The Wizard of Oz 2/2

Bevor sich der Vorhang heute ein zweites mal auftut, helfe ich, unter anderem das große gelbe Haus von der Bühne, in die kleine Werkstatt zu schieben, die durch ein hohes Tor von der Hauptbühne abgetrennt ist. Dafür schieben wir nun ein anderes Stück der Kulisse auf die Bühne. Von der Decke sehe ich ein großes, grünes, hölzernes Tor herunter kommen.

Alle „Ozians“, darunter auch ich, bringen uns in Position hinter dem grünen Tor, das soeben noch von der Decke baumelte. Inzwischen habe ich mir mein grün kariertes Jacket übergeworfen. Das Orchester setzt an und der Vorhang hebt sich. Insgesamt war die Pause zwischen Akt eins und zwei nur zehn Minuten lang.

Unsere Helden Löwe, Dorothy, Tinman und Vogelscheuche befinden sich vor den Toren der Stadt aus Smaragden. Unerschrocken klopft Dorothy an. Mürrisch schaut der Wächter (Jeremiah) durch das kleine Fenster in der Tür.

Unsere Helden versammeln sich wieder auf der Bühne, um endlich den Zauberer zu sehen!

Nach einem kleinen Dialog beschliesst der Wächter die Fremdlinge in die Stadt zu lassen und stellt ihnen die Stadt in Oz mit ihren Einwohnern, den Ozians, vor. Die Ozians leben ihr bestes Leben, genießen den Jubel und Trubel der grünen Stadt. Angezogen sind sie fein in Jacket, Hemd und guten Hosen, die Mädchen tragen Kleider.

„We get up at twelve and start to work at one, take an hour for lunch and then at two we’re done.“

– Ozians in „Mary old land of Oz“

Im Song „Mary old Land of Oz“ singen die grünen Einwohner nicht nur von ihrem Tagesablauf, sondern verpassen den Charakteren auch eine Aufhübschung durch die „Beauticians“, die aufgeregt Zöpfe binden, Krallen schneiden, ölen und Stroh aufstocken.

Ich bin Teil einer kleinen Tanzgruppe, die für einen Augenblick ein Lächeln auf die Gesichter der Zuschauer zaubert.

Das laute, geschriene Lachen der Hexe unterbricht unseren Tanz, gerade als wir zu einer Endpose ausholen. Es wird neblig im Saal. Die böse Hexe lacht noch einmal, die Ozians zucken zusammen. „Dorothy, gib auf!“, schreibt sie in den Nebel. Fast ein wenig panisch fangen wir an, von der Bühne zu rennen, doch der Wächter beruhigt uns schnell. „Alles ist unter Kontrolle, der große Zauberer von Oz hat alles im Griff, ihr könnt alle nach Hause gehen.“ Alle verlassen die Bühne, bis auf Löwe, Tinman, Vogelscheuche und Dorothy. Liebend gerne würde Dorothy nach Hause, doch nur der Zauberer kann helfen…

Während Löwe in seinem Solo „König des Waldes“ bekundet, was für einen Mut er gefunden hat, um jetzt vor den großen Zauberer zu treten, schaut der Wächter mürrisch von der Seite. Erst als nach dem Lied klar ist, wie hoffnungslos die Situation von Dorothy doch ist, entschließt er sich, zu helfen. „Ich werde euch schon irgendwie zum Zauberer bringen…“

Der mächtige Zauberer versteckt sich hinter dem Vorhang, in der „Kammer des Zauberers“.

Ehe sich die Protagonisten versehen, inzwischen haben sie eine weitere Runde im Theatersaal gedreht, führt der Wächter sie zum mysteriösen Zauberer, der sich hinter einem grünen Vorhang verbirgt. Mit mächtiger Stimme fängt er an, einschüchternd erst Vogelscheuche anzugreifen, dann Tinman und schließlich Löwe, der in seiner Ängstlichkeit schlicht zu Boden fällt. Das Publikum lacht. Mutig fordert Dorothy den Zauberer jedoch auf, ihr zu helfen, bevor die Hexe ihr zuvorkommt, die immer noch hinter ihren roten Schuhen her ist. Der Zauberer willigt ein, aber unter einer Bedingung: Er will den Besenstiel der Hexe! Frustriert verlassen die Vier den Raum des Zauberers.

All dies verfolgen wir auf dem kleinen Fernseher, der in der Umkleide angebracht ist und, zwar verschwommen, aber erkennbar, das Geschehen auf der Bühne wiedergibt. Die Jungs, die vorher Ozians waren, darunter auch ich, schlüpfen jetzt in ihre nächstes Kostüm. Wer vorher Ozian war wird jetzt zum „Winkie“. Winkies waren einmal Ozians, doch wurden von der bösen Hexe verzaubert und haben nun all ihre Farbe verloren. Ich werfe mir also ein graues Oberteil über und ziehe die kurze, graue Hose an, die schon bereit auf meinem Platz in der Umkleide liegt.

Während unsere Helden noch einmal vom Wächter durch das grüne Tor begleitet werden, wird das Schloss der Hexe auf die Bühne gerollt. Als der Vorhang sich öffnet sitzt sie entspannt auf der Kante und zupft an einem Gänseblümchen.

„I hate her, I hate her not, I hate her, I hate her not…“

– The Wicked Witch of the West

Die Winkies, darunter auch ich, machen sich im Seitenflügel der Bühne bereit. Nachdem die Hexe zum Entschluss gekommen ist, dass sie Dorothy hasst, ruft sie laut: „Winkieeees!“ Wir, die Winkies marschieren im absoluten Gleichschritt auf die Bühne und stellen uns links und rechts der Hexe auf, die in zwischen in der Mitte der Bühne angekommen ist. Unter meinem Oberteil ist es heiß, und ich erwische mich kurz dabei, mir eine Schweißperle von der Stirn zu wischen.

Nicht lange verharren wir auf der Bühne, bloß der Winky General (Ethan) hat ein paar Worte mit ihr zu wechseln. Praktisch, denn von meiner Rolle als Winky habe ich nicht viel Zeit um in mein nächstes Kostüm zu schlüpfen.

Während ich mich also auf dem Weg zurück zur Umkleide befinde, betreten unsere vier Helden erneut den düsteren Wald. Diesmal treffen sie allerdings auf andere tanzende Kreaturen: Die Jitterbug.

Von der Hexe erschaffen tanzen die Jitterbugs wie wild ihren Tanz und breiten sich auf der ganzen Bühne aus. Dorothy, Vogelscheuche, Löwe und Tinman können einfach nicht aufhören zu tanzen, sie sind verzaubert! Der Zauber der Jitterbugs liegt schwer auf unseren vieren und sie fallen in einen tiefen, sehr tiefen Schlaf.

„Just be careful

of that rascal

Keep away from the Jitterbug!“

– The Wicked Witch of the West in the „Jitterbug Song“

Die Choreography dauert einige Minuten und das Publikum klatscht enthusiastisch. Inzwischen habe ich mich in Position gebracht für meinen nächsten Auftritt, denn nachdem unsere Helden vom gemeinen Zauber der Hexe eingeschläfert wurden kommen nun ganz andere Kreaturen und ärgern sie.

Die Fliegenden Affen kommen!

Wild wedle ich mit den Armen, als wir durch die Reihen kreuz und quer durch das Theater rennen. Nach einer Runde im Saal springe ich auf die Bühne und schmeiße Vogelscheuche durch die Luft. „Es tut mir so leid Adam!“, flüstere ich ihm betroffen auf der Bühne zu, als ich ihn zu Boden werfe.

Die anderen der fliegenden Affen nehmen sich jeweils auch einen der Charaktere zur Brust und Neico, der Affengeneral entführt Dorothy und nimmt sie mit in das Schloss der Hexe.

In der nächsten Szene sitzen die Affen wieder auf der Bühne, ich hocke am Rand des Orchestergrabens und setze ein diebisches Lächeln auf. Wir befinden uns im Schloss der Hexe und Dorothy liegt auf dem Boden. Ihre Augen öffnen sich.

Dorothy und die Affen schauen zur Hexe, die auf einem Turm in der Seite steht.

Nur umringt von Affen finden sich Dorothy und ihr Hund Toto wieder in einer grauen Festung mit nur einem Fenster. Nach einem kurzen Schlagabtausch mit der Hexe, die von der Seite auf ihrem Turm steht, gelingt es dem Hund allerdings zu fliehen. Genau richtig, denn Vogelscheuche, Tinman und Löwe sind bereits vor den Toren der Festung um Dorothy zu retten… Irgendwie…

Vogelscheuche fällt dazu ein ziemlich genialer Plan ein, um unbemerkt in das Schloss einzudringen.

„But first we need to get a hold on three Winky uniforms…“

– Scarecrow

Getarnt in den Uniformen der Winkies marschieren die Helden also in die Festung um Dorothy zu finden, doch in welchem der tausend Räume ist bloß Dorothy? Vogelscheuche, Tinman und Löwe haben eine Hilfe: Toto! Er bellt lautstark und leitet sie zu Dorothy, die inzwischen komplett allein ist in ihrem Raum.

Umzingelt von Winkies!

Gerade als die vier jedoch unbemerkt abhauen wollen, kommen die Winkies, und ich, zurück auf die Bühne. Dorothy und ihre neugewonnenen Freunde sind umzingelt! Sanft stupse ich den Löwen mit meinem Speer, er zuckt kurz.

Dorothy wird jedoch Held der Situation indem sie der bösen Hexe ein für alle mal ein Ende bereitet. Sie nimmt den Wassereimer neben der Hexe und kippt ihn über sie. Die Hexe schmilzt! Sie verschwindet immer weiter in der kleinen Anhörung, bis zuletzt nur noch ihr Kopf heraus schaut. Die Hexe ist tot!

