Cedar Point – Photostory

Obwohl es erst sechs Uhr am morgen ist, leuchtet der Himmel. In den eigentlich typisch norddeutschen Grautönen spiegelt sich sinnbildlich meine Müdigkeit wieder.

Neben mir sitzt Heather, die angeboten hat, mich heute morgen zu Ethans Haus zu bringen, von wo aus ich mit meinen Freunden in mein heutiges Abenteuer starten werde. Wir fahren also raus aus dem ländlichen Kimball und rein in die Stadt. Port Hurons vierspuriger Autobahnzubringer bringt uns an diesem Sonntagmorgen nur wenig liebe entgegen.

Angekommen erkenne ich die Silhouetten von Jeremiah, der mit einem Handschlag Ethan begrüßt, der noch halb im Türrahmen steht. Wenig später treffen auch Cele und Emilia ein. Wir sind vollzählig und setzen uns in den großen beigen Van von Ethans Mutter, die schnell losfährt – uns liegt ein lange Weg bevor. Wir fahren zu Cedar Point, einem Freizeitpark in Ohio!

Inzwischen sind wir so einige Achterbahnen gefahren, da wird es Zeit, sich eine kleine Auszeit zu nehmen. Während Ethans Mutter uns etwas zu essen besorgt, beobachte ich zwei Vögel, die sich auf einer Backsteinmauer hinter mir niedergelassen haben. Ich schaue um mich herum und stelle zum ersten Mal fest, das der Himmel jetzt völlig Wolkenlos ist

Wir haben Zeit, den blauen Himmel auszunutzen und machen ein paar Bilder. Titanic-artig stelle ich mich auf die Backsteinmauer. Wir lachen.

Das Ende des Tages nähert sich und wir haben die meisten der großen Achterbahnen hinter uns, doch uns fehlen noch ein paar Wasserbahnen. Kurz vor Ende des Tages kommen wir also auf die großartige Idee, ins Raft zu steigen. Wasser, wir kommen!

Es wird Zeit, sich auf den Rückweg zu machen. Auf dem Weg nach draußen halte ich den glühenden Abendhimmel fest, der magisch durch die Achterbahnen scheint.


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Spruce Flats Falls

Majestätisch hebt sich die Sonne über die Smoky Mountains an diesem Sonntagmorgen. Von eben dieser Morgensonne, die durch die weiten Fenster unseres Ferienhauses scheint, werde ich sanft wachgekitzelt. Ein Gefühl von Glücklichkeit überkommt mich.  

Wenig später finde ich mich unten am Küchentisch wieder und esse ein Spiegelei mit Toast. Als ich genussvoll in meinen Toast beiße, zerläuft das Eigelb auf meinem Toast. Heather setzt an. „Heute gehen wir zu einem der Plätze, die noch ein wenig unentdeckt geblieben sind. Wir wandern zu einem Wasserfall“. Sofort bin ich dabei, obwohl ich auch keine großartig andere Chance habe. Als Waldkindergarten-Veteran bin ich für jedes Abenteuer, das Wald und Schlamm involviert, zu haben.  

Kurze Zeit später sitzen wir auch schon im Auto. Von unser steilen Auffahrt rückwärts auszuparken, ist eine Herausforderung, selbst für den erfahrenen Bergfahrer Paul, der unseren riesigen PickUp Truck nur mühsam um eine Kurve zieht. Der Name unser Straße „Bavarian Way“ kommt nicht von ungefähr. Tatsächlich erinnert mich die Landschaft stark an die unzähligen Urlaube in den Alpen, die ich mit meinen Eltern verbringen durfte. Ein Blick aus dem Fenster gibt Sicht auf einen Berg, der sich genau wie unsere Straße seinen Weg durch die Berge bahnt. Noch ein wenig weiter führt uns die Straße durch die Berge, dem Fluss nach. Nach ein paar Minuten trennen sich jedoch die Wege des Flusses und der Straße. Wir folgen der Straße, den Fluss werden wir später beim Wasserfall wieder sehen.  

Unsere Straße führt uns direkt an einem Fluss entlang.

Unser schwarzer PickUp rollt auf die Auffahrt eines Besucherzentrums, am Fuß eines Berges, mitten im Wald. Das grüne Dach des Gebäudes hebt sich nicht sonderlich ab zwischen den Ästen des noch kargen Waldes. In ein paar Wochen, wenn die Bäume Blätter tragen, ist das Haus vermutlich nicht zu erkennen. Schräg hinter dem Haus beginnt ein kleiner Pfad, der schnell hinter einen Berg und steil bergauf führt. „Das ist unser Weg.“, lässt Paul verlauten. Heather schnauft. Tapfer treten wir an, und fangen an, einen Fuß vor den anderen zu setzen.  

Nicht lange dauert es, bis wir vom schmalen Pfad eine atemberaubende Aussicht auf die Flüsse, Berge und Schluchten der Smoky Mountains bekommen. Langsam macht die Steigung uns untrainierten Amerikanern ordentlich zu schaffen. Wir lassen uns Zeit, und helfen uns gegenseitig über die vielen kleinen Stolpersteine, die der Weg für uns bereit hält.  

Nicht daneben treten!

Auch über kleine Bächlein schaffen wir es, die den steilen Hang herunterfließen, in den auch der schmale Weg geschlagen ist. Zum Wasserfall ist es eine gute Meile (1,6km). Tatsächlich hatte Paul auch damit recht, dass der Weg relativ unbekannt ist. Nur ein paar Familien mit schweren Rucksäcken kommen uns entgegen. Eine Frau trägt ihr kleines Kind auf dem Rücken. Ich genieße die Ruhe, die nur von unseren Stimmen und dem Fluss ab und an unterbrochen wird. Es ist wundervoll, nach langer Zeit mal wieder etwas Zeit im Freien, in der Natur zu verbringen. Bis auf die wenigen Steine und Stämme, die als Stufen an einigen steilen Hängen dienen, ist unsere Umgebung nahezu unberührt.  

Paul bleibt auf ein mal stehen und hebt den Zeigefinger. Heather und ich schauen erst verwirrt, doch realisieren schnell, was Paul gerade verspürt hat. Ich höre ein leises Rauschen. Der Wasserfall! Wenige Minuten später biegen wir um eine letze Ecke und der majestätische Wasserfall eröffnet sich uns. „Um ehrlich zu sein, hätte ich ihn mir ein wenig größer vorgestellt.“, platzt es aus mir heraus. „Schaue nach oben“, antwortet Heather schnell. „Oh“…

Auf den ersten Blick hatte ich nur den unteren Teil des Wasserfalls erblickt, der von unten die Sicht auf den weitaus größeren Teil versperrt. Erstaunt schaue ich auf und bewundere die Wassermassen, die sich nach und nach über den Abgrund schieben und in den freien Fall begeben. Zufrieden setzen wir uns kurz, und Paul und ich erkunden die Umgebung. Leider verbirgt sich hinter dem Wasserfall keine Höhle mit einem Schatz, was unsere Freude, endlich an unserem Ziel angekommen zu sein, jedoch nicht schmälert.  

Für mehr Bilder von unserer kleinen Wanderung schaue doch bei meiner Galerie vorbei!  

Die Bezwingung des Diamond Head

Ich bin der erste unserer Gruppe, der in den Bus einsteigt. Im Gegensatz zu den vergangenen Tagen, greifen wir heute auf den öffentlichen Bus zurück, der uns von unserem Hotel am Waikiki Beach zu unserem heutigen Abenteuer bringt. Unser Ziel heute liegt ganz oben, über den Dächern Honolulus. Wir wollen den Diamond Head bezwingen, den ikonischen Krater, der von weitem aussieht wie ein Wahl. Das finden zumindest wir. Mit mir an der Spitze, füllen wir etwa den halben Bus aus. Ich sitze fast ganz vorne. Außer uns sind vor allem Studenten und junge Leute im Bus. Neben mir sitzt ein Pärchen, das vermutlich gerade joggen geht, am Buseingang hat sich junger Mann hingestellt. 

