufgabe ist es, Gate D28 zu finden. 

Gefunden! Zugegeben, Gate D28 lag direkt hinter dem Sicherheitscheck, trotzdem bin ich stolz, es bis hier hin ohne elterlichen Einfluss geschafft zu haben. Noch eine gute Stunde muss ich warten, bis das Boarding beginnt, also schnappe ich mir einen der Sitzplätze am Gate. Hin und wieder werden willkürliche Namen ausgerufen, nie kommt jemand. Vermutlich ist das der Grund, warum sie ausgerufen werden, denke ich so vor mich hin. Innerlich bin ich noch immer aufgeregt. Durch das gigantische Fenster habe ich freien Blick auf unsere Maschine, eine Boeing 737, die von den winzig scheinenden Flughafenarbeitern auf eine sehr wuselige Art und Weise beladen wird. Ich bin fasziniert, wie ein so komplexes Flughafensystem, das täglich tausende Menschen abfertigt, zusammenarbeitet und -hält. Ein bisschen funktioniert es, wie in einer Ameisenkolonie. Tausend Zahnräder, die perfekt ineinander fassen, können, richtig angeordnet, eine Uhr ergeben. In der Wissenschaft nennt man dieses Phänomen „Emergence“, oder subtil: Viel dummes ergibt etwas schlaues. Doch nicht nur das Prinzip „Emergence“ fällt mir auf.  

Hinter die Reihe von Stühlen, in der ich sitze, wird ein Mann mit seiner Frau geschoben. Obwohl beide offensichtlich noch laufen können, sitzen beide im Rollstuhl und werden von zwei Servicekräften geschoben, worüber ich nicht urteilen möchte. Der prominent auf seinem Kopf platzierten Kappe zu entnehmen, ist der Mann Kriegsveteran aus Vietnam. Der Mann ist nicht der erste Veteran, den ich in den USA sehe, trotzdem fällt er mir dieses mal ganz besonders auf. Immer wieder kommen Menschen aus dem Nichts und danken ihm, für seine Dienste am Land. Vor allem weiße Männer sehe ich. Fast wie ein berühmter, schüttelt er eine patriotische Hand nach der anderen. Es ist interessant, wie mit einem Krieg so unterschiedlich umgegangen wird. Vor einem guten Jahr habe ich mit meinen eigenen Augen in Vietnam noch eine ganz andere Interpretation des Vietnamkriegs gesehen.  

Falls du dich für Vietnam interessierst, hier habe ich für vivanno.de von meinem Besuch ganz unterschiedlicher Menschen in Vietnam berichtet.

Dann geht es endlich los. Als angesagt wird, dass das Boarding jetzt beginnt, springe ich enthusiastisch auf, um allerdings kurze Zeit später fest zu stellen, dass ich in Boarding Gruppe 9 bin. Von 9. Ich sitze in Reihe 8, also fast ganz vorne. Da das Flugzeug von hinten nach vorne aufgefüllt wird, bin ich einer der letzten. Bevor allen anderen wird jedoch der Kriegsveteran in die Maschine geschoben, zusammen mit seiner Frau und noch ein paar anderen Auserwählte. Dann sind erst die Business- und Economy Class, und danach alle restlichen dran.

Vom Finger zum Flugzeug…

Tatsächlich sitze ich fast direkt hinter dem kleinen Economy Teil, der durch eine Wand und einen kleinen Vorhang abgetrennt ist. Frustriert muss ich feststellen, dass sich auf meinem Platz, Nummer 8e, schon dekadent eine Frau niedergelassen hat, die natürlich keine Ahnung hat. Für einen Moment fühle ich mich, als würde ich Bahn fahren. Naja. Mit einer Loriot Szene im Flugzeug im Hinterkopf, weise ich die Frau freundlich darauf hin, dass sie auf meinem Platz säße, ich jedoch gerne ihren Platz einnehmen würde, da sie ja schon säße. „I appreciate it“, entgegnet sie, und scheint fast ein wenig gerührt zu sein. Schon immer „konnte ich gut“ mit gutmenschlich fürsorgenden Amerikanerinnen, was in Vergangenheit nicht nur zum Überkonsum von Pancakes geführt hat. Anstatt also in der Mitte von zwei Amerikanerinnen sitze ich nun zwischen einer anderen Amerikanerin und dem Gang, was mir die Möglichkeit gibt, mich auch ein wenig auf den Gang zu lehnen, da ich den Armlehnen-Kampf von Anfang an verloren hatte.  