Die Hexe schmilzt.

Jetzt bleibt nur noch, den Besenstiel der Hexe zum Zauberer zu bringen und ihn erneut um seine Hilfe zu bitten, doch als unsere Helden zurück im Raum des Zauberers sind, sträubt sich der mächtige Zauberer zuerst.

„Kommt zurück zur nächsten Sprechstunde, die ist in etwa 20 Jahren!“, lacht er mürrisch, als die vier den Saal betreten. Diesmal ist Dorothy jedoch nicht so verängstig und fordert den Zauberer auf, sein Versprechen einzuhalten. Schließlich haben sie die Hexe getötet und den Besenstiel hergebracht. Noch immer zeigt sich der mächtige Oz jedoch mürrisch, bis Vogelscheuche und Tinman beschließen, sich den Zauberer selbst anzusehen.

Tinman und Vogelscheuche öffnen den Vorhang der Kammer des Zauberers.

Zur Überraschung aller ist der Zauberer garnicht so groß und mächtig, wie er einst schien. „Du bist ja gar kein Zauberer, du bist ja gar nicht so groß und mächtig, wie wir uns es vorgestellt haben“, platzt es allen irgendwie heraus.

„I guess you’re right, I’m a humbug.“

– Oz

Der Gauner, der sich vor kurzem noch als Zauberer ausgegeben hat, muss allerdings auch zugeben, dass er den Helden nicht wirklich helfen kann. Aber muss er das überhaupt?

"Wird Mut nicht durch deine Taten, und nicht durch deine Einstellung bestimmt? 
Wird Intelligenz nicht durch deine Entscheidungen und nicht durch dein Gehirn bestimmt?
Und wird dein Herz nicht dadurch bestimmt, wie sehr du geliebt wirst und nicht durch deine Liebe?"

Jetzt bleibt nur noch Dorothy, die noch immer nicht nach Hause kann, doch Oz hat eine Idee. Ryder und ich sind in der nächsten Szene die ersten, die die Bühne betreten, denn wir rollen einen riesigen Ballon auf die Bühne. In der „Ballon-Szene“ versuchen Oz und Dorothy vergeblich, mit einem Heißluftballon zurück nach Kansas zu fliegen. Dorothy schafft es mit Toto jedoch nicht rechtzeitig an Bord und bleibt hoffnungslos am Boden zurück.

„I can’t stop it, I don’t know how it works! Goodbye folks!“

– Oz

Als Dorothy jedoch anfängt zu weinen und in die Arme von Vogelscheuche fällt, kommt noch einmal Glinda, die gute Hexe des Nordens in ihrem majestätischen Ring angeflogen. Sie erzählt Dorothy, das sie schon immer die Fähigkeit besaß, nach Hause zu gehen, schließlich hatte sie die magischen roten Schuhe an. „Warum ich es dir nicht früher gesagt hab‘? Du hättest es mir nicht geglaubt und musstest es für dich selbst herausfinden“, antwortet Glinda auf die angestellte Frage, die sich jeder verwirrte Kopf im Raum inzwischen gestellt hat. „Alles was du tun musst, ist deine Hacken drei mal zusammentippen zu lassen und dir zu denken ‚Zuhause ist es am schönsten'“.

Während Dorothy also die magischen Worte wiederholt gehen alle Bewohner des Landes Oz langsam in die Seitenflügel. Das Licht wird dunkler und schließlich ist es komplett schwarz. Man hört ein Rumpeln.

Dorothy sieht sich um. Neben ihr steht das gelbe Haus und der Zaun vom Anfang. Sie ist zurück in Kansas. Überglücklich fällt sie ihrer Familie in die Arme.

There is no place like home!


Falls dir die abenteuerliche Reise von Dorothy und ihren Freunden gefallen hat, abonniere doch meinen Blog oder trage dich in den Newsletter ein für mehr Artikel und Updates rund um mein nächstes Abenteuer!

Prom 2019

Meine Crocks quietschen, als ich an diesem frühen Nachmittag die Treppe herunter schlendere. Das Hellblau hebt sich ab von Rest meines navyblauen Anzugs ab, den ich mir für heute übergeworfen habe. Um den Hals trage ich eine rote Krawatte, doch zu meiner Krawatte später mehr.

Unten auf der Couch sitzen Heather, Paul und Grandma, die mich etwas ehrfürchtig anschauen, als ich am Ende der Treppenstufen angekommen bin. In meinem Anzug stehe ich sehr aufrecht da, fast etwas steif. Grandma setzt an und erzählt mir, wie gut ich doch aussehe, Heather stimmt nur zu. Wenig später stößt auch Christian dazu, der von oben aus seinem Zimmer auch majestätisch die Treppe herunter spaziert. Er trägt heute einen grauen Anzug mit weinroter Weste und Fliege. Damit will er natürlich so gut wie möglich das Kleid seines Dates, Rachel matchen, schließlich sollen beide auf Fotos heute nebeneinander gut aussehen. Der Grund dafür, dass Christian und ich, die normalerweise leidenschaftlich Jogginghosen tragen, uns in einen Anzug geworfen haben, steht schon seit Anfang des Schuljahres im Kalendar: Heute ist Prom!

Prom ist sowas wie der Abschlussball zum Ende eines jeden Schuljahres in Amerika. Meistens haben die Bälle verschiedene Themen und werden von dem Schulkomitee, einer Gruppe von Schülern, die sich um solche Angelegenheiten kümmert, veranstaltet. Wo in „Zurück in die Zukunft“, meiner Amerika-Referenz Nr. 1, das Thema Unterwasser Seezauber war, ist unser Thema heute verzauberter Wald, was sich allerdings in nichts widerspiegelt, was sich später herausstellen wird.

Inzwischen ist Austin, ein Freund von Christian bei uns angekommen und wir machen ein paar Bilder. Austin trägt einen komplett weißen Anzug mit einer goldenen Weste und goldener Fliege.

Jetzt, wo wir schon einmal fein angezogen sind machen Austins Mutter, Heather und Grandma dutzende von Bildern von uns allen in jeglichen Formen und Haltungen. Da beide Baseball spielen, muss natürlich auch ein Foto mit Baseball Handschuhen gemacht werden. Ich schleiche in Christians Zimmer und klaue mir einen Baseball Schläger um in das Bild zu passen. Heather drückt den Auslöser.

Wenig später kommt endlich Christians Date, Rachel, mit ihrer Mutter in einem silbernen Jeep auf unsere Auffahrt gebraust. Aufgeregt verlassen alle wieder das Haus, inzwischen waren wir wieder reingegangen, um mit ihr noch ein paar mehr Bilder zu schießen.

Überraschend holt Heather für uns ein paar Buchstaben aus der Küche.

„Wahrscheinlich finde ich das morgen alles auf Facebook wieder“, wirft mir Austin über die Schulter zu. Er sollte sich übrigens nicht irren. „Noch begeisterter als von Fotos von ihren Kindern sind die Amerikaner eigentlich nur von Football und Chicken Waffel Sandwiches…“, kontere ich hart. Zweihundert Fotos später verabschieden wir vier uns von unseren Eltern zuhause und machen uns endlich auf den Weg zum Prom.

Der Ball findet allerdings nicht etwa in unserer Schule, wie oft in High School Filmen suggeriert, in einer alten Bank, mitten im Stadtkern von Port Huron, direkt am Wasser und in Sichtweite von Kanada, statt. „Ich hätte nicht gedacht, das mein erster High School Prom in Sichtweite von Kanada stattfinden würde“, setze ich an, als wir in Christians blauem Pick Up auf den kleinen Parkplatz vor dem Ballsaal fahren. Ein paar blaue Fähnchen in Eimern markieren, wo der Parkplatz anfängt und trennt ihn von einem Stück Land daneben ab. Schnell hole ich mein Handy raus und schieße ein paar Fotos von uns, wie wir auf den Hintereingang der Location zusteuern. Ein paar Dutzend Schüler, einer feiner angezogen als der andere, warten bereits vor der kleinen Eingangstür. Auch hier mache ich schnell ein Foto, da ich heute nicht nur für meinen Blog berichte, sondern auch für unsere Schülerzeitung „The Lighthouse“, für die ich seit ein paar Wochen fleißig Artikel schreiben darf. Hier geht es zu den letzten Ausgaben der Zeitung.

Vor der Kulisse des Ballsaales und den alten Klinkerbauten des Stadtkerns drehen Emilia und James, auch Schreiber für „The Lighthouse“ schon ein paar pre-Interviews um sie später in einem Artikel verwenden zu können.

Viele meiner neugewonnenen Freunde aus der Schule sind heute hier, die ich inzwischen fröhlich begrüße. Alle sind aufgeregt, was gleich passieren wird, wann es endlich losgeht und was es eigentlich zu Essen gibt.

Um Punkt sechs Uhr wird die kleine Hintertür geöffnet, vor der wir uns schon sehnsüchtig aufreihen. Als ich durch den Türbogen spaziere blicke ich Mrs. Moran, meiner ehemaligen Mathelehrerin ins Gesicht, die mich mit einem Lächeln im Gesicht begrüßt. Mit einem kleinen Gerät scannt sie den QR-Code, den ich in meinem Wallet in meinem Handy gespeichert habe. Kurz durchlebe ich noch einmal ein Erlebnis vorletzten Sommers, als ich von meiner Schwester Tickets für ein Freundeskreis Konzert bekommen habe, die Internetseite aber, nunja, nicht durch überragende Seriosität in Erscheinung getreten war, wie man es sich vielleicht hätte vorstellen können. Das Gerät des Manns vom Security, der mein Ticket gescannt hat, schien den QR-Code einfach nicht lesen zu wollen. Dreißig Sekunden Panik später wurde der Code allerdings akzeptiert und wir wurden reingelassen. Nachdem ich nun auch hier reingelassen wurde, betreten wir einen schmalen Gang, der zum Ballsaal führt. Ich sehe ein bekanntes Gesicht.