Nach etwa einer halben Stunde Fahrt hält der Linienbus an einem mittelgroßen Busparkplatz. Bereits jetzt befinden wir uns über den meisten Häusern der Hauptstadt. Trotzdem liegt noch ein langer Weg vor uns. Vom Parkplatz aus laufen wir an einer mittelmäßig befahrenen Straße lang, die uns den Berg hoch führt. Nach einer Weile mündet die Straße in einen Tunnel. Obwohl das Ende schon in Sicht ist, der Tunnel hat keine Kurven, ist es in der Mitte etwa so Dunkel wie im Raum, indem sich Donald Trump mit wissenschaftlichen Beratern trifft.

Johannes marschiert mutig voran in den geheimnisvollen Tunnel. Die Wände haben eine interessante Textur, sichtbar aus Lavagestein geformt. Wie fast alles auf den Inseln Hawaiis ist der Diamond Head Ergebnis eines oder mehrerer Vulkanausbrüche. Deshalb ist der riesige Krater auch geformt, wie ein riesiger Donut.

Eng drängen wir uns durch den schmalen Gehstreifen zwischen gelben Pfosten und Straße. Viel Platz bleibt uns nicht, um uns umzudrehen, und alle schauen ausschließlich nach vorne. „Sind wir schon bald oben?“, jammert eine Stimme hinter mir. „Wir laufen grade mal zehn Minuten“, antwortet eine andere Stimme. Beide Stimmen sind in der hallenden Tunnelumgebung nicht wieder zu erkennen. Vorsichtig streife ich mit meiner Hand am porösen Gestein.

Auf der anderen Seite angekommen laufen wir noch ein paar weitere hundert Meter. Immer wieder kommen uns Busse der „Green Line“ entgegen, die für Hawaii typischen, offenen Holzbusse. Während einige völlig überfüllt sind, bringen manche nur ein paar wenige Passagiere mit sich.

Schon jetzt ist neben uns ein steiler Abhang, doch wir können fast über die ganze Stadt, bis zum Strand, blicken.

Nach etwa zehn weiteren Minuten Laufen sind wir an einem weiteren Parkplatz angekommen. Während wir uns fragen, warum wir nicht einfach hierher gefahren wurden, entdecken Leonie und Liv den Souvenirladen. Hinter uns entdeckt Johannes einen roten Wagen, aus dem ein paar Einheimische frische Kokosnüsse verkaufen. Wie aus einem Becher, kann man mit einem Strohalm die Nuss austrinken. Nach dem selben Schema kann man auch eine Ananas erwerben, dessen Fruchtfleisch ausgehöhlt und zu einem Smoothie verarbeitet wurde. Außerdem gibt es das typisch hawaiianische „Shave Ice“. Dazu wird erst geschmackloses Eis zu einer Kugel geformt, und dann, je nach Wunsch, mit einem Sirup ein Geschmack gegeben.

Ich entscheide mich, mit einer Erfrischung bis nach dem Anstieg zu warten, frei nach dem Motto „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“. Während alle entweder ein Eis essen, oder aus einer frischen Kokosnuss trinken, beginne ich meine deutschheit zu bereuen. „Immerhin brauche ich nichts zu tragen“, rede ich mir ein.

Der Weg zur Bergspitze beginnt erst vergleichsweise flach. Idyllisch führt der Pfad aus Beton durch die von nur wenig Bäumen und hohem Gras gezeichnete Steppe Hawaiis. Die Sonne brennt vom Himmel wie ein Todesstern Laser, nach jedem dritten Schritt wische ich mir Schweiß von der Stirn.

Mit der Zeit wird der Weg nicht nur schmaler, sondern auch steiler. Erst jetzt merke ich, wie außer Form ich eigentlich bin. Wo ich früher fünfstündige Tennis Matches gespielt habe, kämpfe ich nun bei der Erklimmung dieses Berges

Trotzdem ist es die Anstrengung jetzt schon wert. Die Aussicht von hier oben ist gigantisch. Verzaubert von den grünen Gipfeln der Insel bleibe ich kurz stehen, um tief ein- und auszuatmen. Weiter setze ich einen Fuß vor den anderen, mich langsam aber sicher dem Gipfel entgegenarbeitend.

Der Weg schlägt eine scharfe Kurve vor uns. Dazwischen ist ein felsiger Hang, den ein Kleinkind zu bezwingen versucht. Sichtlich verzweifelt und überfordert, versucht die Mutter, das Kind wieder auf den Boden zu bringen. Sie scheitert.

Das Baby kommt vor uns auf der zweiten Etage an. „Mann, wir sind langsamer als ein Baby!“, scherzelt Felix. Wir lachen laut. Die Mutter nimmt glücklich ihr Kind in den Arm, das durch ein kleines Loch im Zaun geklettert ist.

Geschätzte fünfzig Höhenmeter trennen uns noch vom Gipfel. So langsam werden wir langsamer. Das ist nicht einmal durch unsere Müdigkeit verursacht, sondern durch die Menschenmassen, die sich inzwischen über den schmalen Weg zum Gipfel, und wieder herunter schieben. „Der Diamond Head entpuppt sich ja als richtiger Geheimtipp“, sind die Mädchen am lachen. „Ich mag es immer, wenn schöne Regionen noch nicht so touristisch erschlossen sind…“ füge ich noch hinzu, völlig außer Atem.

Der Weg unter uns verwandelt sich in Stufen, dann wieder in einen staubigen Weg, dann wieder zurück zu Treppen. Die weißen T-Shirts der unzähligen Menschen auf der Treppe vor uns scheinen hell in den Tag und geben uns den Weg vor, wie Brotkrümel Hänsel und Gretel.

Die lange Treppe auf dem Bild führt in einen letzten kleinen Tunnel, in dessen Schatten wir noch einmal Kraft tanken.

Die kleine Plattform auf dem Gipfel ist bereits in Sicht, von ihr trennt uns nur noch eine metallerne Treppe. Ein wenig unheimlich ist es, und nicht für schwache nerven, durch das Gitter der Treppe kann man ein paar Meter auf steilen Abhang blicken. Ich halte mich um so besser am Geländer fest. Oben gekommen sind wir zwar außer Atem, aber überglücklich, es geschafft zu haben.

Wieder sind wir von der Aussicht mitgerissen. Mit einem Blick kann ich über die ganze Insel schauen. Von den Wolkenkratzern Honolulus, bis zum Waikiki Beach und unserem Hotel. Auch den Flughafen kann ich erahnen.

Hier oben stelle ich mich an das Geländer und kann nicht genug Fotos schießen. Ein paar Leute neben mir breiten ihre Arme aus und schließen ihre Augen. Warum, frage ich mich. Schließlich kann man so die Aussicht garnicht genießen.

Etwa 19826 Fotos, oder einer Dreiviertelstunde später, ist unsere Zeit zu Ende, und wir müssen uns auf den Weg nach unten zu machen, um den Bus zurück nicht zu verpassen. Obwohl der Weg nach unten der gleiche ist, kommt mir der Weg irgendwie anders vor. Vielleicht ist das dadurch bedingt, dass wir nach unten nur etwa die Hälfte der Zeit benötigen.

Unten angekommen löse ich endlich mein Versprechen ein, das ich mir selbst gegeben hatte…


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Die Sache mit dem Schnorcheln…

„Heute bin ich mal anders“, dachte ich mir so. Mit einer Schüssel Cornflakes mit Milch und Ananas in der Hand setze ich mich an den einzigen Tisch, der noch Frei ist auf dem kleinen Platz neben dem Pool. Wenig später kommen alle anderen dazu. Zusammen sitzen wir im Kreis und besprechen, was heute passiert. Wir gehen Schnorcheln, so der Plan. Dazu gehen wir in die „Hanauma Bay“, eine Bucht mit Korallenriff. Zwischen tausend Korallen sind außerdem Fische, die es zum Teil nur in dieser Bucht gibt. Ein wahres Paradies.  

Inzwischen habe ich meine Cornflakes aufgegessen. Ich bin der letze der heute vom Tisch aufsteht und in die Hotellobby geht. Im Aufzug stelle ich mir schon ein wenig vor, wie es sein wird, zwischen tausend Fischen, Korallen und Schildkröten zu schnorcheln. Ich habe zwar noch nie geschnorchelt, trotzdem freue ich mich schon!  