Captain Luke stellt sich vor, und liest uns pflichtbewusst das Wetter in Dallas vor, wie es sich als Captain nunmal gehört. Jahrelang wollte ich selbst Pilot werden, habe sogar Flugstunden genommen und auch die Theorie gelernt. Nur für diese Ansage. Würde Captain Jonas (sehr amerikanisch ausgesprochen) nicht perfekt klingen? Zumindest hat es das in meinem Kopf, doch als ich „älter wurde“ habe ich schnell das Interesse am Fliegen verloren. Während wir langsam zum Runway rollen, überlege ich, ob ich es wohl immer noch schaffen würde, eine Passagiermaschine wie diese hier zu landen. Schnell beschließe ich, dieser Frage lieber nicht live auf den Grund zu gehen und mich ganz auf Captain Luke zu verlassen. Der weiß schon, was er tut. Hoffe ich.  

Langsam rollen wir zum Runway und beschleunigen erst langsam, dann immer schneller und schneller. Ich erhasche einen Blick aus dem Fenster und sehe die Erde auf eine zauberhafte Weise schnell kleiner werden. Magisch. Schnell jedoch ist von der Erde nicht mehr viel zu sehen; wir fliegen durch eine dicke Kumuluswolke, die nach ein paar Sekunden die Sicht auf alles andere versperrt. Ein paar weitere Sekunden vergehen. Ich genieße es, in den Sitz gepresst zu werden und fühle langsam, wie sich Druck auf meinen Ohren aufbaut. Die Wolke verzieht sich und lässt auf die gerade aufgegangene Sonne blicken. Ein Kind hinter mir schreit: „Look, Mum!“. Blutrot, orange fadet das Sonnenlicht in die Wolken, die aussehen, wie Schnee. Obwohl ich in den letzten Tagen genug Schnee gesehen habe, genieße ich die Aussicht.  


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Morgen kommt Teil 2!

Detroit & Meeghin – Photostory

Um etwa drei Uhr haben mich Meeghin und ihre Großeltern abgeholt. Unser Ziel: Detroit.

Schon einmal war ich in Detroit und habe aus dem Autofenster ein paar wundervolle Bilder schießen können. Diesmal werden wir auch zu Fuß „Motor City“ erkunden können. Erst einmal nähern wir uns jedoch im Auto. Aufgeregt schießen Meeghin und ich schon jetzt unzählige Bilder.

– Im Auto –

Zu „Lose Yourself“ von Eminem fahren wir also in die, teilweise schon von der Abendsonne beleuchteten Innenstadt Detroits ein.

Nach einiger Zeit haben wir einen Parkplatz in der hektischen Innenstadt gefunden und steigen aus. Unser erstes Ziel: der Peoplemover. Wie magisch bewegt sich die Bahnlinie völlig Autonom über den Köpfen der Menschen hier.

Mir eröffnen sich einmalige Aussichten auf die teils Jahrzehnte alten Hochhäuser. Mit einem Blick über die Blocks fühle ich nicht nur den Vibe der Großstadt, sondern auch einen Hauch der Luft.

– Zu Fuß & Peoplemover –

Im inneren Stadtkern angekommen, steigen wir aus und erkunden die weitere Innenstadt…

Es ist inzwischen spät. Die Sonne ist untergegangen und wir haben Hunger. Zum „Dinner“ suchen wir uns ein traditionelles Lokal aus, was nicht nur typisch amerikanisch ist, sondern auch zu einem vollendeten „Detroit-Erlebnis“ einfach dazu gehört:

– Five Guys –

– Zurück zum Auto –


Ich hoffe, dir hat diese, etwas andere Geschichte von meiner Reise nach Detroit gefallen. Lass mich wissen, ob ich öfter mal eine Fotogeschichte gestalten soll!