Mr. Raney, mein Lehrer für Chor und Gitarre, lächelt mich an. Er steht im Gang und lotst die aufgeregten Schülermassen in Richtung des Saals. „Hübsche Krawatte – so schlicht rot, einfarbig“, spricht er mich an. Ich erwidere das Kompliment und spreche auf seine Krawatte an: „Ganz gleichfalls – so schlicht schwarz, passend zum Anzug.“ Um uns sehe ich verwirrte Augenpaare, die erstaunt auf die gelben Enten auf unseren Krawatten, und dann auf uns schauen. Mr. Raney und ich bezweifeln die Existenz von Badeenten. Warum wir das tun, und warum wir eigentlich beide gelbe Enten auf unseren Krawatten haben? Nebensächlich.

Die meisten Schüler haben schon an einem der unzähligen Tische im Saal platzgenommen, als Christian, Rachel, Austin und ich durch einen großen Eingangsbogen dazu stoßen. Der Saal ist einer der ältesten der Stadt, wurde aber gerade neu renoviert. Das angenehm warme Abendlicht, das durch die großen Fenster fällt, fiel hier einst auf eine Bank, dem ursprünglichen Verwendungszweck des Gebäudes. Heute ist das nur noch durch den großen Tresor zu erkennen, dessen große Tür noch sichtbar in der Wand hängt.

Neben uns vier sitzt unter anderem Jakob an unserem Tisch, der kurz nachdem wir uns alle gesetzt haben, die erste Entdeckung an seinem Glas auffindet. Es ist fast wie in einem Loriot Sketch.

Jacob findet Lippenstift an seinem Glass. Classic.

Während Jacob noch fassungslos auf sein Glas schaut, haben die meisten der Seniors schon platzgenommen im Saal. Eine Angestellte mit einem Klemmbrett fängt erst in der hintersten Ecke an, tischeweise die Schüler zum Buffet zu schicken. Wir schnaufen. Zwar sitzen wir etwa in der Mitte des Blockes von Tischen, trotzdem dauert es gefühlt eine Ewigkeit, bis wir aufgerufen werden, zum Buffet zu gehen. „Ich hoffe nur, es gibt Kartoffelpüree“, merkt Austin neben mir an.

Die Kellnerin mit Klemmbrett ruft noch einen weiteren Tisch zum Buffet, bevor sie sich endlich uns aushungernden Jugendlichen zuwendet und uns den Weg zum Essen freigibt. Austin sollte nicht enttäuscht werden, es gibt Kartoffelpüree! Er zieht ein breites grinsen auf, während er sich mit dem großen Löffel, der in der Schüssel hängt, reichlich von dem eigentlich so deutschen Essen auf den Teller schaufelt.

In den metallenen Schalen befindet sich neben dem Kartoffelpüree, in dem übrigens auch ein Hauch Knoblauch ist, unter anderem Nudeln mit mediterranem Gemüse, Pesto-Bruschetta Chicken und irgendetwas vom Rind. Dazu wurden kleine Brötchen und Salat mit Ranch Dressing gereicht. Nun mag ich sicherlich nicht der qualifizierteste Food Tester auf WordPress sein, sicherlich möchte ich mir allerdings eine Scheibe des Quotenkuchens abschneiden, weshalb nun eine Rezension der eben genannten Speisen folgt.

Brot – gut, Salat – gut, Nudeln – gut, Gemüse – gut, Chicken – gut,… okay, der Rest ist vielleicht selbsterschließend. Im Übrigen habe ich es immerhin geschafft, ein gut aussehendes Close Up Bild von meinem Essen zu schießen – In feinster Food Blogger Manier.

Nun fehlt nur noch ein Getränk, für das wir vier zur Bar gehen, die an der Rückwand des Saales platziert ist. Wir alle entscheiden für uns eine Strawberry Sprite, also Sprite mit einem Schuss Erdbeersyrup, das der Barkeeper aus einem langen Schlauch direkt in unser Glas leitet. Irgendwie cool.

Austin scharbt gerade das letzte Bisschen seines Kartoffelpürees von seinem Teller, als die ersten Tische zum Dessert übergehen. Neben dem großen Buffet stehen noch zwei weitere Tische, auf denen Brownies mit Vanilleschaum, etlichen Streuseln und Soßen Platz finden. Ich kann es mir nicht nehmen lassen auch ein Close Up von meinen Brownies mit reichlich Schokolade und Karamell zu erstellen.

Verführerisch schmilzt die Schokolade und das Karamell läuft den Brownie herunter, als ich mich wieder auf meinen Platz gesetzt habe. Traumhaft.

Jetzt wird es allerdings höchste Zeit, zu dem Punkt des Abends zu kommen, der sinnbildlich für Prom stehen sollte – Der Tanz!

Den Rest des Abends sollte noch ordentlich getanzt, gefeiert und Spaß gehabt werden, der DJ spielt also einen Kracher nach dem anderen und wir tanzen, tanzen und tanzen. Bis vor den großen Fenstern des Ballsaales die Sonne untergeht vergehen noch ein paar schöne Stunden mit meinen neugewonnenen Freunden!


Falls dir meine Prom Erfahrung gefallen hat, abonniere doch meinen Blog oder trage dich in meinen Newsletter ein, um keine Updates mehr zu verpassen!

The Wizard of Oz 1/2

Es ist etwa kurz nach zwölf, als Alayna und ich auf den bunten Parkplatz unserer Highschool vorfahren. Viele der Parkplätze sind bemalt. Alaynas rotes Auto steht auf einer großen, gemalten Flagge. Ein Elternteil eines kleineren Mädchens hält uns beiden die große Schwingtür des gläsernen Vorbaus auf. Wo Alayna einen großen Koffer voller Make Up hinter sich herzieht halte ich nur einen kleinen Schuhbeutel in der Hand. Der ältere Frau scheint es nicht zu schnell zu gehen, sie zieht eine Flappe. Vor zehn Minuten noch saßen wir zusammen mit den anderen an einem der hölzernen Tische bei Cracker Barrel, einem „old country store“. Neben Schaukelstühlen, Gitarren und einem schwarz-weiß Portrait einer Dame, die unheimlich in die Kamera schaut schmausten wir Bacon und Pancakes.  

Inzwischen bin ich an der Umkleide angekommen. Erwartungsvoll reiße ich die Tür auf. Mit offenem Mund blicke ich zuerst einem großen Block an Kostümen entgegen, dann Jeremiah, Adam, Jack, Gavin, Avery, Ethan und Jayvon. Ich stoße den Jungs zu, die sich schon intensiv auf die Show vorbereiten. Inzwischen ist das Anziehen unserer Kostüme, das Auftragen des Make Up und das positionieren unserer Utensilien zur Routine geworden. Zu lauter Musik tanzen wir den „Crab Rave“. Obwohl dies bereits das vierte mal ist, das wir die komplette Show aufführen, merke ich langsam, dass meine Aufregung steigt. Es ist Zeit, sich in Richtung der Bühne aufzumachen, und den großen, roten Vorhang zu öffnen. Port Huron Highschool & Central Middle School präsentieren: „The Wizard of Oz“ 

Aus dem Orchestergraben tönt Musik. Wir befinden uns in Kansas. Die Gemüter der Einwohner dieser Gemeinde aus Farmern sind rau, die Mentalität südlich. „Uncle Henry“ (Avery) und „Aunt Em“(Lauren) betreten die Bühne. Beide beugen konzentriert über einem Korb und zählen. Etwas frustriert schauen sich beide kurz an, bis „Dorothy“(Alayna) auf die Bühne stürmt. In ihrer Hand ein Korb mit ihrem Hund „Toto“(Marty), der interessiert in den Korb schaut. Als das unschuldige Mädchen aus Kansas jedoch besorgt mit ihrer Familie reden will, bekommt sie nur Ablehnung.

„Dorothy, we’re trying to count…!“

– Uncle Henry

Genervt von ihrer Familie verlassen Dorothy und Toto schnell die Bühne und verschwinden Backstage. „Hunk“(Adam), „Hickory“(Gavin) und „Zeke“(Ethan/Jayvon) bringen einen großen Karren auf die Bühne. Ein Rad fehlt. Auch hier ist die Stimmung aufgeheizt. Lautstark fangen die Charaktere erst an, einander, dann Aunt Em anzubrüllen. Sie reagiert lässig und verteilt ein paar Kekse, um die Gemüter zu beruhigen.

Als nächstes führt „Mrs. Gulch“(Beyonce) mit einem alten, schwarzen, Damenfahrrad auf die Bühne. Sie sieht wütend aus. Ihr Problem: Toto. Dorothys kleiner Hund passt der alten Dame offensichtlich garnicht. „Was fällt dem Hund ihres Kindes ein, so laut zu sein!“, beschwert sie sich lautstark bei den Farmern. „Ich habe eine offizielle Beschwerde beim Sheriff eingereicht, also unternehmen sie etwas, oder der Hund muss beschlagnahmt werden!“.

Für Dorothy ist das ein Albtraum, sie muss Toto abgeben. Glücklicherweise gelingt es Toto, der alten Mrs. Gulch auszubüxen, und zurück zu Dorothy zu laufen, die den Hund nimmt, und beschließt, wegzulaufen. Ganz weit weg. Über den Regenbogen.

„Where trouble melts like lemon drops,
away above the chimney tops
that’s where you’ll find me.“

– Dorothy in „Somewhere over the Rainbow“

Mit Toto auf dem Arm trifft das junge Mädchen auf „Professor Marvel“(Jack), einem dubiosen Professor, der ihr einen Blick in die Zukunft gewährt.