Die Tür des Aufzugs geht auf und ich sehe mich einer ganzen Horde von Menschen entgegen, die in der Lobby warten. Wir teilen uns in kleinere Gruppen on neun auf, die in kleineren Shuttles nach Hanauma gebracht werden. Schnell formen wir eine Gruppe. Leonie, Katja, Liv und wir Jungs, Felix, Johannes und ich. Außerdem stoßen noch Johanna und Vera aus Schweden dazu. Mit einem breiten Lachen steigen beide ein, bereit für ein Unterwasserabenteuer. Der letzte im Bunde ist Diego, aus Madrid, Spanien. Er hat ein Real Madrid Shirt an und begrüßt mich mit Ghettofaust. Dann geht die Reise los. Alle zusammen fahren wir etwa eine halbe Stunde, bis wir die Bucht unseres Vertrauens gefunden haben.  

Unser Fahrer reißt die Tür auf und springt aus dem Wagen. Wir zucken kurz. Bevor ich mich versehe, finde ich mich am Kofferraum des Wagens wieder und bekomme eine Taucherbrille, Schnorchel, und Flossen in die Hand gedrückt. Bevor wir den wunderschönen Strand der Bucht betreten dürfen, werden wir von einem älteren Mann mit flacher Stimme gebeten, in ein kleines Theater einzutreten. Bedächtige klärt er uns über die Vielfalt von Fischen und Pflanzen auf, die diese bucht einzigartig machen. Dann schauen wir ein kurzes Sicherheitsvideo. Zur Erhaltung der Bucht dürfen wir nichts Anfassen und müssen ein paar Stellen besonders meiden. Außerdem gibt es Stromschnellen.  

Der Weg runter zum Strand von der Bergkette, die die Bucht umrundet, ist lang. Für mich, der seit einiger Zeit schon keinen richtigen Sport mehr gemacht hat, ist es eine kleine Erleichterung, endlich unten angekommen zu sein. Wir neun sind die ersten, die unten angekommen sind, und bereiten unsere Ausrüstung vor. Der lange Schnorchel hackt sich in ein Band mit der Brille ein, die Flossen kommen (Überraschung!) an die Füße.  

Gerade sind wir alle im Wasser angekommen, da passiert es dann. Plötzlich werden wir nicht nur von unten, sondern auch von oben nass. Das hawaiianische Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung.  

Nach dem kleinen Schauer geben wir der Sache einen zweiten Anlauf. Obwohl der Himmel noch immer zugezogen ist, und die Wasseroberfläche dunkel, steige ich in meine Flossen und ziehe mir die Brille über den Kopf.

Was ich dabei nicht bedenke ist, das die schwere Taucherbrille auch meine Nase abdeckt. Also schnappe ich einige Sekunden ungeschickt nach Luft, bis ich bemerke, das ich ja auch durch den Mund atmen kann. Besonders angenehm war es für mich nie, durch den Mund zu atmen, und der Schnorchel erscheint für mich eher wie ein Handicap. Trotzdem geb ich meiner Ausrüstung eine Chance und schwimme mit Schnorchel im Mund raus in die offene Bucht. Neben sehr vielen grauen Korallen sehe ich ein paar Fische. Der größte Fisch den ich heute ist blau und etwa so groß wie meine Hand. Alle sind völlig aufgeregt, doch bei mir bleibt die Euphorie irgendwie aus. Mehr bin ich damit beschäftigt, nach Luft zu ringen, als die Fische zu beobachten. Ich habe fast ein wenig Angst. In der Hoffnung, die Situation ein bisschen zu verbessern, entscheide ich mich dazu, meinen Schnorchel an Land zu lassen, und nur mit meiner Taucherbrille zu tauchen. Obwohl es ein weniger einfacher ist, fühle ich mich immer noch beengt.  

Nach kurzer Zeit gebe ich entnervt auf und geselle mich zu ein paar anderen Verzweifelten an den Strand. Naja, ich kann immerhin sagen, ich habe es versucht.  


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Die perfekte Welle

Wieder war es einer dieser Tage, an denen man viel zu früh aufstehen muss. „Warum nur?“ Flucht Felix, der neben es sich neben mir im Bett gemütlich gemacht hat, und jetzt aufsteht. „Weil wir Hawaii erleben wollen. Dazu müssen manchmal Opfer gebracht werden.“, antworte ich nicht nur ungefragt sondern auch übermotiviert.

Schon das zweite Mal wache ich in unserem Hotelzimmer auf, das sich Felix und ich noch mit Pauli und Thomas aus Finnland teilen. Das zweite Mal schon sehe ich der hawaiianischen Sonne beim aufgehen zu und genieße den Vibe der Tropeninseln.

Diesen Morgen bleibt uns jedoch nicht all zu viel Zeit, um das Aufwachen im Paradies zu zelebrieren, denn schon um 6:30 verlassen wir heute mit unserer Reisegruppe das Hotel. Während Felix also schon unter der Dusche steht rolle ich mich rollmopsartig aus dem Bett heraus.

Wenig später treffen sich Felix und ich wieder unten beim Frühstück wieder. Inzwischen ist es schon etwa zwanzig nach sechs, also schmiere ich mir in feinster deutscher Manier nur zwei Toasts, um sie, in Servietten eingerollt, mit auf die etwa einstündige Busfahrt nehmen zu können.

Bevor wir allerdings den Reisebus betreten, treffen uns Felix und ich mit Katja und Leonie in der Hotellobby. Viel Zeit für Smalltalk bleibt nicht, denn wir werden von unserer Reiseleiterin nach wenigen Minuten aufgefordert in den inzwischen auf die kleine Hotelvorfahrt eingefahrenen Bus zu steigen. Quietschgelb steht er da, mit grünen Palmenblättern. Aus der Vordertür dröhnt uns laute Musik entgegen und der etwa 50-Jährige Busfahrer begrüsst uns mit einem braunen Grinsen. „Aloha!“, ruft er uns zu, als würden wir auf der anderen Seite einer sehr tiefen Schlucht stehen. Von uns vieren betrete ich als erstes den Bus und halte einen Platz neben mir für Felix frei. Katja und Leonie setzen sich neben uns. Hinter uns setzt sich Johannes, aus den USA. Johannes Mutter kommt aus Schleswig-Holsteinischen, weshalb Johannes ein wenig deutsch kann. Trotzdem reden wir, zur Integration die meiste Zeit Englisch.

Ed, der Busfahrer, ergreift das Mikrofon und leitet uns in die heutige Tour, und was wir alles vor uns haben. Ich bin aufgeregt. Neben einem Busfahrer und Durchsagenmacher ist Ed allerdings auch unser Tourguide, zumindest im Bus. Ein Job, den Ed mit großer Freude ausübt. Kaum sind wir aus dem dichten Verkehr Honolulus ausgebrochen, fängt er an, uns von ein paar besonderen Stränden zu erzählen, an denen der Highway, auf dem wir fahren, vorbeiführt. Gerade für uns angehende Surfer gibt Ed schon ein paar wichtige Hinweise. Naja, um genau zu sein, nur einen.

Nicht runterfallen.

Nach einer guten Stunde Fahrt sind wir an unserem heutigen Strand angekommen. Im Norden der Insel gelegen, sind die Wellen hier in Waialua genau optimal zum Üben.

Ich laufe also zum Ende des kleinen Parkplatzes, auf dem der Bus gehalten ist, um einen Blick auf das Meer zu erhaschen. Was sich mir eröffnet ist nicht nur ein Strand… sondern ein Statement! Bevor ich hierher gekommen war, hatte ich es als Klischee angenommen, das absolut jeder Strand wunderschön ist, doch falsch.

Ein wenig aufgeregt marschieren wir der Gruppe von Austauschschülern hinterher. 100m weiter am Strand finden wir zu einem kleinen Pavillon mit der Aufschrift „buttonsurfschool“. Weiter unten Richtung Wasser ist eine Reihe von Surfbrettern aufgestellt, die alle Richtung Wasser zeigen.

Wir werden von einem Mann mit langen Haaren mit bunter Schminke im Gesicht begrüßt. In der Hand trägt er einen sehr kleinen Hund. Sofort ist die Aufmerksamkeit aller Mädchen verloren. Dementsprechend sind es die Jungs, die als erstes ein dünnes T-Shirt aus Neopren bekommen, um die Haut vor dem harten Wasser zu schützen, für die sehr unwahrscheinliche Situation, dass man vom Brett fällt.