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Bayern – In Michigan? 1/2

Zusammen mit Happy, dem aufgedrehtesten Hund dieser Welt, meinem Computer und einem kühlen Wasser sitze ich an meinem Lieblingsplatz im Haus, einem alten Schaukelstuhl im Wohnzimmer. Ich habe noch ein paar Hausaufgaben zu erledigen. Nur mässig motiviert klicke ich durch ein paar Videos und Quizze. Fach: AP Government, ich lerne über die amerikanische Regierung. Im Moment geht es um den „Congress“, der aus dem „Senate“  und dem „House of Representatives“ besteht. Dieses Zweikammersystem ist auf den Konflikt von großen Staaten, die sich eine Anzahl von Vertretern, angepasst zu der Bevölkerungszahl wünschten, und den kleinen, die eine feste Nummer von Vertretern für jeden Staat bevorzugten, zurückzuführen. Logisch. Am Ende der Debatte hat man sich dann im großen „Connecticut-Compromise“ darauf geeinigt, dass man doch einfach beides macht, es wurde also der „Senate“, mit zwei Vertretern pro Staat, und das „House of Representatives“ mit einer Zahl von Vertretern, angepasst zur Bevölkerungszahl, gegründet. „Welch ein Einfall“, denke ich ironisch for mich hin.  

Nik hängt in seinem Zimmer rum, Heather und Paul sitzen auf der großen, beigen Couch, eine Decke über den Beinen. Vor uns flimmert der große Fernseher, es läuft Football. Der Sprecher berichtet hektisch über das Geschehen, ich habe längst den Überblick verloren. Christian hat heute morgen das Haus schon früh verlassen, um arbeiten zu gehen. Happy springt gerade von meinem Stuhl und nimmt seinen Stammplatz am Fenster ein, als Paul diesen morgendlichen Wahnsinn mit einem Vorschlag unterbricht. „Wie wärs mit einem Trip nach ‚Little Bavaria‘?“, fragt er, zuerst Heather, dann mich anschauend. Little Bavaria? Kleines Bayern? Klingt interessant.  

Wenig später befinden Nik, Heather Paul und ich uns im Auto. Auf dem Weg erzählt Paul ein bisschen über unser heutiges Ausflugsziel. „In dieser Stadt haben sich damals eine Ansammlung von Deutschen niedergelassen, genauer aus Franken, daher der Name. Heute spricht natürlich keiner mehr deutsch, aber irgendwie hat sich der bayrische Charme des kleinen Dorfes erhalten. Heute ist es eine riesen Touristenattraktion.“, erzählt er, während Nik und ich auf dem Rücksitz interessiert zuhören. „Unser erster Stop ist der größte Weihnachtsladen der Welt. Ungelogen“. Langsam kommen wir unserem Ziel näher, ein Ortsschild verrät, dass wir uns jetzt in Frankenmuth befinden. Über der breiten Straße erstreckt sich ein riesiges, gebogenes Schild. „Willkommen“, lese ich laut vor. Nik starrt mich fragend an, ich zeige nur auf das Schild. Links und rechts vom Schild sind zwei kleine Häuschen mit dem bayrischen blau-weiß Karo-muster und roten Dächern. Künstlerisch, ein bisschen an einen Freizeitpark erinnernd, erkenne ich nach und nach mehr Häuserfassaden der eigentlich relativ kleinen Stadt. Bevor wir jedoch in den Stadtkern vordringen, biegt Paul auf den riesigen Parkplatz des „Christmas Wonderland – Worldwide Selection“-Shops, der von außen eher unscheinbar aussieht. Einmal um die Ecke gebogen bemerke ich schnell, wie weit der Parkplatz noch um das Gebäude herumreicht, und wie viele Autos sich gleichmäßig darauf verteilen.