Dorothy und Professor Marvel schauen auf Kansas, Dorothys zuhause.

Dorothy ist von dem Gesehenen verwirrt. Aunt Em scheint es nicht gut zu gehen und sie beschließt, dem kleinen Abenteuer ein Ende zu setzen und nach Hause zu gehen, doch ein Sturm zieht auf…

Als ich meine „queue line“ höre, beginne ich mich zu bewegen. Jetzt ist es für mich jedoch noch nicht Zeit, auf die Bühne zu gehen, erst habe ich eine andere Aufgabe. Schnell laufe ich durch den langen Gang vor dem Theater bis ich schließlich vor dem Chor-Raum ankomme und die Tür aufmache. Aus der Dunkelheit hier blicken mich etwa 30 fragende Augenpaare von Grundschülern an.

Die kleinsten Darsteller unseres Musicals sind fast an der Reihe, auf die Bühne zu gehen, also beginne ich, die Meute leise aus ihrem Warteraum zu lotsen. Kaitlyn hilft mir die Tür offen zu halten. Etwa 20 Grundschülertraben auf die Bühne hinter das Kulissenbild, das an langen Bändern an der Decke des Theaters festgemacht ist. Uncle Henry stürmt auf die Bühne…

„It’s a twister, it’s a twister!“

– Uncle Henry

Während ich die Grundschüler hinter ihren kleinen, angemalten Häusern aus Holz platziere und für etwas Ruhe sorge (alle sind natürlich aufgeregt) fängt das große, gelbe Haus an wild über die Bühne zu drehen. Ein Wirbelsturm. Dorothy, die verzweifelt in das Haus geflüchtet ist, schreit laut nach Hilfe. Niemand ihrer Familie kommt ihr jedoch zur Hilfe, alle sind schon im Schutzbunker.

Das Haus kommt zum stehen und das Kulissenbild wird gehoben. Dorothy öffnet die Tür des Hauses und findet sich an einem Ort wieder, den sie noch nie zuvor gesehen hat: Sie landet in Munchkinland.

Dorothy verlässt ihr Haus, das mitten im Munchkinland und auf der bösen Hexe des Ostens gelandet ist. Nur ihre Füße mit den roten Schuhen schauen noch unter dem Haus hervor.

Es dauert nicht lange bis „Glinda“(Hannah), die gute Hexe des Nordens, sie empfängt und schnell aufklärt, dass sich Dorothy jetzt nicht mehr in Kansas befindet. Doch das ist noch nicht alles. Wie es scheint ist das gelbe Haus genau auf die böse Hexe des Ostens gefallen und hat sie getötet – Ein Freudentag für alle Bewohner von Oz, die sich nun nicht mehr vor der Hexe fürchten müssen. Kurz danach kriechen alle kleinen Munchkins, die Grundschüler, die ich vorhin noch leise auf die Bühne begleitet habe, hinter ihren Häusern und Büschen hervor. Sie singen, tanzen und danken Dorothy, dass sie die böse Hexe getötet hat!

Verwundert schaut Dorothy um sich, als sie von Munchkins umringt wird.

Bald wird den Munchkins und auch Dorothy allerdings klar, dass eine Hexe zwar tot ist, es aber noch eine zweite gibt. Die böse Hexe des Westens (Shawnna) erscheint unter viel Nebel. Schnell bemerkt sie was der bösen Hexe des Ostens, ihrer Schwester, widerfahren ist.

„You dropped your house on my sister? How can anyone be so unbelievably clumsy?“

– The Wicked Witch of the West

Traurig scheint die böse Hexe jedoch nicht zu sein, denn nun kann sie einen Gegenstand ihrer Schwester haben, den sie schon immer begehrte… Die roten Schuhe! Bevor sie sich versieht hat sich Dorothy allerdings schon die glitzernden Schuhe angezogen. Die Hexe stöhnt laut, Dorothy schaut verwundert daher. „Die Schuhe kann ihr niemand abnehmen, so lang sie lebt!“, klärt Glinda, die gute Hexe, auf. Beide Hexen starren sich verfeindet an.

Während die böse Hexe also frustriert von der Bühne geht erklärt Glinda Dorothy, die doch eigentlich nur nach Hause möchte, dass sie ihr nicht wirklich helfen kann. Der einzige, bei dem Dorothy eine Chance hätte, wäre der mächtige Zauberer von Oz höchst persönlich. Der Weg dorthin ist jedoch gefährlich und lang. Tapfer und vielleicht etwas naiv macht sich das junge Mädchen auf den Weg…


Nach einer weile, Dorothy hat inzwischen eine Runde im Theater hinter sich, bleibt sie jedoch stehen. Vor ihr ist steht eine Vogelscheuche. „Wo es wohl lang geht?“, denkt sie laut vor sich hin. „Vielleicht da lang?“, tönt es aus der Leere, „Oder doch lieber da lang?“. Dorothy braucht eine Sekunde, bis sie bemerkt, das die Vogelscheuche (Adam) soeben zum Leben erwacht ist und mit dem einen Arm nach rechts und mit dem anderen nach links zeigt. „Einige Leute gehen auch in beide Richtungen…“, die Arme der Vogelscheuche kreuzen sich. Verwirrt fragt Dorothy warum die Scheuche sich nicht entscheiden kann. Die Antwort: „Ich habe kein Hirn, nur Stroh.“ Auf die Frage, warum die Vogelscheuche denn dann sprechen könnte, antwortet sie nur:

„I don’t know, but some people without brains do an awful lot of talking, don’t they?“

– Scarecrow
Dorothy, die Vogelscheuche und die Krähen.

Liebend gerne hätte die Vogelscheuche ein Gehirn. Nicht einmal die Krähen, die sich inzwischen lauthals auf dem kleinen Podest niedergelassen haben, auf dem vorher die Vogelscheuche saß, haben Angst vor ihr. In der Hoffnung, der Zauberer könnte der Vogelscheuche ein Gehirn, und Dorothy zurück nach Hause bringen, machen sich also beide auf den Weg.

Während die beiden noch eine Runde im Theatersaal drehen, wird auf der Bühne ein kleiner Wald aufgebaut. Dorothy ist hungrig, und sieht die glänzenden roten Äpfel, die von den Ästen der Bäume hängen. Doch als sie ausholt, um einen der Äpfel zu pflücken fängt der Baum sich an, zu bewegen. Beleidigt fangen die Bäume an, beide mit Äpfeln zu bewerfen. Der Saal lacht.

„Ölkanne…“, murmelt der verrostete Tinman leise. Dorothy und Vogelscheuche helfen.

Wenig später bleiben die beiden noch einmal stehen. Sie lernen „Tinman“ (Gavin) kennen, einen Mann aus Zinn. Einst war er ein fleißiger Holzfäller, doch die böse Hexe hat die Axt von Tinman verzaubert. Während er also eines Tages ahnungslos Holz fällen wollte, hat ihn seine eigene Axt in Stücke zerlegt. Schrecklich. Was Tinman seit jeher fehlt ist ein Herz. Ob der Zauberer von Oz wohl helfen kann?

Der Freundeskreis um Dorothy ist allerdings kurz davor, sich noch ein mal zu vergrößern, als sich die drei von dem helleren, fröhlichen, in den verzauberten Düsterwald begeben. Dort treffen sie den Löwen (Ethan/Jayvon), der sich auch der Clique anschließt. Als der Löwe hinter einem der dunklen Bäume hervorspringt, sind alle erst verängstigt, doch bald stellt sich heraus, dass er garnicht so gefährlich ist.

„Oh the Lord made me a Lion but forgot to make me brave!“

– Cowardly Lion

Was dem Löwen fehlt, ist Mut. Der Löwe hat Angst vor fast allem, er ist ein Feigling. Ob der große Zauberer von Oz ihm wohl eine Packung Mut spendiert?


Während alle von der Bühne gehen, lenkt die böse Hexe, die in einer kleinen Nische in der Wand steht, die Aufmerksamkeit auf sich. „Wie kann ich die vier aufhalten, bevor sie zum Zauberer gelangen?“, überlegt sie laut. „Ich brauche etwas liebliches, etwas mit Gift… Blumen! Mohnblumen werden sie zum Schlafen bringen!“ Das Spotlight auf der Hexe wird dunkler, und sie verschwindet mit einem lauten lachen.

Löwe, Tinman, Vogelscheuche und Dorothy treten wieder auf die Bühne und finden sich umgeben von den vielen Mohnblumen, die ein fast hypnotisches Schlaflied singen. „Ich könnte jetzt echt ein Nickerchen vertragen…“, fängt Löwe an. Einer nach dem anderen schlafen unsere Protagonisten ein – bis auf die Vogelscheuche und Tinman. Tinman weint verzweifelt und schreit nach Hilfe. Auch die Vogelscheuche fängt an, lauthals nach Hilfe zu schreien.

Zum Glück lässt Hilfe nicht lang auf sich warten und Glinda, die gute Hexe des Nordens erscheint.

Glinda lässt es schneien, und Löwe, Vogelscheuche, Tinman und Dorothy sehen die Stadt aus Smaragden.

Zwischen den Blumen wendet sie einen ihrer Zauber an: Sie lässt es schneien. Schnell sind die Blumen bedeckt und alle wieder wach. Und auch die ihr Ziel liegt jetzt vor Augen: Die Stadt aus Smaragden – Heimat des Zauberers von Oz.

„We’re off to see the wizard, the wonderful wizard of Oz!“

Der Vorhang schließt sich.


Wenn dir meine Nacherzählung der Geschichte gefallen hat, hinterlasse mir doch deine E-Mail Adresse um keine neuen Berichte mehr zu verpassen! Achso, und wann komme ich eigentlich auf die Bühne…?