Der im Gesicht bunt angemalte Mann, der ein wenig wie ein Ureinwohner aussieht, bringt uns die ersten drei Schritte, die ein jeder Surfer braucht, um auf die Welle zu kommen, bei. Die Ausgangsposition ist im Liegen. Wie Käfer, die auf den Rücken gefallen sind paddeln wir also als erstes im Sand, auf unseren Brettern liegend. Als nächstes, wenn die Welle in Sicht ist, ziehen wir beide Beine zur Mitte des Bretts, sodass wir auf den Knien sitzen und Stabilität gefunden haben. Der dritte, und wohl schwierigste Schritt ist es, aufzustehen und nicht wieder um zu fallen.

„Jetzt könnt ihr surfen“, witzelt der Mann und gibt uns zu erkennen, das jetzt endlich alle ins Wasser dürfen. Kurz vor unserem Strand bilden wir eine Reihe, auf unseren Surfbrettern liegend. Einer nach dem anderen werden wir aufgerufen, weiter heraus zu paddeln, wo ein weiterer Instructor und ein paar Trainer auf uns warten. Vermutlich habe ich ausgesehen, wie ein kleines Kind, das zum ersten Mal Rad fährt, denn die Frau, die mich vorhin aufgerufen hat, lacht kurz, als ich weg in Richtung Ozean paddle.

Ein wenig weiter draußen im Ozean klammere ich mich auf meinem Brett fest, wie ein kleines Äffchen. Kaum zu glauben, dass ich den untrennbaren Packt zwischen mir und dem Brett gleich auflösen muss, um aufzustehen. Das Brett und ich hatten uns wohl einfach auseinandergelebt…

Noch ein letzter Trainer gibt mir Anweisungen, als ich mich ihm mit meinem wilden Gepaddel nähere. „Dreh das Brett um, sodass du zum Strand blickst.“ Dann kommt die Welle, meine Welle. Schon von bisschen weiter weg, kann ich ahnen, dass dies die Welle ist, die ich nehmen werde. Ich mache mich mental bereit und stelle mich darauf ein, jetzt zum Strand zurück getragen zu werden. Von der Welle. Ich erinnere mich an die drei Schritte. Ich fange an zu paddeln, schneller, schneller und immer schneller, bis ich die Welle in meinem Rücken habe. Ich fühle, wie mich die Welle greift und mich auf meinem Brett mitzieht. Automatisch versuche ich aufzustehen. Schritt eins, zwei, zwei-einhalb…

Plums. Bevor ich mich versehe, finde ich mich unter Wasser wieder. Mein erster Surfversuch endet sehr schnell, also reihe ich mich wieder ein in die Schlange von Surfbrettern vor der Küste.

Nachdem mein zweiter Versuch ähnlich verläuft wie mein erster, will ich nun, mit meinem dritten Versuch erst Recht aufs Brett schaffen. Wieder paddle ich heraus auf den Ozean und bin schnell bei einem der vielen Trainer im Wasser angekommen, die einem auf die Welle helfen. Mein neuer Helfer gibt mir noch einmal zusätzliches Vertrauen mit einem netten Gespräch. Quengelig wie ein kleines Kind frage ich immer wieder: „Kann ich die Welle nehmen?“. Er antwortet nur: „Nein, die ist nicht ganz optimal. Die Kunst des Surfens ist es nicht, auf das Brett zu kommen und irgendwelche Tricks zu machen. Es geht darum, die perfekte Welle zu erkennen und sie dann auszunutzen.“ Einige Minuten warten später ist es dann soweit. Ich höre eine hohe Welle brechen, genau hinter mir. Auch mein Instructor ist euphorisch. „Jetzt oder nie!“, schreit er. Also fange ich an mit der Welle zu paddeln, um dann, genau an der richtigen Position (siehe Schritt 1 bis 3) aufzustehen. Und ich stehe! Ich stehe und surfe!

Ich kann es kaum fassen. Wie in einem Hollywoodfilm fühle ich mich, Zac Efron kann sich warm anziehen. Fast 20 Sekunden schaffe ich es, mein Gewicht zu halten, bevor ich umfalle und ins Wasser plumpse.

Noch ein paar weitere Male schaffe ich es, die perfekte Welle abzuwarten und zu surfen, bevor ich, ein wenig stolz an den Strand zurück trotte. Es ist Zeit, sich von meinem Surfstrand zu verabschieden. Der Strand mit der perfekten Welle!


Ich habe die Welle erwischt, noch immer bin ich ein wenig stolz. Damit in Zukunft auch du keine Welle mehr verpasst, hinterlasse mir doch deine E-Mail oder folge mir auf Instagram! Aloha!

Von Schnee, Eis und Notsituationen

Entsetzung, Bestürzung, vielleicht sogar Verzweiflung macht sich in mir breit. Doch nicht etwa wegen eines kalten Kaffees, dem Verlust von Geduld mit einem Computer oder dem amerikanischen Präsidenten. Ich fluche heute darüber, dass ich nun schon seit Tagen zuhause sitze. Gelangweilt sitze ich da. Normalerweise würde ich jetzt in der Schule sein, doch schon letze Woche hat unser Schuldistrikt beschlossen, die Tore für Schüler zu schließen. Seit die Schule dieses Jahr wieder angefangen hat, ist sie, um es verharmlosend auszudrücken, des öfteren mal ausgefallen. Einer der zwei Gründe, die Schule ausfallen zu lassen ist der Zustand der sowieso schon schlechten Straßen. Michigans Straßen sind etwa mit denen in einem 50 Mann-Dorf in tief Brandenburg zu vergleichen. Teils ist die Lage so desaströs, das „Dominos“, ein Pizza Franchise, sich dazu entschlossen hat, eine Initiative mit dem Namen „Paving for Pizza“ ins Leben zu rufen, damit die Pizzas durch Schlaglöcher in den schlechten Straßen nicht vom Beifahrersitz fallen. 

I will fix the damn roads!!

–Gretchen Whitmer, Gouverneurin Michigan

Der andere Grund für einen Schulausfall sind die Temperaturen. Mit -17 Grad (Celsius) ist es hier, zumindest heute, kälter als am Nordpol mit sommerlichen -10 Grad. Was klingt, wie ein die Fassung verlierender Wettermann in der Tagesschau, der jetzt außer Kontrolle mit Fachwörtern um sich wirft, ist garnicht so schwer zu begreifen, wie es sich anhört. Über dem Nordpol bewegen sich zwei entgegengesetzte Wirbel, der Polar Vortex und der Jet Stream Wenn der Polar Vortex stark ist, hält das den Jet Stream in Zaum, sodass die kalte Polarluft dort bleibt, wo sie hin gehört. Wenn der Polar Vortex jedoch schwach ist, ufert der Jet Stream aus und bringt den ungebetenen Gast namens Polarluft auch in die nördlichen Staaten der USA. Nun immigriert die Polarluft in einem Ausmaß, das nur mit mexikanischer Einwanderung zu vergleichen ist. Ob eine Mauer helfen würde? 

Jedenfalls sitze ich immer noch da. Inzwischen ist Jonas herübergekommen um mich in meiner Verzweiflung beizuwohnen. Wir verzweifeln zusammen. 

Gestern hat die Regierung von Michigan offiziell den Notstand ausgerufen, aufgrund von „lebensbedrohlichen Temperaturen“. Ich frage mich, ob es in etwa so eine Situation wie in Deutschland ist. Der Innenminister tritt vor die Kamera. Er beginnt über eine Bedrohung zu sprechen, und das die Menschen keine weiteren Fragen stellen dürften, damit keine Verunsicherung aufkommen würde, was natürlich erst alle Fragen aufkommen lässt. Etwa genau so beunruhigend, wie Thomas De Maizières Pressemitteilung nach einem abgesagten Spiel der Nationalmannschaft war es gestern, als ich mit Christian, Adam und Austin einen Schneekrieg angezettelt habe. Rückblick gefällig?