Trims & Gifts

„Heute ist ein guter Tag, es ist nicht viel los“, fängt Heather dann an. Nik und ich fragen erstaunt nach, wie voll es denn in den Ferien ist, oder kurz vor Weihnachten. „You can’t move“ kommt die Antwort schnell. Im Giebel des Gebäudes, das auch gut eine dieser riesigen DHL-Lagerhallen hätte sein können, steht Willkommen auf 30 Sprachen. Nik ist frustriert, dänisch ist nicht dabei. Deutsch natürlich schon, immerhin befinden wir uns in „Klein-Bayern“. Während Heather und Paul fast ein wenig routiniert und mit einer gesunden Portion Gelassenheit den Laden betreten, fallen Nik und mir die Kinnladen runter. Vor uns erstrecken sich Reihen über Reihen von Weihnachtsartikeln.

Weihnachtsstore Eingang

Das erste was ich erkenne ist eine kleine Ansammlung von Krippen in jeglicher Farbe, Ausführung und Größe. Daneben ein Regal mit ähnlichem Sortiment, aber in Halloween Edition. Weihnachtskrippen in Halloween? „Amerika“, wirft mir Nik zu. Ich nicke lachend. Über unseren Köpfen hängt ein Schild: „Section 5“. Weiter hinten im Raum finde ich „Section 10 & 11“. Der ganze Weihnachtsladen ist in Sektionen unterteilt. In Sektion 10 gibt es zum Beispiel Weihnachtskugeln, dorthin gehen wir als erstes. Es gibt einen Teil, der nach Ländern geordnet ist. Im „Germany“-Abteil finde ich von Lederhosen, über Liedtexte und Bierkrügen so ziemlich alles. Nik entscheidet sich dafür, eine dänische Kugel mitzunehmen, ich entscheide mich für eine deutsche. Auf der Rückseite unserer Kugeln stehen jeweils ein paar Traditionen, die in Deutschland und Dänemark an Weihnachten angeblich so üblich sind. Heather sucht noch ein paar andere für unseren internationalen Weihnachtsbaum aus. Darunter auch eine mit unserem Abschlussjahrgang, eine für Oma und eine mit einem Lehrer drauf, für Paul. 

Weiter hinten in der langen Halle finde ich noch einen Haustierteil, einen mit und für Prinzessinnen, einen „Outer Space“-Abschnitt und, wirklich war, einen mit mehreren Ananas-Variationen.

pineapple

Entlang der Halle ist eine Reihe von Kassen und Informationsständen. Weiter geht es mit Weihnachtsdörfern in etlichen Ausführungen. Völlig erschlagen von tausend Artikeln habe ich längst den Überblick verloren. Am Ende eines Ganges finden wir ein kleines Theater mit einem fast lebensgroßen Maria und Joseph Pappaufsteller und einer Art Harmonium. Danach kommt eine überdimensionale Sammlung von künstlichen Weihnachtsbäumen.  

Etwa eine Stunde später stehe ich wieder vor der Tür und versuche mich an das helle Sonnenlicht zu gewöhnen. Unser Pick Up wird heftig geschüttelt, als wir über die kleine Erhöhung am Parkplatzausgang fahren, die Rasen verhindern soll. Noch immer kämpfe ich mit der grellen Sonne, die jetzt durch das Fenster beim Rücksitz direkt in meine Augen scheint. Langsam nähern wir uns „Frankenmuth Downtown“, also dem Stadtzentrum. Die Anzahl an bayrisch anmutenden Häusern nimmt proportional zu. Während ich mich frage, ob man daraus eine lineare Funktion formen könnte, rollen wir auf den nächsten Parkplatz, der nicht weniger klein ist, als der vom Weihnachtsgeschäft. Beim Aussteigen erkenne ich, im Auto war es fast nicht zu erkennen, dass der Parkplatz zu „Zehnders“, einem riesigen Restaurant, gehört. Paul erzählt, das Zehners bekannt für ihr „Chicken“ sind, aber wir natürlich die Gelegenheit haben werden, uns unser eigenes Bild machen zu können. Bevor wir uns jedoch dem Hühnchen Genuss hingeben, beschließen wir, den verwunschenen Stadtkern zu erkunden.