Cherokee. Oder das, was davon übrig ist…

Nicht nur für atemberaubende Natur sind die Great Smoky Mountains bekannt, sondern auch für die lange Tradition und die Geschichte der Menschen hier. 

Schon immer hat es aus irgend einem Grund Menschen angezogen, die wohl menschenfeindlichsten Orte zu besiedeln, und so haben sich auch hier seit hunderten Jahren Menschen eine Lebensgrundlage geschaffen. Der Stamm der Cherokee lebte in Einklang mit der Natur, die sie umgab. Die Berge und Täler mit ihren klaren Bächen und Quellen gaben den Menschen des fast weltbekannten Indianerstamm eigentlich alles, was sie zum Leben brauchen, doch Anfang des 19. Jahrhunderts verändert sich für die Ureinwohner alles.  

„The First Settlers“ fingen an, das Land der einstigen Cherokee zu besiedeln. Rücksichtslos wird so im Geiz auf der Suche nach Gold die Umwelt und die Menschen ausgebeutet. Im Zuge des „Trail of Tears“ wurden die Cherokee umgesiedelt und aus ihrer Heimat zwangsabgeschoben, hinein in ein neues Territorium, heute Arkansas und Oklahoma, und später in die immer kleiner werdenden Reservate.  

Das erste, was mich auf die Stadt Cherokee heute aufmerksam macht, ist der Verweis eines Ortsschilds. Aus dem vernebelten Tennessee überqueren wir die Grenze nach North Carolina, wo es schnell klar und sonnig wird. Der Blick durch die Täler der Smoky Mountains, den uns die kurvige Bergstraße liefert, ist atemberaubend. Verzaubert sehe ich dem Nebel dabei zu, wie er langsam, wie ein Schleier, über die Berge hinwegzieht.  

Die Smoky Mountains machen ihren Namen alle Ehre.

Bevor wir überhaupt nach Cherokee fahren, machen wir jedoch an einem weiteren „Point of Interest“ halt. Vor den Toren der Stadt haben ein paar Historiker eine Mühle nachgebaut, die, so wie sie im Wald heute steht, der Lebensquell der ersten Siedler waren. Von indianischen Einflüssen ist keine Spur hier, die Mühle ist Symbolbild der technologisch fortgeschrittenen Siedler, die die kleinen Flüsse der Smoky Mountains geschickt nutzten.  

Das Wasser wird durch eine improvisierte Holzleitung geführt.

Dazu wird vom größeren Fluss ein Teil des Wassers oberhalb der Mühle vom eigentlichen Fluss abgetrennt. Mit einem kleinen Tor kann so die Menge an Wasser, die durch den hölzernen Weg geleitet wird, kontrolliert werden. Um die Mühle, die z.B. Korn zu Mehl mahlen kann, nicht zu beschädigen ist es wichtig, immer den richtigen Druck auf der Leitung zu haben. Gute hundert Meter sind die Flussmündung und die Mühle dabei auseinander, getrennt von dünnen, hohen Bäumen und Kirschlorbeer.  

Vom Hauptstrom wird ein wenig Wasser abgezweigt.

Dem Wasserlauf folgend gelangt man zu dem klobigen Holzhaus, dass ohne den Wasserzulauf auch genau so gut ein Wohnhaus hätte sein können. Das Mühlrad und der ganze Rest sind hinter der dunklen Holzfassade verborgen, die an einigen Stellen entweder von der Sonne, oder von unsanften Menschenhänden heller, fast grau, gebleicht ist.  

Wieder im Auto erreichen wir schnell die Stadt. Ein heruntergekommenes Schild heisst uns Willkommen in Englisch und Cherokee (ᏣᎳᎩ ᎦᏬᏂᎯᏍᏗ), der einstigen Sprache des Stammes. Cherokee wird heute nur noch vereinzelt hier und in den Teilen Arkansas und Oklahomas gesprochen, in denen noch Mitglieder des Stammes leben. „Diese Seite der Smokies ist touristisch bei weitem nicht so erschlossen, wie die Seite von Gatlinburg.“, erklärt Paul, „Das einzige hier sind ein paar Souvenirläden, die auch mit Gold und Waffen handeln. Und natürlich das Casino.“ Tatsächlich ist eines der ersten Dinge, die mir ins Auge fallen ein Gold- und Waffenladen.  

„Nicht gerade das, was man von einem ehemaligen Indianerdorf erwartet hätte“, merke ich schnell an. „Ja, das einzige, was von der indianischen Kultur hier noch übrig geblieben ist, ist ein historisches Dorf irgendwo vor der Stadt. Und das Casino.“, lacht Paul. Ich dachte immer, dass es ein Klischee wäre, doch tatsächlich ist hier nicht viel los, denke ich, während wir an einem verlassenen Motel vorbeifahren. Das Casino, das auch ein Hotel ist, lässt den kleineren Attraktionen, wie sie hier genannt werden, keine Chance. Dass das große Casino der Region hier mehr Zulauf gibt, wie man es eigentlich vermuten würde, ist nicht der Fall. Hier ist nichts. Das Casino, das zu groß ist, um es durch das Fenster unseres PickUps zu fotografieren, macht die Stadt aus. Allein. Drumherum sind bis auf die verzweifelten Souvenirläden bloss heruntergekommene Wohnwagen und Holzhäuser, die den Mitarbeitern im indianischen Casino ein Zuhause bieten.  

Das Casino: Zu groß, um es durch das kleine Autofenster zu fotografieren.

Ein paar Kilometer nördlich der Stadt befindet sich das „Oconaluftee Valley“, ein Tal in dem sich, so vermuten Historiker, die ersten Siedler niedergelassen haben. Wir biegen auf den Parkplatz des großen Visitor Centers ein. Überrascht bin ich davon, dass auch hier von dem verdrängten Indianerstamm der Cherokee keine Rede ist, ganz im Gegenteil. Ich betrete einen räum mit ein paar interaktiven Infotafel, die das Leben der ersten Siedler erklären und ein sehr einzigartiges Bild des Lebensstils der Menschen hier geben. Um das noch echter wirken zu lassen, wurden vor dem großen Gebäude ein Dorf aus alten Gebäuden der ersten Siedler des Tals zusammengebaut. Idyllisch am Fluss gelegen, der die Lebensader der romantisiert dargestellten Zivilisation war, hat jedes Haus seine Funktion. So gibt es zum Beispiel ein Teppichmacher-, Metzger- oder Schäferhaus. „Später, im Sommer leben hier auch echte Tiere, und das Leben im Dorf wird nachgestellt“, erzählt Paul begeistert. Tatsächlich erkenne ich im Schweinestall noch eine Karotte, die halb im schlammigen Boden versunken ist.  

Hölzerne Hütten, grüne Wiesen, reichhaltiger Fluss und Berge.

Einmal im Kreis führt der Weg durch das kleine Dorf am Fluss. Die ersten Siedler wussten, sich anzupassen. Auch ich passe mich jetzt wieder in den Rücksitz unseres Trucks an. Der weg zurück nach Gatlinburg, wo unser Ferienhaus steht, dauert etwa eine gute Stunde.  

Cherokee, eine Stadt der Kontraste, in dem Geschichte noch zu fühlen ist, lässt mich nachdenklich zurück. Ich kratze mich am Kopf und fange an, zu schreiben.  


Freue dich bald auf mehr zum Schicksal der Cherokee, eines Stammes, der Opfer einer Verschleppung durch eine Kultur war, die niemand kannte. Folge meinem Blog um nichts mehr zu verpassen!

Von Schnee, Eis und Notsituationen

Entsetzung, Bestürzung, vielleicht sogar Verzweiflung macht sich in mir breit. Doch nicht etwa wegen eines kalten Kaffees, dem Verlust von Geduld mit einem Computer oder dem amerikanischen Präsidenten. Ich fluche heute darüber, dass ich nun schon seit Tagen zuhause sitze. Gelangweilt sitze ich da. Normalerweise würde ich jetzt in der Schule sein, doch schon letze Woche hat unser Schuldistrikt beschlossen, die Tore für Schüler zu schließen. Seit die Schule dieses Jahr wieder angefangen hat, ist sie, um es verharmlosend auszudrücken, des öfteren mal ausgefallen. Einer der zwei Gründe, die Schule ausfallen zu lassen ist der Zustand der sowieso schon schlechten Straßen. Michigans Straßen sind etwa mit denen in einem 50 Mann-Dorf in tief Brandenburg zu vergleichen. Teils ist die Lage so desaströs, das „Dominos“, ein Pizza Franchise, sich dazu entschlossen hat, eine Initiative mit dem Namen „Paving for Pizza“ ins Leben zu rufen, damit die Pizzas durch Schlaglöcher in den schlechten Straßen nicht vom Beifahrersitz fallen. 

I will fix the damn roads!!

–Gretchen Whitmer, Gouverneurin Michigan

Der andere Grund für einen Schulausfall sind die Temperaturen. Mit -17 Grad (Celsius) ist es hier, zumindest heute, kälter als am Nordpol mit sommerlichen -10 Grad. Was klingt, wie ein die Fassung verlierender Wettermann in der Tagesschau, der jetzt außer Kontrolle mit Fachwörtern um sich wirft, ist garnicht so schwer zu begreifen, wie es sich anhört. Über dem Nordpol bewegen sich zwei entgegengesetzte Wirbel, der Polar Vortex und der Jet Stream Wenn der Polar Vortex stark ist, hält das den Jet Stream in Zaum, sodass die kalte Polarluft dort bleibt, wo sie hin gehört. Wenn der Polar Vortex jedoch schwach ist, ufert der Jet Stream aus und bringt den ungebetenen Gast namens Polarluft auch in die nördlichen Staaten der USA. Nun immigriert die Polarluft in einem Ausmaß, das nur mit mexikanischer Einwanderung zu vergleichen ist. Ob eine Mauer helfen würde? 