Eine halbe Stunde vor Kriegsbeginn haben wir angefangen, eine Basis aufzubauen. Mein Teampartner Adam und ich haben uns dazu entschlossen, uns im kleinen Spielhaus in unserem Garten zu verschanzen. Zusätzlich dazu haben wir eine hohe Schneemauer errichtet, die das Eindringen in unsere Basis ins unmögliche erschwert. Naja, fast. Mit der Präzision einer Baseball Wurf-Maschine schleudern wir nun Schneebälle, die inzwischen fast zu Eis ausgehärtet sind, auf die Gegner. Christian und Austin haben drei schützende Mauern aus Schnee errichtet. Misstrauisch blicken beide über die Mauer aus Schnee, die nicht nur bedrohlich höher, als unsere, sondern auch deutlich härter zu sein scheint. Zusammengeknäult rollen wir uns nach dem etwa zehn minütigen Distanzkampf nun aufeinander im Schnee. Durchnässt stapfen wir nach diesem schnell eskalierten Kampf wieder herein. Heute, einen Tag später sitze ich nun immer noch da. Nichtstuend, mich selbst bemitleidend lege ich die Füße hoch, auf den kleinen Doppelhocker, der vor der Couch steht, auf der ich die letzte Zeit verbracht habe. Mein Handy spring an. Ich bekomme einen „Emergency Alert“, direkt von Gouverneurin Whitmer. 

Um Gas zu sparen, bittet sie darum, die Thermostate auf 65 Grad Fahrenheit (=18 Grad Celsius) herunter zu drehen. Es gibt bedenken, das es sonst nicht ausreichen könnte für alle. Brav gehen Christian und ich zum kleinen Kontrollkasten und drehen runter. Ob es die ersten Zeichen einer untergehenden Welt sind? Ist die Apokalypse nah, und wenn ja, ist es die Schuld von Scientology? Für mich ist das untergehende Michigan nur von einer vergleichsweise kleineren Bedeutung in der nächsten Zeit.

Warum, fragst du dich? Scrolle herunter…

Detroit & Meeghin – Photostory

Um etwa drei Uhr haben mich Meeghin und ihre Großeltern abgeholt. Unser Ziel: Detroit.

Schon einmal war ich in Detroit und habe aus dem Autofenster ein paar wundervolle Bilder schießen können. Diesmal werden wir auch zu Fuß „Motor City“ erkunden können. Erst einmal nähern wir uns jedoch im Auto. Aufgeregt schießen Meeghin und ich schon jetzt unzählige Bilder.

– Im Auto –

Zu „Lose Yourself“ von Eminem fahren wir also in die, teilweise schon von der Abendsonne beleuchteten Innenstadt Detroits ein.

Nach einiger Zeit haben wir einen Parkplatz in der hektischen Innenstadt gefunden und steigen aus. Unser erstes Ziel: der Peoplemover. Wie magisch bewegt sich die Bahnlinie völlig Autonom über den Köpfen der Menschen hier.

Mir eröffnen sich einmalige Aussichten auf die teils Jahrzehnte alten Hochhäuser. Mit einem Blick über die Blocks fühle ich nicht nur den Vibe der Großstadt, sondern auch einen Hauch der Luft.

– Zu Fuß & Peoplemover –

Im inneren Stadtkern angekommen, steigen wir aus und erkunden die weitere Innenstadt…

Es ist inzwischen spät. Die Sonne ist untergegangen und wir haben Hunger. Zum „Dinner“ suchen wir uns ein traditionelles Lokal aus, was nicht nur typisch amerikanisch ist, sondern auch zu einem vollendeten „Detroit-Erlebnis“ einfach dazu gehört:

– Five Guys –

– Zurück zum Auto –


Ich hoffe, dir hat diese, etwas andere Geschichte von meiner Reise nach Detroit gefallen. Lass mich wissen, ob ich öfter mal eine Fotogeschichte gestalten soll!

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The States 2/2

Seit etwa zehn Minuten sitzen wir nun schon als einzige in Pauls etwas abgekühlten Pickup. „Das kann doch eigentlich nicht sein, dass sich drei Leute gleichzeitig versehen, oder?“, Frege ich lachend in die Runde. Zumindest mir, dem wohl vergesslichsten Menschen der Welt nach den beiden berühmten Senioren im Park, wäre es zuzutrauen. Doch dann sehen wir auf einmal eine Kolonne von Autos heranrollen. Nach und nach steigen mehr und mehr junge Tennisspieler aus den Autos. Ein paar Teams haben sogar einen eigenen Mannschaftsbus. Ein eigener Mannschaftsbus für eine Tennismannschaft an der Highschool? Immerhin habe ich ein eigenes Auto für mich, wenn man so will. Leider hat sich bei den Regionals unsere Mannschaft nicht für Michigans Meisterschaft qualifiziert, dafür habe ich es als „Individual Qualifyer“, durch meinen Sieg bei den Regionals geschafft, deshalb bin ich auch der Einzige unser Mannschaft hier. Unsicher steige ich aus dem Pauls Pickup aus und schnappe meinen Tennisschläger. Das erste was ich erkenne, wenn ich den großen College Campus betrete, sind dunkle Silhouetten auf den Tennisplätzen, die sich versuchen einzuspielen. Ja, sie versuchen es, denn einen Ball zu treffen bei fast kompletter Dunkelheit ist nahezu unmöglich. Ein paar mal lache ich kurz auf, als offensichtlich daneben geschlagen wird. Einmal bekommt jemand einen Ball in die Brust, spielt jedoch unbehelligt weiter. Je heller es wird, desto besser erkenne ich die Spieler und den Campus des riesigen College. Die „Hope College“-Tennisanlage besteht aus zwölf Plätzen. Sechs auf der einen, sechs auf der anderen Seite. Dazwischen ist eine art Erhöhung mit Zuschauerplätzen, und Platz für die Trainer darunter. Es ist bitter kalt, ich rolle mich innerlich ein wenig zusammen. Hinsetzen vermeide ich erstmal, ich stehe lieber um zumindest ein bisschen in Bewegung zu bleiben. Mein Chai Tea Latter erwärmt gleichzeitig ein bisschen meine Hände. Als erstes steht das „Coaches Meeting“ auf dem Plan. Paul begibt sich also unter die Überdachung. Wieder kommt er nicht nur mit einem kleinen Packet mit Namensschild für sich als Coach, denn nur Coaches dürfen auch coachen, sondern auch mit der Neuigkeit, das es um der Uhr regnen soll. Dementsprechend kurz wird dann auch das „Players Meeting“ gehalten, das kurze Zeit später auf dem Platz stattfindet. Nichts wirklich neues wird gesagt, alle bemühen sich, so schnell wie möglich anzufangen, um möglichst viele Matches vor dem Regen zu spielen.Nach etwas Wartezeit treffe öffne ich endlich zuversichtlich die Tür zum Platz. Mein Gegner lässt auf sich warten, also wärme ich mich schon mal ein wenig auf. Besonders weh tut das Dehnen der Oberschenkel an so einem frühen morgen. Dann fangen wir an zu spielen. Erste Bemerkung: Linkshänder, also umdenken. Wo normalerweise die Vorhand ist, ist bei meinem Gegner die Rückhand.

Dementsprechend fange ich also an, die Bälle anders zu verteilen. Auch wenn ich den ungewöhnlichen Spielstil nicht gewohnt bin, kann ich mich schnell darauf einstellen. Also verlasse  ich nach garnicht all zu langer Zeit mit einem breiten Siegergrinsen den Platz. Noch steht mein nächster Gegner nicht fest. Auf dem riesigen Tisch der Turnierleitung bin ich also ganz hinten in der Warteschlange. Genug Zeit, um nach eine entspannte Mittagspause zu machen. Auf dem Weg hierher, haben wir alle einen BurgerKing entdeckt, zu dem wir jetzt hinfahren. Bescheiden wie ich bin, bestelle ich allerdings nur eine Limonade, schließlich habe ich meine Wraps. Etwas schüchtern betrete ich mit meiner dicken Tupperdose in der Hand den ausladenden Verkaufsraum und setze mich, so unauffällig wie möglich an einen Tisch am Fenster. Kurze Zeit später stoßen Heather und Paul dazu. Kurz nachdem wir alle aufgegessen haben schleiche ich mich mit meiner Tupperdose wieder aus dem BurgerKing und steige in Pauls schwarzen PickUp. Etwa 10 Minuten dauert der Weg zurück zum Campus des Hope College, Zeit für mich um noch einen Wrap zu essen. Inzwischen bin ich auf Platz 12 der Warteliste gerückt. Das heißt: Noch 12 Matches finden vor meinem statt. Toll. Dafür steht inzwischen mein Gegner fest. Woher er kommt, wer er ist, Paul scheint nichts zu wissen, ich natürlich noch weniger.
Noch zwei Matches, es fängt an zu tröpfeln. Alle fliehen unter ein paar der Schirme auf der Erhöhung.