parkplatz

Im Prinzip ist der Stadtkern nur eine Straße mit Geschäften links und rechts, also fangen wir an, die Straße linker Hand herauf zu bummeln. Das erste Geschäft, was uns zusagt, ist, wie die meisten Geschäfte an der Straße ein Souvenirladen. Für einen kleinen oder großen Groschen kann man typisch deutsche Souvenirs erwerben. Dazu gehören Tischdecken, Ohrringe und Leuchten. Eigentlich genau das, woran man sofort denken würde, wenn von deutschen Souvenirs die Rede ist. Während ich an diesen „Souvenirs“ getrost vorbeigehen kann, hängt sich mein Blick an ein paar runden Magneten für den Kühlschrank auf. Ich entscheide, ein paar mitzunehmen.

Magnets

Ein paar Meter weiter bestehe ich darauf, den nächsten Shop zu betreten. „Frankenmuth Fudge Store“ ließt es sich prominent auf dem Eingangsschild. In Deutschland habe ich ständig von dem berühmten Fudge gehört. Ein paar fleißige Mitarbeiter stellen die süße Leckerei aus Zucker, Milch und Butter für uns frisch her im anliegenden Raum, der durch eine breite Glasscheibe schaufensterartig vom Verkaufsraum abgetrennt ist. Hier gibt es Fudge in jeglicher Geschmacksrichtung. Ich, der Fudge-Anfänger, entscheide mich für Dunkle Schokolade. Nik nimmt gesalzene Schokolade, Heather, passend zu Halloween, Kürbiskuchen, Paul Apfelkuchen. Besonders interessiert wäre ich, so im Nachhinein, für „German Schokolade“ gewesen, also Kinderschokolade mit Kokusraspeln, wie die lächelnde Verkäuferin mir stolz erklärt. Höflich bedanke ich mich und verlasse den Laden mit einer Erfahrung mehr.  

Fudge

Die nächsten Geschäfte sehen nicht wirklich vielversprechend aus, also wechseln wir die Straßenseite. Vom süßen Duft des Fudges haben wir alle schon etwas Hunger bekommen, was ein Grund dafür sein könnte, warum wir den nächsten Laden betreten, den „Frankenmuth Taffe Store“. Berge von kleinen Toffee Bonbons stapeln sich zu meiner Rechten als ich den Laden betrete. Geübt greift sich Heather einen Eimer und wir fangen wie wild an, ihn zu befüllen. Etwa so viel, wie wir auffüllen, testen wir dabei ausführlich. Wir kommen auf drei stolze Pounds Toffee-Gewicht, das sind etwa 1,3kg. Die Verkäuferin lacht nur, presst den Toffee zusammen. Etwa zehn Minuten später sind wir bei 4 Pounds, die gequetscht im kleinen Eimer sind. „Der Rekord liegt bei sechs Pounds“, entgegnet die Verkäuferin drei erstaunten Gesichtern. „Sechs Pounds Toffee, wer soll denn das alles essen?“, frage ich mich so vor mich hin, als wir auf dem Weg zum nächsten Geschäft den „Frankenmuth Taffe Store“ verlassen.  