Jedenfalls sitze ich immer noch da. Inzwischen ist Jonas herübergekommen um mich in meiner Verzweiflung beizuwohnen. Wir verzweifeln zusammen. 

Gestern hat die Regierung von Michigan offiziell den Notstand ausgerufen, aufgrund von „lebensbedrohlichen Temperaturen“. Ich frage mich, ob es in etwa so eine Situation wie in Deutschland ist. Der Innenminister tritt vor die Kamera. Er beginnt über eine Bedrohung zu sprechen, und das die Menschen keine weiteren Fragen stellen dürften, damit keine Verunsicherung aufkommen würde, was natürlich erst alle Fragen aufkommen lässt. Etwa genau so beunruhigend, wie Thomas De Maizières Pressemitteilung nach einem abgesagten Spiel der Nationalmannschaft war es gestern, als ich mit Christian, Adam und Austin einen Schneekrieg angezettelt habe. Rückblick gefällig?

Eine halbe Stunde vor Kriegsbeginn haben wir angefangen, eine Basis aufzubauen. Mein Teampartner Adam und ich haben uns dazu entschlossen, uns im kleinen Spielhaus in unserem Garten zu verschanzen. Zusätzlich dazu haben wir eine hohe Schneemauer errichtet, die das Eindringen in unsere Basis ins unmögliche erschwert. Naja, fast. Mit der Präzision einer Baseball Wurf-Maschine schleudern wir nun Schneebälle, die inzwischen fast zu Eis ausgehärtet sind, auf die Gegner. Christian und Austin haben drei schützende Mauern aus Schnee errichtet. Misstrauisch blicken beide über die Mauer aus Schnee, die nicht nur bedrohlich höher, als unsere, sondern auch deutlich härter zu sein scheint. Zusammengeknäult rollen wir uns nach dem etwa zehn minütigen Distanzkampf nun aufeinander im Schnee. Durchnässt stapfen wir nach diesem schnell eskalierten Kampf wieder herein. Heute, einen Tag später sitze ich nun immer noch da. Nichtstuend, mich selbst bemitleidend lege ich die Füße hoch, auf den kleinen Doppelhocker, der vor der Couch steht, auf der ich die letzte Zeit verbracht habe. Mein Handy spring an. Ich bekomme einen „Emergency Alert“, direkt von Gouverneurin Whitmer. 

Um Gas zu sparen, bittet sie darum, die Thermostate auf 65 Grad Fahrenheit (=18 Grad Celsius) herunter zu drehen. Es gibt bedenken, das es sonst nicht ausreichen könnte für alle. Brav gehen Christian und ich zum kleinen Kontrollkasten und drehen runter. Ob es die ersten Zeichen einer untergehenden Welt sind? Ist die Apokalypse nah, und wenn ja, ist es die Schuld von Scientology? Für mich ist das untergehende Michigan nur von einer vergleichsweise kleineren Bedeutung in der nächsten Zeit.

Warum, fragst du dich? Scrolle herunter…

Detroit & Meeghin – Photostory

Um etwa drei Uhr haben mich Meeghin und ihre Großeltern abgeholt. Unser Ziel: Detroit.

Schon einmal war ich in Detroit und habe aus dem Autofenster ein paar wundervolle Bilder schießen können. Diesmal werden wir auch zu Fuß „Motor City“ erkunden können. Erst einmal nähern wir uns jedoch im Auto. Aufgeregt schießen Meeghin und ich schon jetzt unzählige Bilder.

– Im Auto –

Zu „Lose Yourself“ von Eminem fahren wir also in die, teilweise schon von der Abendsonne beleuchteten Innenstadt Detroits ein.

Nach einiger Zeit haben wir einen Parkplatz in der hektischen Innenstadt gefunden und steigen aus. Unser erstes Ziel: der Peoplemover. Wie magisch bewegt sich die Bahnlinie völlig Autonom über den Köpfen der Menschen hier.

Mir eröffnen sich einmalige Aussichten auf die teils Jahrzehnte alten Hochhäuser. Mit einem Blick über die Blocks fühle ich nicht nur den Vibe der Großstadt, sondern auch einen Hauch der Luft.

– Zu Fuß & Peoplemover –

Im inneren Stadtkern angekommen, steigen wir aus und erkunden die weitere Innenstadt…

Es ist inzwischen spät. Die Sonne ist untergegangen und wir haben Hunger. Zum „Dinner“ suchen wir uns ein traditionelles Lokal aus, was nicht nur typisch amerikanisch ist, sondern auch zu einem vollendeten „Detroit-Erlebnis“ einfach dazu gehört:

– Five Guys –

– Zurück zum Auto –


Ich hoffe, dir hat diese, etwas andere Geschichte von meiner Reise nach Detroit gefallen. Lass mich wissen, ob ich öfter mal eine Fotogeschichte gestalten soll!

Um keine Beiträge zu verpassen, abonniere JonasJourneys hier, oder folge mir auf Instagram!

Christmas in America

So richtig Weihnachtsstimmung habe ich eigentlich erst am Montagabend, dem 24. Dezember bekommen. Nicht nur weil mir sämtliche deutsche Freunde Fröhliche Weihnachten wünschen, sondern vor allem wegen dem „Candlelight Service“, einem kleinen Gottesdienst am Heiligabend, für den wir unser warmes Zuhause für eine knappe Stunde gegen die Kirche eintauschen. Die Kirche, zu der meine Gastfamilie und ich regelmäßig gehen trägt den Namen „Westhaven Baptist Church“, baptistisch also. Wie sich das von anderen christlichen Kirchen konkret unterscheidet? Nicht bedeutsam. Es wird an Gott, Jesus und sonst auch alles geglaubt.

In Zukunft werde ich auch über die Kirche hier, vs. die Kirche in Deutschland berichten. Versprochen.

Der Weihnachtsgottesdienst am Heiligabend ist in unser Kirche traditionell ein „Candlelight Service“. Das Kirchenschiff ist dunkler, beleuchtet nur von Kerzen auf den Fensterbänken und dem Tannenbaum, der vorne im Altarraum steht. Zusammen werden alte Weihnachtslieder gesungen und ein paar Freiwillige, darunter auch ich, lesen die Passagen der Bibel vor, in denen das Geschehen um die Weihnachtszeit beschrieben ist. Kleiner Spoiler: Jesus ist geboren. Genau darum geht es auch in der, diesmal etwas kürzeren, Predigt von Pastor Randy.

Völlig fasziniert davon, wie die Kerzen nach und nach das Kirchenschiff erhellt haben, hätte ich kein Foto machen können, deswegen hier ein Schnappschuss von der leeren Kirche, nach dem Gottesdienst.

Durch den Umstand, dass der 23. Dezember ein Sonntag ist, waren wir auch gestern schon in der Kirche, allerdings am morgen. Auch dort habe ich mitgewirkt. „Die Jugend“ unser Kirche, bestehend aus Christian, mir und zwei anderen Jungs: Jesse und Tylor, haben ein paar Dinge vorgetragen. Wochenlang haben wir einen kleinen Skit vorbereitet, in dem es, Überraschung, um die Weihnachtsgeschichte geht. Die Geschichte wird in unserem Stück allerdings ein wenig anders erzählt – Aus der Sicht eines Gastwirtes. Genauer, der Gastwirt, der am Heiligabend so ein merkwürdiges Paar abweisen muss, weil seine Gaststätte einfach voll ist. Irgendwie hat der Gastwirt jedoch Mitleid…

„So I made them an offer that would made my mother roll over in her grave. I said: ‘You can have the barn, that’s all I have.‘“

– Stuart

Später stellt sich heraus, dass die Frau Schwanger ist, mit einem Kind, das wenig später als Messias die Welt verändern würde.

Jedenfalls kommt dann als erstes ein verwirrter Passant auf die Bühne, der den Gastwirten auf den Stern über seinem Stall aufmerksam macht.


Danach kommt, wie von der Tarantel gestochen, ein Hirte auf die Bühne gerannt. Schreiend und außer Atem erzählt er, dass ihm ein Alien, der sich später als Engel herausstellt, eine frohe Botschaft ins Gehirn gebrannt hat, die er jetzt jedem erzählen muss. Nach dem Hirten betritt Reuben King, “Wisemen, my pleasure.“, im Anzug gekleidet und mit Aktenkoffer ausgestattet, die Bühne um die Situation aufzuklären. Es gibt keine Aliens, das waren nur Engel. Das Kind, das gerade in einer Krippe geboren wurde heißt Jesus und ist der Sohn Gottes.

“I gonna be straight with you, I gonna be cerk, I gonna be Captain Kirk.“

– Reuben King, Wisemen

Nach dem “Candlelight Service“ gehen wir alle nach Hause. Auch Samantha und Zachary, meine beiden Gastgeschwister, die nicht mehr zuhause wohnen, kommen nach Hause und schlafen an Heiligabend zuhause, schließlich haben wir mehr als genug Platz (augenzwinker). Den Rest des Abends machen wir uns es alle zusammen gemütlich. Im großen Wohnzimmer hat es sich jeder gemütlich gemacht, es läuft Football. Hier und da unterhalten wir uns.

In meiner Austauschorganisation YFU wird häufig vom Weihnachtsblues geredet. Damit ist gemeint, das es Austauschschüler an Weihnachten häufig am schwersten haben. In dieser Mitte des Austauschjahres ist das Heimweh meistens am größten, schließlich würde man sonst mit der deutschen Familie Weihnachten feiern. All das fällt weg und wird durch ein Weihnachtsfest eingetauscht, das völlig anders ist.