Plötzlich sind die Plätze ganz leer. Fast schon etwas geisterhaft ist es still geworden. Keine Schuhe quietschen, keine Spieler stöhnen. Nach etwa einer halben Stunde geht dann das Schauspiel weiter, ich bereite mich vor, denn der nächste an der Reihe bin ich. Gerade fange ich an den langen Gang unter der Überdachung entlang zu laufen, da fängt es wieder an zu schütten. Diesmal allerdings besteht kein Zweifel, dass der Regen anhalten wird. Ich sehe den verzweifelten Turnierdirektor hektisch zum Telefon greifen, während alle anderen mit einem traurigen Blick die Pfützen auf den Plätzen anschauen, die immer größer werden, und Tennis unmöglich machen. Eine lange Karawane von Menschen zieht sich kurze Zeit später aus dem Tennis Campus des Hope College. Mehr oder weniger geeilt traben alle in Richtung der anliegenden Halle. Der kleine Vorraum ist offensichtlich nicht für so viele Menschen ausgelegt. 

Für mich heißt es erstmal: weiter warten, denn die Halle hat nur sechs Plätze. Das heißt, die Matches, die schon angefangen haben, müssen erst einmal zu Ende gespielt werden, bevor ich den Platz betreten darf. Etwa eine Stunde muss ich noch warten, dann bekomme ich endlich mein Zeichen. Ich bin ein bisschen aufgeregter als sonst, als ich die Hartplatzhalle betrete, denn ich spiele auf Platz 1. Der Centercourt hat eine kleine Tribüne die bis zum Überlaufen mit Menschen gefüllt ist. Darunter Heather, die sich inzwischen mit ein paar anderen Tennismüttern zusammengeschlossen hat, und tratscht. Paul wartet hinter einem Netz hinter dem Platz und späht durch ein kleines Guckloch. Wieder bin ich vor meinem Gegner auf dem Platz. Gespannt warte ich also und versuche vor dem erwartungsvollen Publikum irgendwie sportlich und professionell auszusehen. Während ich irgendeine pseudo Dehnübung mache, betritt ein älterer Jugendlicher den Platz. In seinem Gesicht hängt nicht nur ein voller dunkler Bart, sondern auch eine etwas grimmige Miene. Ich schaue ungläubig zu Paul, der nicht nur. In seinen Augen hängt ein bisschen Mitleid. Das „Du bist mein Gegner?“, sollte sich eigentlich mehr wie eine Sicherheitsfrage klingen, muss sich aber sehr dumm angehört haben. Als ich seine Antwort, ein „Ja?“, mit einem Fragezeichen, indem etwa die Botschaft „Was willst du kleiner, deutscher Knilch“ mitschwingt, ins Gesicht bekomme, schlucke ich. Nach außen hin muss ich neben meinem Gegner, der etwa zwei Köpfe größer ist als ich, trotzdem nicht all zu verängstigt ausgesehen haben, denn Heather wirft mir immer noch einen mutmachenden Blick zu. Allerdings verwandelt sich auch ihre Zuversicht schnell in Zweifel als wir uns „langsam“ anfangen einzuspielen, wobei man von langsam nicht wirklich sprechen kann. Die ersten paar Bälle, die mein Gegner mir zuspielt berühre ich nur mit meinem Schlägerrahmen. 

Wie dieses Spiel ausgegangen ist, kann sich sicher jeder denken. Immerhin habe ich es im zweiten Satz noch zu einem Ehrenspiel gebracht, 6:0 6:1 also. Nach nicht all zu langer Zeit schleiche ich deprimiert zum Netz und reiche meinem Gegner die Hand. Als ich frustriert zur Tribüne stapfe spricht mich der Trainer von meinem Gegner an, sagt dass ich gut spiele und nicht deprimiert sein sollte. Toll. Heather verabschiedet sich von ihren neu kennengelernten Freundinnen, mit denen sie das Match verbracht hat. Dieser lange Tag endet für mich etwa da, wo er angefangen hat: Im Auto. Zusammen mit Paul ziehe ich Bilanz. Ein erfolgreicher Tag ist es gewesen, nicht nur für mich, sondern für die ganze Schule, die es sonst nicht zu den States Championships schafft. Viel hätte ich nicht ausrichten können gegen meinen Gegner, der bei einem Konzertkartenkauf auch als mein Vater durchgehen können könnte. Irgendwie sich auch alle glücklich, jetzt nach Hause zu dürfen. 


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The States 1/2

Diese eine „Jonas Journey“ beginnt eigentlich schon am Tag vorher. Oftmals passiert alles spontan in meinen kleinen Abenteuern, doch diesmal ist es tatsächlich etwas anders. Geplanter. Am Tag vor dem Tag davor habe ich reichlich eingekauft. Genauer zehn Tortilla, drei Paprikaschoten, etwa zehn Tomaten, eine riesige Kugel Mozzarella, ein paar Hähnchenstreifen, Rucola und ein wenig Basilikum, getrocknet und klein zerhackt. Eigentlich hatte ich mich nach einem frischen Bündel umgesehen, aber gefunden habe ich nur diese, etwas tristere Variante. Wie der mündige Leser vielleicht schon festgestellt hat, bin ich im Begriff Wraps zu machen. Die sind gedacht für den nächsten Tag, den Tag an dem ich beim States Tournament antreten werde.

Bereits die ganze Woche wurde ich von etlichen beglückwünscht zum Einzug in das große Turnier, das den besten Spieler Michigans bestimmen soll. Eine Woche zuvor habe ich, genau wie Christian, die „Regionals“ in meiner Kategorie, #1 Singles, gewonnen. Qualifiziert habe nur ich mich für das nächste Level.

Inzwischen habe ich die noch rohen Hähnchenstreifen, die bei genauerem Hinsehen eigentlich zum größten Teil aus Fett bestehen, in die Pfanne geworfen und den Herd angemacht. Noch ein bisschen Öl, damit nichts anbrennt, und nichts sollte schiefgehen, oder? Schon oft habe ich daheim meine Mutter beim Fleisch anbraten beobachtet. Gekonnt ein Schuss Öl, und dann das Fleisch. „Ist das nicht eigentlich idiotensicher?“, denke ich leise vor mich hin, während mir ein Schwall Dampf entgegenkommt und ich die Frage innerlich mit einem Nein beantworte. Entweder ist es also nicht idiotensicher, oder ich bin überdurchschnittlich untalentiert. Am Ende einer viertelstündigen Odyssee ist zwar die Küche in einen rauchigen Vorhang gehüllt, die Hähnchenstreifen allerdings gut bis sehr gut angebraten. Vielleicht habe ich mich ein wenig selbst übertroffen: außen knusprig, innen saftig zart. Das trifft zwar nur auf einen der zehn Streifen zu, aber für das erste Mal… Zeit für mich, die noch etwas dicken Streifen in kleinere Streifen zu unterteilen. Mit einem Gefühl, als wäre ich Tim Melzer, und hätte sehr große Ahnung von meinem Handwerk, zerkleinere ich außerdem noch Tomaten, den riesigen Mozzarella, und eine der drei Paprikas. Dann ist es Zeit, die Tortillas aus der Plastikverpackung zu holen. Einem Youtubetutorial zufolge sollen sich die Tortillas besser „wrappen“ lassen, wenn man sie kurz in der Mikrowelle aufwärmt. Also wärme ich sie kurz auf. Besser falten lassen sie sich allerdings nicht.