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Tag X – Teil 3/3

Noch anderthalb Stunden bis wir landen, ich strecke meine Beine aus. „Lohnt es sich noch, Blog zu schreiben?“, werfe ich Jana zu. „Keine Ahnung“, antwortet Sie. Also sitze ich da. Loriot hat es in einem seiner legendären Sketche einmal gesagt: „Ich möchte einfach nur hier sitzen“. Weise Worte. Mein konzentriertes Sitzen wird jedoch von einem kleinen Zucken in meinem linken Ohr gestört. Oh, das hatte ich ganz vergessen. Große Maschinen haben die Angewohnheit, nicht einfach zu landen, sondern erstmal langsam runter zu gehen. Das gefällt meinem linken Ohr nicht. Irgendwie schaffe ich es nicht, den Druck auszugleichen. Auf dem rechten Ohr ist alles supi, nur das linke zickt. Nach und nach steigt also der Druck auf meinem Ohr, während die Flughöhe und der Inhalt meiner Katjes-Tüte sinken. Trotz meines schmerzenden Ohrs finde ich kurz Zeit, aus dem Fenster zu schauen. Ein interessantes Bild von Wolken über einer Stadt zeigt sich mir. Wie abgehackt hört das Wolkenmuster über dem Ozean auf. Langsam verwandeln sich die Eiskristalle im Flugzeugfenster in Wassertropfen. Als wir weiter runter gehen, erkenne ich, das nicht nur die Wolken exakt geordnet sind.

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Auch die Straßen, Häuser und Gärten der Vorstadt Chicagos scheinen sich einem riesigen Muster zu fügen.

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Kurz bevor mein Ohr (vermutlich) geplatzt wäre, setzen wir wieder auf der Erde auf. Alle drängeln Richtung Ausgang. Durch einen schmalen Gang geht es in Richtung Security Check. Immer wenn man man in die USA fliegt, muss man am Zielflughafen noch einmal sein Gepäck aufgeben und wird durchgeprüft. Absperrbänder und dutzende Sicherheitsbeamte führend uns in eine riesige Halle, von der ein Labyrinth aus weiteren Absperrbändern mindestens 80% einnimmt. Am Ende der Halle sind Passkontrollen. Also stellen wir uns an. An der Wand hängt eine überdimensional große Flagge der USA. Vor den Häuschen, in denen die Sicherheitsbeamten zur Passkontrolle sitzen, hängen Fernseher, auf denen ein Werbefilm läuft. Er zeigt ein Pärchen, das am Strand läuft, dann einen Bäcker, der einen Teig mit den Fingern knetet. Im Hintergrund wehte eine halbtransparente USA-Flagge. Unterbrochen werden diese Idyllenbilder nur von Sicherheitshinweisen. „Do not take photos in this area“ zum Beispiel. Schade, die Halle, in die sich mehr und mehr Menschen drängeln, wäre ein Foto wert gewesen.

Nach der Passkontrolle treten wir in eine weitere Halle. Diesmal ist sie mit Gepäckbändern gefüllt. Ich folge dem Pulk von lila T-Shirts zu einem Gepäckband, das völlig überfüllt ist. Einzelne Koffer werden schon neben das Band gestellt. Darunter auch meiner. Mit meinem Koffer ausgestattet laufen wir einen Gang entlang. Am Ende des Ganges stehen ein paar Männer, die unsere Koffer wieder verladen, ich stelle meinen dazu. Und dann sehe ich ihn: Den ersten McDonalds in den USA. Schnell zücke ich mein Handy und mache im Vorbeigehen ein Foto. 

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Ich folge dem Pulk weiter nach draußen, wo Busse auf uns warten, die uns weiter verteilen. Ich muss zu Terminal 2, von dort aus soll mein Flug nach Flint gehen. Vincent und ein paar andere müssen auch zu Terminal 2.  Mein Flug geht erst um 21:45, jetzt ist es 14:00. Im Bus werden wir von einer älteren Dame angesprochen. Erst auf den zweiten Blick erkenne ich ein lila T-Shirt an ihr. Sie hält ein Klemmbrett mit einem nicht endenden Stapel von Listen in der rechten Hand. In der linken einen lila Stift. „Whats your name?“, fragt sie uns mit einem sehr amerikanischen Slang. Alle sagen ihre Namen, sie hackt ab. Dann bin ich an der Reihe. „Jonas Evers“, „May you spell it for me?“. Natürlich, denke ich. „E-V-E-R-S“. „You’re not on the list.“, stellt sie sehr nüchtern fest. Ich muss sehr beunruhigt dahergeschaut haben, denn die Dame fängt an, beruhigend auf mich einzureden. Sie holt eine zweite Liste raus, lässt mich drauf schauen. Ich entdecke mich ganz unten. Die Dame erzählt, dass mein Flug erst um 21:45 startet. Ach was. Ich hätte mich irgendwo mit den anderen treffen sollen. Woher soll ich das den wissen, frage ich mich. Wir beschließen, einfach bei Terminal 2 auszusteigen und auf die anderen zu warten. 