Auch wenn ich während der Weihnachtszeit besonders viel Kontakt mit meinem deutschen Familien- und Freundeskreis hatte, hat mich der Weihnachtsblues nicht gepackt. Wo ich mit meiner ganzen Familie so auf dem Sofa saß und Football geschaut habe, habe ich viel mehr das Gegenteil verspürt. Jetzt, vier Monate nachdem ich, so naiv und unvorbereitet in ein fremdes Land gestartet bin, habe ich tatsächlich das Gefühl, angekommen zu sein. Ich habe Freunde gefunden, verstehe mich mit meinem gesamten Umfeld hervorragend. Ich bin außerdem glücklich von meiner Familie so herzlich aufgenommen worden zu sein. Ich fühle mich zuhause. Mit diesem Gefühl des Angekommenseins und der Zufriedenheit, ein Zuhause gefunden zu haben bewege ich mich an diesem Abend nicht all zu spät in Richtung Bett.


Als ich am nächsten Morgen aufwache, habe ich ein komisches Gefühl. Ich bin aufgeregt. Jeder kennt es, dieses Gefühl eines kleinen Kindes am Geburtstagsmorgen. So richtig weiß man nicht, ob man durch das Haus rennen, und jeden aufwecken, oder ob man lieber noch ein wenig liegen bleiben, und sich „wecken lassen“ soll. Ich entscheide mich dafür, einen Blick vor meine Zimmertür zu wagen. Gegenüber meiner Tür: Niks und Christians Zimmer. Durch den Türspalt sehe ich Christians Füße reglos liegen, auch aus Niks Zimmer ist nichts zu hören. Beide schlafen also noch. Ein Blick um die Ecke gibt die Sicht auf eine schlafende Samantha frei. Sie hat es sich auf dem Sofa, das bei uns im Loft steht, gemütlich gemacht. Familie Harris sind eine Langschläfer.

Bis 9 Uhr dauert es noch, bis ich, alarmiert durch eine Person, die die Treppe herunterläuft, erneut einen Fuß vor meine Zimmertür setze. Es entpuppt sich, dass Christian aufgewacht ist. Ich folge ihm, die Treppe herunter.

Dabei kann ich zum ersten Mal heute einen Blick auf unseren Weihnachtsbaum erhaschen. Der kleine Berg von Geschenken unter dem Baum ist über Nacht noch ein wenig mehr gewachsen. Schon die Tage zuvor konnte man beobachten, wie jeder seine Geschenke unter den Baum stellt. Heimlich natürlich. Auch ich habe in den letzten Tagen meinen Teil dazu beigetragen. Nik und ich haben in völlig europäischer Tradition beschlossen, uns nichts zu schenken. Dafür haben wir beide ein neues Headset für Christian besorgt. Heather und Paul bekommen zwei Filme von mir.

Unten angekommen sehe ich nicht nur Zach, der noch schlafend auf dem Sofa liegt, sondern auch, das unsere „Stockings“ gefüllt wurden. Die Stockings sind die typisch Amerikanischen Socken, die man am Vorweihnachtsabend, also in Deutschland Heiligabend, an den Kamin hängt (alternativ auch an Hacken, wenn kein Kamin zur Verfügung steht). Über Nacht kommt Santa und füllt nicht nur die Stockings der Kinder, sondern legt auch Geschenke unter den Baum.

Meine Socke ist die zweite von rechts, in weiß mit einer grünen Spitze.

…und Santa meint es nicht zu schlecht mit uns, denn unsere Socken sind prall gefüllt. Ich bin aufgeregt. Da wir keinen Kamin haben, hängen die Stockings auf einem hübschen Ständer, auf dem Heather ein paar Schneemänner platziert hat.

Hinter mir, in der Küche hat Heather gerade schon angefangen, Tom den Truthahn mit „Stuffing“ zu befüllen. Stuffing ist eine Füllung, bestehend aus Brot, die traditionell im Truthahn zubereitet wird, um dann wieder herausgeholt, und separat gegessen zu werden.

Derweil machen Christian und ich mich daran, die Zimtschnecken, die es zu Weihnachten meistens gibt, zu kosten. Mit einer Menge Topping und (Geheimtipp) 20 Sekunden in der Mikrowelle ist die zimtige Schnecke von innen warm und weich und köstlich.

Kurze Zeit später sind auch alle anderen aufgewacht und wir versammeln uns im Wohnzimmer. Endlich, das warten hat ein Ende und wir dürfen endlich Geschenke auspacken. Christian springt auf und verteilt die Geschenke, die alle mit Namen versehen sind. Auch ich bekomme ein paar Geschenke. Einen Weihnachtlichen Beutel, eine kleine, eine mittlere, eine große, und eine riesige Box.

Zum Glück gibt es noch eine weitere Tradition, was das Geschenke auspacken angeht: Der Jüngste fängt an, was ich natürlich sehr zu schätze weiß, schließlich sind Christian und Nik schon 17, wo ich noch 16 bin. Also fange ich an mit dem mittleren Geschenk an. Eine Trinkflasche!

Der imaginäre Ball wird weitergereicht. Der Altersreihenfolge nach ist nun Christian, dann Nik, dann Zach, und dann Sam dran. Meine große Box stellt sich als eine Carcassonne Erweiterung heraus, genauer die dritte von drei. Sherlock Holmes artig stellen wir fest, das Christian und Nik vermutlich auch eine Spielerweiterung haben. Carcassonne ist ein Spiel, das ich aus Deutschland als Gastgeschenk mitgebracht habe. Es geht darum, Städte, Straßen und Klöster zu bauen. Dabei gibt es viele Karten, die dann zusammengelegt zu gigantischen Landschaften anwachsen (können).

In der Tüte finde ich eine Tasse mit Oakland University Patch, Christians College, das er, nachdem er mit der Highschool fertig ist, besuchen wird. Alle von uns haben Oakland „Merchendise“ bekommen, also Tassen, T-Shirts oder Mützen. Das ganz große Packet hebe ich mir bis zum Schluss auf. Ich kann es kaum erwarten, das große Packet endlich auszupacken, eine Idee, was drin sein könnte, habe ich nicht. Wie ein Kind, das Geburtstag hat, stürze ich mich, als ich endlich an der Reihe bin, auf das Geschenk und packe es aus. Unter dem Geschenkpapier enthüllt sich eine große Pappschachtel. In der Pappschachtel findet sich mein Geschenk: Eine Kuscheldecke. Eine Seite ist mit Amerika Flaggen bedeckt, die andere mit Tennisbällen.

Verrückt, Santa kennt mich nur zu gut. Seitdem ist die Kuscheldecke bei mir in ständiger Benutzung und darf auf der Heimreise nicht fehlen, oder wie Paul es sagen würde:

„We figure something out.“

Nachdem alle Geschenke ausgepackt wurden, bleiben noch unsere Stockings.

Unter meiner neuen Decke hervorragend, sieht mein Stocking erschreckend Echt aus…

In meinem Stocking finde ich jede Menge Schokolade und Gummibärchen. Überrascht bin ich vor allem von einer Tüte Lindt, ist das nicht eine deutsche Marke? Wir fragen Google, denn Heather hat von Paul einen Google Home bekommen. Wie sich herausstellt, kommt Lindt aus der Schweiz.

Nachdem wir Geschenke ausgepackt haben ist es etwa halb elf. Bis Tom fertig zubereitet ist, dauert es noch ein wenig und es bleibt Zeit für eine weitere Weihnachtstradition im Hause Harris. Wie klein doch die Welt ist, denke ich mir, denn in meinem deutschen Zuhause haben wir die gleiche Weihnachtstradition. Weihnachten ist einfach nicht Weihnachten ohne „Christmas Vacation“, den berühmten Film mit Chevy Chase. Während bei Familie Griswold so ziemlich alles schief geht, was schief gehen kann, wird bei Familie Harris erst einmal aufgeräumt (Komm, wir schmeißen einfach alles ins Treppenhaus). Mich interessiert, wer noch alles „Christmas Vacation“ an Weihnachten schaut, schreibt mir doch mal einen Kommentar.

Nachdem sich am Ende des Films alle in den Armen liegen und Weihnachtslieder singen, bleibt noch ein wenig Zeit für ein professionelles Football Game im Garten.

…im Pyjama.

Team Europa spielt gegen Team Amerika im großen „Backyard Cup“. Wer gewonnen hat? Ich denke mal, die Antwort ist klar, ich kann nicht einmal einen Football gerade werfen. Immer noch frage ich mich, warum Bälle nicht einfach rund sein können, würde das nicht alles unheimlich vereinfachen?

Pünktlich zum Essen kommen wir rein. Tom, das Stuffing, Mashed Potatoes, Gravy und Mais sind genau so lecker wir auch schon an Thanksgiving.

Nach dem Essen haben wir endlich Zeit, die neuen Carcassonne Erweiterungen auszuprobieren. Was folgt ist ein Carcassonne Battle, das es in sich hat.

Nik, Sam, Christian, Zach und ich kämpfen hart, und im Gegensatz zum Football, habe ich hier eine tatsächliche Chance, zu gewinnen. Und ich nutze sie. Der stolze Gewinner dieser Carcassonne Runde kommt aus Deutschland.

Mit diesem kleinen Erfolgserlebnis enden meine „Christmas Celebrations“. Das erste mal in meinem Leben habe ich Weihnachten nicht zuhause verbracht, obwohl…?


Wenn dir mein Weihnachtsfest gefallen hat, hinterlasse mir doch deine E-Mail und folge mir auf Instagram, und ich halte dich immer auf dem Laufenden über neue „JonasJourneys“!

Thanksgiving

Thanksgiving ist eine besondere Zeit. Hier möchte ich, JonasJourneys-untypisch einmal zusammenfassen, wie ich das amerikanische Erntedankfest so verbracht habe.  