Einer Anleitung aus dem Internet zufolge ordnet man die Zutaten in einem Streifen in der Mitte an, dann werden die Seiten eingeklappt, und alles wird eingerollt. Einem anderen zufolge klappt man nur eine Seite ein und klappt dann die anderen irgendwie darauf und rollt und quetsch und macht und tut und… Nach zwei Versuchen quälenden Wrapfaltens gebe ich entnervt auf, denn meine Rettung schlendert gerade durch die Tür. Der Mann, der Wraps beruflich rollt: Christian. Schmunzelnd blickt er über meine bisherigen Versuche. Mit Hundewelpenblick in den Augen frage ich den McDonalds Wrap Meister nach Hilfe. „Gerne“, kommt die Antwort schnell. Mit einer neuen Arbeitsteilung sind Christian und ich im Handumdrehen fertig. Ich schnipple die Zutaten klein, Christian rollt die Wraps. Erstaunt schaue ich dem Meister über die Finger, der das Wrap-Rollen perfektioniert hat und die 10 Tortillas in kurzer Zeit elegant in zauberhafte Wraps verwandelt.

Kurz nachdem wir das Warp-Projekt abgeschlossen haben, machen sich Heather, Paul und ich auf die Reise. Christian und Nik bleiben zuhause, immerhin ist morgen Schule. Ich bin entschuldigt, alles wurde von ganz oben abgesegnet. Der Schuldirektor hat mir sogar noch ein mal persönlich gratuliert und viel Erfolg gewünscht. Ich wurde sogar in einer Lautsprecherdurchsage erwähnt. Mit diesem Wissen, das eigentlich ganz Port Huron (und Jonas aus Marysville) hinter mir stehen, setze ich mich also ins Auto und trete die dreistündige Autofahrt nach Holland an. Langsam wird es dunkel hinter der Fensterscheibe.

Den Sonnenuntergang, der, selbst für Michigans Verhältnisse, wirklich schön ist, will ich im Vorbeiziehen in einem dieser epischen Fotos festhalten, die man immer auf Instagram findet. Die tief orange Sonne taucht elegant hinter den Horizont. Hier das Ergebnis.

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Ähnlich wie Frankenmuth, hat auch Holland, der Austragungsort der „States“ einen kleinen geschichtlichen Hintergrund, nur ist es bei dieser kleinen Stadt ziemlich offensichtlich aus welchem europäischen Teil die Einwanderer stammten. Etwa zur gleichen Zeit als Deutsche Frankenmuth gründeten, wurde auf der anderen Seite der Halbinsel Michigan also Holland gegründet. Leider bekomme ich bei der Ankunft drei Stunden nachdem ich voller elan Pauls riesigen PickUp betreten habe, nicht viel vom holländisch angehauchten Stadtkern zu sehen. Vielmehr suchen wir eigentlich direkt das Hotel auf. Wir sind alle müde, und da wir auch sonst nichts mehr vorhaben und morgen sehr früh aufstehen müssen, beschließen wir, einfach zu schlafen. Noch ein bisschen liege ich wach und überlege, wie der nächste Morgen und Tag wohl so ablaufen wird. Obwohl es erst neun Uhr ist, bilde ich mir beim einschlafen einen dünnen Lichtstrahl ein, der durch den schmalen Schlitz zwischen den typischen Hotelgardinen scheint. Übrigens: Amerikanische Hotelzimmer unterscheiden sich in keinster Weise von deutschen. Wirklich war, ich habe keinen Unterschied feststellen können – fast ein wenig komisch.

Am nächsten Morgen nehme ich, aus irgendeinem Grund, zum ersten Mal den kühlen Luftzug der Klimaanlage wahr, der an meinen Füßen vorbeistreicht. Das Wasser aus dem Wasserhahn, mit dem ich mir heute morgen die Zähne putze schmeckt nach Chlor. Bepackt mit allen meinen Taschen und meiner Powerbank in der rechten, und meinem Handy in der linken Hand, erfrage ich auf dem Weg nach unten in die Hotellobby die Frühstückssituation. Niemand von uns hat so wirklich Hunger, was an der, selbst für mich, absurd frühen Uhrzeit von fünf Uhr morgens liegen könnte. Wir beschließen, nur einen kleinen Stop bei Starbucks einzulegen, außerdem habe ich ja auch noch meine Wraps. Das 21. Jahrhundert genießend finde ich schnell den Platz in der Stadt mit der größten Starbucks-Dichte. Was ich finde, ist selbst für amerikanische Verhältnisse extrem: Drei Starbucks Filialen auf 500 Meter?

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Obwohl es fünf Uhr morgens ist, genieße ich den Starbucks-Aufenthalt. Starbucks Filialen unterscheiden sich kaum von deutschen, sodass ich, auf eine komische Art und Weise, mich ein wenig zuhause fühle. Naja, zugegeben fühlt es sich mehr nach Hamburg oder Bremen (ihh, Bremen) Hauptbahnhof an, obwohl ich keinen erfolgsversprechenden Jungunternehmer mit leuchtendem 13-zoll MacBook Air in der langgezogenen Schaufensterbar sitzen sehe.

Nach kurzer Bedenkzeit vor der großen Kreidetafel hinter dem Tresen entscheide ich mich für einen Klassiker: Chai Tea Latte. Ein wenig Kaffee, ein wenig Tee, in einem perfekten Verhältnis und einer vermutlich sehr großen Menge Zucker. Ein morgendlicher Genuss der mir auf dem Weg zum Austragungsort des großen Turniers etwas den Tag versüßt.

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Etwa zehn Minuten dauert es, bis wir am Hope College angekommen sind. „Hier findet das ’States Tournament’ jedes Jahr statt“, fängt Paul leise an. Noch nie war jemand von uns hier, deswegen ist es für uns erst einmal rätselhaft, auf welchen der vielen Parkplätze wir vorfahren sollen. Einen Unterschied macht es nicht, denn noch sind alle leer. Wir sind weit und breit die einzigen auf dem gerundeten Streifen von Parkplätzen. Kurz bekomme ich ein bisschen Angst, dass wir uns im Termin versehen haben…


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Teil 2 coming soon!

Bayern – In Michigan? 1/2

Zusammen mit Happy, dem aufgedrehtesten Hund dieser Welt, meinem Computer und einem kühlen Wasser sitze ich an meinem Lieblingsplatz im Haus, einem alten Schaukelstuhl im Wohnzimmer. Ich habe noch ein paar Hausaufgaben zu erledigen. Nur mässig motiviert klicke ich durch ein paar Videos und Quizze. Fach: AP Government, ich lerne über die amerikanische Regierung. Im Moment geht es um den „Congress“, der aus dem „Senate“  und dem „House of Representatives“ besteht. Dieses Zweikammersystem ist auf den Konflikt von großen Staaten, die sich eine Anzahl von Vertretern, angepasst zu der Bevölkerungszahl wünschten, und den kleinen, die eine feste Nummer von Vertretern für jeden Staat bevorzugten, zurückzuführen. Logisch. Am Ende der Debatte hat man sich dann im großen „Connecticut-Compromise“ darauf geeinigt, dass man doch einfach beides macht, es wurde also der „Senate“, mit zwei Vertretern pro Staat, und das „House of Representatives“ mit einer Zahl von Vertretern, angepasst zur Bevölkerungszahl, gegründet. „Welch ein Einfall“, denke ich ironisch for mich hin.  

Nik hängt in seinem Zimmer rum, Heather und Paul sitzen auf der großen, beigen Couch, eine Decke über den Beinen. Vor uns flimmert der große Fernseher, es läuft Football. Der Sprecher berichtet hektisch über das Geschehen, ich habe längst den Überblick verloren. Christian hat heute morgen das Haus schon früh verlassen, um arbeiten zu gehen. Happy springt gerade von meinem Stuhl und nimmt seinen Stammplatz am Fenster ein, als Paul diesen morgendlichen Wahnsinn mit einem Vorschlag unterbricht. „Wie wärs mit einem Trip nach ‚Little Bavaria‘?“, fragt er, zuerst Heather, dann mich anschauend. Little Bavaria? Kleines Bayern? Klingt interessant.  