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Terminal 2 ist eine lange Halle, die Wände sind hoch. In der Mitte ist ein schmaler Spalt, indem sich die Sicherheitskontrolle befindet. Unsere Begleitung stürmt mit den anderen dorthin, Vincent und ich warten davor. Also warten wir. Weiter hinten in der Halle laden ein paar Sitze mit Steckdosen zum Pause machen ein, doch wirklich zur Ruhe komme ich nicht. Ich nerve in der WhatsApp Gruppe, wo die anderen sind. Keine Antwort. Eine knappe Stunde vergeht, bis mich jemand anschreibt. „Wo steckt ihr, wir sind schon am Gate.“ Super, denke ich. Also ziehe ich Vincent von der Steckdose weg, hin zum Sicherheitscheck. Diesmal packe ich mein Deo als erstes aus dem Rucksack raus, doch damit nicht genug. „Die checken ja wirklich alles durch.“, werfe ich Vincent zu. Hinter dem Band, auf dem wir Kästen mit unseren Sachen platzieren sollen, steht ein Polizist, der in etwa mit der Heiserkeit von Piet Thiesen (an schlechten Tagen), und der Lautstärke eines Marktschreiers alle darauf hinweist, am besten alles auszuziehen, um es auf das Band zu legen. „Put off your shoes! Get everything out of your pockets, even paper!“, schreit er uns an. Auf mich wirkt es einschüchternd. Immerhin werden wir nach dem Sicherheitscheck mit einem Starbucks belohnt, der sich direkt dahinter befindet. „Also, ich finde wir sollten den großen Vergleich wagen,“, fange ich an, „Chai Tea Latte in den USA vs Chai Tea Latte in Deutschland.“. Wir stellen uns an, ich bestelle meinen Chai, Vincent irgendetwas anderes und einen Cookie. „You guys enjoy your time?“, plappert es mich von hinten an. Ich drehe mich um und erkenne die Dame wieder. Diesmal tiefen entspannt. Wir antworten beide mit Ja, ich erzähle ihr, dass ich gerade das erste mal mit Dollar bezahlt habe. Sie ist sichtlich begeistert. Genau so begeistert, wie ich, als ich meinen Chai Latte probiere. „Genau wie in Deutschland.“ Das war abzusehen, gebe ich zu. Im Weggehen sehe ich ein paar weitere wartende Starbucks Kunden. Mir fällt ein Mädchen mit roten Rasterzöpfen auf. Ich will ein Foto machen, doch dann…

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Wenig später treffen wir die anderen, auch das Mädchen, dass mir geschrieben hat. Ihr Name ist Allegra, sie fliegt auch nach Flint. Und Melina. Neben ihr saß ich schon in Frankfurt, aber ihren Namen erfahre ich erst jetzt. Zugegeben, wahrscheinlich hat sie mir ihren Namen schon gesagt, denn Sie erinnert sich an meinen. Noch ein paar andere sitzen bei uns, zum Beispiel Jonas. „Cooler Name“, werfe ich ihm zu. Er lacht. Nach Flint fliegen, laut einer Liste, die Allegra gesehen hat wohl fünf Leute. Bisher sind wir nur drei. Jonas, Allegra und ich. Wir suchen uns ein schönes Plätzchen an einem langen Fenster. Wie der Zufall will, ist gegenüber dem Fenster ein großer McDonalds. Ich schaue Vincent an, Vincent schaut mich an. 