Auf die Frage, wann meine „Thanksgiving Celebrations“ eigentlich angefangen sind, ist keine Antwort zu geben. Was jedoch außer Frage steht, ist, dass sich das Gemüt der Amerikaner in der Thanksgiving Zeit ändert, und mit ihrem auch meins. Als Christian Nik, mich und sich selbst am Montag zur Schule fährt, ist die Stimmung demütiger als sonst, wir unterhalten uns über die kommenden Tage, im Hintergrund läuft Jingle Bells Rock (natürlich im Trap-Remix). Heute und morgen gehen wir noch zur Schule, den Rest der Woche haben wir frei. Wo für Mittwoch noch keine konkreten Pläne vorliegen, steht am Donnerstag das eigentliche Thanksgiving Fest an. Am hinter uns liegenden Wochenende haben wir bereits ein großes Thanksgiving Dinner mit der Kirchengemeinde veranstaltet. Dem fielen fünf große Truthähne zu Opfer. Unser Köchin in der Kirche Andrea macht in Sachen Truthahn so leicht keiner was vor, so viel steht fest. Noch immer bin ich satt.  

In der Schule läuft im Schnitt auch alles ein wenig langsamer ab, am Dienstag hat sich mein Denkfluss dann so sehr verlangsamt, dass ich es schaffe, in einem Mathe Test durchzufallen. 11 von 28 Punkten, reife Leistung, sagt auch meine Lehrerin, die mir nach dem Test noch einmal kurz erklärt, was ich eigentlich hätte machen müssen. Immerhin weiß ich es jetzt. Thema des Tests waren binomische Formeln, in Deutschland ungefähr der Punkt, an dem ich irgendwie aufgehört habe, gedanklich mitzuziehen.  

Den ganzen Mittwoch reden wir schon darüber, wie der morgige Tag wohl so ablaufen würde, und dann ist es endlich soweit. Schon früh am Donnerstagmorgen hatte Heather angefangen, einen Truthahn zuzubereiten.  

Sein Name ist Tom. 

Ganz typisch wird Tom lange gekocht und am Mittag, zum großen Thanksgiving Dinner, serviert. Gegen Mittag trudeln Tylor und seine Großmutter, im Hau meiner Gastfamilie Thanksgiving Stammgäste, ein. Zachary und Samantha, Christians größere Geschwister kommen an Thanksgiving auch nach Hause. Vor dem Dinner, das eigentlich mehr ein Lunch ist, bleibt Zeit um sich draußen ein paar Footbälle, und Schneebälle, zuzuwerfen. Nach einiger Zeit muss ich, unter Beschuss stehend, nach drinnen fliehen. Einige Momente kommen auch die anderen herein, gerade richtig zum Essen. Christian wird die äußerst wichtige Aufgabe des Schinken Schneidens zugewiesen, hochkonzentriert macht er sich an die Arbeit. Alle wuseln in der kleinen Küche herum und tragen das Essen auf den Tisch.  

Auf dem fein gedeckten Tisch ist inzwischen fast kein Platz mehr, weshalb Christian die „Cheesy Potatoes“ wohl oder übel direkt neben seinen Platz stellen muss, was für ein tragischer Zufall. Außerdem sind auf unserem Tisch „Mashed Potatoes“, also Stampfkartoffeln, Käse und Cracker, Tom (ein mal mit, ein mal ohne Haut) und ein paar Veggies. Später bringt Heather noch Breading, was etwa das selbe ist, wie Stampfkartoffeln, nur mit Brot. Das muss traurigerweise neben meinem Platz stehen.  

– Rezension des Thanksgiving Festmahl – 

Mashed Potatoes: gut
Tom: sehr gut
Cracker: gut
Cheesy Potatoes: Käse? Rückbauen!
Breading: ausgezeichnet
Mit dieser vorzüglichen Thanksgiving Mahlzeit im Magen verbringen wir den restlichen Abend, ganz traditionell, bei Grandma, ein paar Häuser weiter. Endlich lernen Nik und Ich den Rest meiner Gastfamilie in der großen Runde kennen.

Außerdem gibt es Geschenke (!). Grandma hat vor Jahrzehnten angefangen, für alle Familienmitglieder große Socken, sogenannte stockings, zu stricken. Wie es sich gehört, werden die Socken mit unseren Namen drauf an den Kamin zuhause gehängt und werden an Weihnachten, das übrigens am 25. Dezember ist, befüllt. Alle anderen bekommen von Grandma Weihnachtsschmuck für den Tannenbaum geschenkt. Hier ist es üblich, dass der Baum einer jeden Familie individuell auf seine Mitglieder zugeschnitten ist. Christian bekommt also eine Christbaumkugel, die aussieht wie ein Tennisball. In diesem Moment wird mir auch klar, warum in Frankenmuth Unmengen an Kugeln zu kaufen waren. Mit den „ornaments“ in der Hand fahren wir nach einem langen Thanksgiving Festtag gegen zehn Uhr Abends nach Hause und gehen schlafen, denn die Thanksgiving Celebrations gehen morgen weiter.  

Wer um diese Zeit im Jahr im Internet, oder sogar in einigen deutschen Geschäften herumtreibt, der hat es sicher schon einmal gehört: „Black Friday“, oder „schwarzer Freitag“, wobei das englische Original doch deutlich besser klingt, wie ich finde. Der schwarze Freitag hat seinen Namen daher, dass an diesem Freitag die Geschäfte schwarze Zahlen schreiben, was eine angebrachte Darstellung ist. In jedem Schaufenster der Stadt sieht man Angebote, auch im Internet ist alles günstiger. Regelrechte Menschenströme finden sich in allen Geschäften wieder, wild um Angebote streitend, Grünflächen werden zu Parkplätzen, Server sind überlastet. Ganz Amerika verfällt für einen Tag in den Shopping-Wahnsinn. Meistens gibt es jeden Black Friday Tote. Dieses Spektakel dürfen sich die Amerika-Neulinge Nik und ich natürlich nicht entgehen lassen, wobei wir hoffen, niemanden am Ende des Tages tot zu sehen. Schnell haben wir Paul überredet, uns zu „Kohls“, einem Geschäft für Klamotten, zu fahren. Nik ist auf der Suche nach einer neuen Winterjacke, ich brauche bloß Handschuhe und Mütze. Vor unseren Augen erstrecken sich geschätzte fünf Hektar Klamotten aller Art, aber vor allem Menschen. Unendlich viele Menschen.

Als sich eine halbe Stunde später Nik für eine Jacke, Mützen und Handschuhe entscheiden hat und ich mir Mütze und Handschuhe ausgesucht habe, müssen wir etwa eine Stunde an der Kasse warten.  Was wir in den nächsten zwei Geschäften kaufen, darf ich aus weihnachtlichen Gründen noch nicht verraten, was aber feststeht ist, dass die Schlangen um die Mittagszeit herum nicht deutlich abnehmen, einfach verrückt.  

Als es etwa ein Uhr ist, beschließt Paul, uns seinen Lieblings Thailänder in der Region zu zeigen. „Bangkok“ Star ist auf der Frequentierungsskala von 1 bis Geheimtipp eindeutig auf dem Ende der Skala einzusiegeln, das nicht in einer Zahl angegeben ist. Zusammen mit einer asiatischen Großfamilie sind wir die einzigen, die heute vorbeischauen. Natürlich kennt Paul den Betreiber, der beweist, das ein Patron nicht aus Italien kommen muss. Ich bestelle Nudeln, die ein bisschen in Öl ertrinken, Nik Frühlingsrollen, Paul irgendwas mit Reis. Ich schaffe meinen Teller voller Öl und Nudeln nicht ganz.  

Mit gefülltem Magen machen wir alle zuhause erst einmal eine Pause, bis es am Abend zum Höhepunkt des Black Friday kommt: Die große Thanksgiving Parade. Christian, Nik und ich fahren gegen halb sechs zusammen in die Innenstadt, zum Austragungsort der diesjährigen Thanksgiving Parade. Dort angekommen suchen wir uns, nachdem wir für etwa eine halbe Stunde einen freien Parkplatz Gesucht haben, einen Platz entlang der Route, den die Parade gehen wird. Wir entscheiden uns, uns neben die Brücke, die über das Black River führt, das Port Huron in Nord und Süd teilt, zu stellen, wo Grandma und ein paar andere Mutige der Familie auf uns warten, die es auf sich genommen haben, mit uns in der Kälte zu stehen. Alle Kinder, die nördlich des Black River wohnen, gehören zum Einzugsgebiet von Port Huron Northern, südlich davon gehen alle Schüler zu Port Huron. In der Vergangenheit hat es immer Stress zwischen „PH“ und „PHN“ gegeben (die Auseinandersetzung ist etwa mit Hamburg vs Werder Bremen vergleichbar), weshalb die Veranstalter der Parade sich die dazu entschieden haben, dass sich jedes Jahr abgewechselt wird mit der Eröffnung der Parade durch die jeweiligen Marching Bands. Dieses Jahr ist Port Huron Northern an der Reihe. Von Seiten unserer Schule hört man Bu-Rufe. Seit vielen Jahren, so erzählt man, stellt die PHN Marching Band unsere in den Schatten. Mit skeptischem Blick verfolgen wir also den imposanten Auftritt der blauen Instrumentalisten. Als nächstes sind einige weitere Attraktionen an der Reihe. Überall wird sich Fröhliche Weihnachten gewünscht (Ja, es ist November), Kinder schmeißen Süßigkeiten. Am Ende der Parade kommt dann unsere Marching Band. Die „Port Huron Big Red Marching Maschine“ liefert ab, und verlässt lächelnde Gesichter.

Inzwischen ist es halb neun und wir machen uns auf den Weg nach Hause und läuten das Ende der diesjährigen Thanksgiving Celebrations ein.  


Ich hoffe, dir haben meine Thanksgiving Celebrations genau so gefallen, wie mir. Folge mir doch auf Instagram, um keine Beiträge mehr zu verpassen!