Wenig später befinden Nik, Heather Paul und ich uns im Auto. Auf dem Weg erzählt Paul ein bisschen über unser heutiges Ausflugsziel. „In dieser Stadt haben sich damals eine Ansammlung von Deutschen niedergelassen, genauer aus Franken, daher der Name. Heute spricht natürlich keiner mehr deutsch, aber irgendwie hat sich der bayrische Charme des kleinen Dorfes erhalten. Heute ist es eine riesen Touristenattraktion.“, erzählt er, während Nik und ich auf dem Rücksitz interessiert zuhören. „Unser erster Stop ist der größte Weihnachtsladen der Welt. Ungelogen“. Langsam kommen wir unserem Ziel näher, ein Ortsschild verrät, dass wir uns jetzt in Frankenmuth befinden. Über der breiten Straße erstreckt sich ein riesiges, gebogenes Schild. „Willkommen“, lese ich laut vor. Nik starrt mich fragend an, ich zeige nur auf das Schild. Links und rechts vom Schild sind zwei kleine Häuschen mit dem bayrischen blau-weiß Karo-muster und roten Dächern. Künstlerisch, ein bisschen an einen Freizeitpark erinnernd, erkenne ich nach und nach mehr Häuserfassaden der eigentlich relativ kleinen Stadt. Bevor wir jedoch in den Stadtkern vordringen, biegt Paul auf den riesigen Parkplatz des „Christmas Wonderland – Worldwide Selection“-Shops, der von außen eher unscheinbar aussieht. Einmal um die Ecke gebogen bemerke ich schnell, wie weit der Parkplatz noch um das Gebäude herumreicht, und wie viele Autos sich gleichmäßig darauf verteilen.

Trims & Gifts

„Heute ist ein guter Tag, es ist nicht viel los“, fängt Heather dann an. Nik und ich fragen erstaunt nach, wie voll es denn in den Ferien ist, oder kurz vor Weihnachten. „You can’t move“ kommt die Antwort schnell. Im Giebel des Gebäudes, das auch gut eine dieser riesigen DHL-Lagerhallen hätte sein können, steht Willkommen auf 30 Sprachen. Nik ist frustriert, dänisch ist nicht dabei. Deutsch natürlich schon, immerhin befinden wir uns in „Klein-Bayern“. Während Heather und Paul fast ein wenig routiniert und mit einer gesunden Portion Gelassenheit den Laden betreten, fallen Nik und mir die Kinnladen runter. Vor uns erstrecken sich Reihen über Reihen von Weihnachtsartikeln.

Weihnachtsstore Eingang

Das erste was ich erkenne ist eine kleine Ansammlung von Krippen in jeglicher Farbe, Ausführung und Größe. Daneben ein Regal mit ähnlichem Sortiment, aber in Halloween Edition. Weihnachtskrippen in Halloween? „Amerika“, wirft mir Nik zu. Ich nicke lachend. Über unseren Köpfen hängt ein Schild: „Section 5“. Weiter hinten im Raum finde ich „Section 10 & 11“. Der ganze Weihnachtsladen ist in Sektionen unterteilt. In Sektion 10 gibt es zum Beispiel Weihnachtskugeln, dorthin gehen wir als erstes. Es gibt einen Teil, der nach Ländern geordnet ist. Im „Germany“-Abteil finde ich von Lederhosen, über Liedtexte und Bierkrügen so ziemlich alles. Nik entscheidet sich dafür, eine dänische Kugel mitzunehmen, ich entscheide mich für eine deutsche. Auf der Rückseite unserer Kugeln stehen jeweils ein paar Traditionen, die in Deutschland und Dänemark an Weihnachten angeblich so üblich sind. Heather sucht noch ein paar andere für unseren internationalen Weihnachtsbaum aus. Darunter auch eine mit unserem Abschlussjahrgang, eine für Oma und eine mit einem Lehrer drauf, für Paul. 

Weiter hinten in der langen Halle finde ich noch einen Haustierteil, einen mit und für Prinzessinnen, einen „Outer Space“-Abschnitt und, wirklich war, einen mit mehreren Ananas-Variationen.

pineapple

Entlang der Halle ist eine Reihe von Kassen und Informationsständen. Weiter geht es mit Weihnachtsdörfern in etlichen Ausführungen. Völlig erschlagen von tausend Artikeln habe ich längst den Überblick verloren. Am Ende eines Ganges finden wir ein kleines Theater mit einem fast lebensgroßen Maria und Joseph Pappaufsteller und einer Art Harmonium. Danach kommt eine überdimensionale Sammlung von künstlichen Weihnachtsbäumen.  

Etwa eine Stunde später stehe ich wieder vor der Tür und versuche mich an das helle Sonnenlicht zu gewöhnen. Unser Pick Up wird heftig geschüttelt, als wir über die kleine Erhöhung am Parkplatzausgang fahren, die Rasen verhindern soll. Noch immer kämpfe ich mit der grellen Sonne, die jetzt durch das Fenster beim Rücksitz direkt in meine Augen scheint. Langsam nähern wir uns „Frankenmuth Downtown“, also dem Stadtzentrum. Die Anzahl an bayrisch anmutenden Häusern nimmt proportional zu. Während ich mich frage, ob man daraus eine lineare Funktion formen könnte, rollen wir auf den nächsten Parkplatz, der nicht weniger klein ist, als der vom Weihnachtsgeschäft. Beim Aussteigen erkenne ich, im Auto war es fast nicht zu erkennen, dass der Parkplatz zu „Zehnders“, einem riesigen Restaurant, gehört. Paul erzählt, das Zehners bekannt für ihr „Chicken“ sind, aber wir natürlich die Gelegenheit haben werden, uns unser eigenes Bild machen zu können. Bevor wir uns jedoch dem Hühnchen Genuss hingeben, beschließen wir, den verwunschenen Stadtkern zu erkunden.

parkplatz

Im Prinzip ist der Stadtkern nur eine Straße mit Geschäften links und rechts, also fangen wir an, die Straße linker Hand herauf zu bummeln. Das erste Geschäft, was uns zusagt, ist, wie die meisten Geschäfte an der Straße ein Souvenirladen. Für einen kleinen oder großen Groschen kann man typisch deutsche Souvenirs erwerben. Dazu gehören Tischdecken, Ohrringe und Leuchten. Eigentlich genau das, woran man sofort denken würde, wenn von deutschen Souvenirs die Rede ist. Während ich an diesen „Souvenirs“ getrost vorbeigehen kann, hängt sich mein Blick an ein paar runden Magneten für den Kühlschrank auf. Ich entscheide, ein paar mitzunehmen.

Magnets

Ein paar Meter weiter bestehe ich darauf, den nächsten Shop zu betreten. „Frankenmuth Fudge Store“ ließt es sich prominent auf dem Eingangsschild. In Deutschland habe ich ständig von dem berühmten Fudge gehört. Ein paar fleißige Mitarbeiter stellen die süße Leckerei aus Zucker, Milch und Butter für uns frisch her im anliegenden Raum, der durch eine breite Glasscheibe schaufensterartig vom Verkaufsraum abgetrennt ist. Hier gibt es Fudge in jeglicher Geschmacksrichtung. Ich, der Fudge-Anfänger, entscheide mich für Dunkle Schokolade. Nik nimmt gesalzene Schokolade, Heather, passend zu Halloween, Kürbiskuchen, Paul Apfelkuchen. Besonders interessiert wäre ich, so im Nachhinein, für „German Schokolade“ gewesen, also Kinderschokolade mit Kokusraspeln, wie die lächelnde Verkäuferin mir stolz erklärt. Höflich bedanke ich mich und verlasse den Laden mit einer Erfahrung mehr.  

Fudge

Die nächsten Geschäfte sehen nicht wirklich vielversprechend aus, also wechseln wir die Straßenseite. Vom süßen Duft des Fudges haben wir alle schon etwas Hunger bekommen, was ein Grund dafür sein könnte, warum wir den nächsten Laden betreten, den „Frankenmuth Taffe Store“. Berge von kleinen Toffee Bonbons stapeln sich zu meiner Rechten als ich den Laden betrete. Geübt greift sich Heather einen Eimer und wir fangen wie wild an, ihn zu befüllen. Etwa so viel, wie wir auffüllen, testen wir dabei ausführlich. Wir kommen auf drei stolze Pounds Toffee-Gewicht, das sind etwa 1,3kg. Die Verkäuferin lacht nur, presst den Toffee zusammen. Etwa zehn Minuten später sind wir bei 4 Pounds, die gequetscht im kleinen Eimer sind. „Der Rekord liegt bei sechs Pounds“, entgegnet die Verkäuferin drei erstaunten Gesichtern. „Sechs Pounds Toffee, wer soll denn das alles essen?“, frage ich mich so vor mich hin, als wir auf dem Weg zum nächsten Geschäft den „Frankenmuth Taffe Store“ verlassen.  


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