Wieder an meinem Platz angekommen, in der rechten Hand mein Handy, in der linken einen Hamburger, fangen wir an, uns zu unterhalten. „Wo kommt ihr hin?“, fragt irgendjemand. Ich erzähle von meiner Gastfamilie, dass ich drei Gastgeschwister bekomme, wir in einer kleinen Vorortschaft wohnen, und ich ein eigenes Zimmer bekomme, weil meine größte Gastschwester gerade ausgezogen ist. Jonas erzählt, dass er nach Marysville geht, wo immer das ist. Allegra geht nach Oxford, einem kleinen Örtchen, etwa so groß wie Kimball. Ich erzähle, dass ich Blog schreibe, und frage, ob nicht jemand korrekturlesen möchte. Also nimmt Melina meinen PC an sich. Glücklich darüber, dass jemand meine Fehlerchen ausbessert, probiere ich meine Fritten. „Wow, die sind viel besser als in Deutschland! Ich glaube in diesem Land bleibe ich ein Jahr!“, scherze ich rum. 

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So vergehen ein paar Stunden. Wir werden immer weniger. Ich verabschiede mich von Vincent, sein Flug geht schon um 16:00. Irgendwann beschließen wir, die nach Flint fliegen, schon zum Terminal zu gehen. Ich bin einfach nur noch müde und schlafe schon vor dem Flug ein wenig. Das wundert mich, denn normalerweise brauche ich ein Bett zum schlafen. Ich bin nicht jemand, der immer und überall schlafen kann. Ich muss schon sehr müde gewesen sein. Um neun Uhr beginnt dann endlich das Boarding. Als ich im Flugzeug sitze schlafe ich eigentlich direkt wieder ein. Dem Geschäftsreisenden neben mir kann ich nur wenig Aufmerksamkeit schenken. So richtig bemerke ich garnicht, dass wir starten. 

Ich wache kurz vor der Landung wieder auf. Prüfend schaue ich um mich. Die winzige Maschine schüttelt sich ein wenig und setzt schließlich zur Landung an. Bevor mein Ohr es überhaupt schafft, weh zu tun, sind wir am Boden. „Manchmal muss man den Schmerz einfach von hinten überraschen, sodass er garnicht erst anfangen kann“, sage ich später zu Jonas. Ich bin happy. Und aufgeregt. 

Ehrlich gesagt hätte ich gedacht, dass ich aufgeregter bin. Wahrscheinlich bin ich einfach nur zu müde um richtig aufgeregt zu sein. Also laufe ich durch einen Finger, zum letzten Mal heute. Das erste mal habe ich das Gefühl, irgendwo anzukommen. Trotzdem fühlt es sich noch ein wenig nach Klassenfahrt an. Flint ist ein kleiner Flughafen, und vom Terminal zum Ausgang sind es nur ein paar Meter. Ich lasse mir Zeit, forme in meinem Kopf schon ein paar Sätze zurecht. Jonas zu meiner linken, die Mädels zu meiner Rechten, laufe ich den breiten Gang entlang auf eine dicke Glastür. Sie steht offen. Erst als ich kurz davor stehe, sehe ich ein paar wenige Menschen warten. Gleich vorne rechts steht meine Familie. Das ist leicht zu erkennen, denn zwei meiner Gastgeschwister, Christian und Samantha halten ein Plakat mit der Aufschrift „Welcome Jonas“ in der Hand. Für einen Moment überlege ich, ob auch wirklich ich gemeint bin. Ich scheine mich für die richtige Familie entschieden zu haben, denn ehe ich mich versehe, schüttel’ ich allen die Hände und wir holen meinen Koffer.

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Im Auto unterhalten wir uns ein wenig, ich versuche nicht einzuschlafen. Dann endlich kommen wir an. Einfach nur müde und erschöpft falle ich wenig später in mein Bett. „Das Bett, in das ich die nächsten 10 Monate jeden Tag fallen werde“, denke ich. Gefühlt bin ich jetzt schon zuhause, doch wie lange wird es dauern, bis ich wirklich hier zuhause bin? 


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