The Wizard of Oz 2/2

Bevor sich der Vorhang heute ein zweites mal auftut, helfe ich, unter anderem das große gelbe Haus von der Bühne, in die kleine Werkstatt zu schieben, die durch ein hohes Tor von der Hauptbühne abgetrennt ist. Dafür schieben wir nun ein anderes Stück der Kulisse auf die Bühne. Von der Decke sehe ich ein großes, grünes, hölzernes Tor herunter kommen.

Alle „Ozians“, darunter auch ich, bringen uns in Position hinter dem grünen Tor, das soeben noch von der Decke baumelte. Inzwischen habe ich mir mein grün kariertes Jacket übergeworfen. Das Orchester setzt an und der Vorhang hebt sich. Insgesamt war die Pause zwischen Akt eins und zwei nur zehn Minuten lang.

Unsere Helden Löwe, Dorothy, Tinman und Vogelscheuche befinden sich vor den Toren der Stadt aus Smaragden. Unerschrocken klopft Dorothy an. Mürrisch schaut der Wächter (Jeremiah) durch das kleine Fenster in der Tür.

Unsere Helden versammeln sich wieder auf der Bühne, um endlich den Zauberer zu sehen!

Nach einem kleinen Dialog beschliesst der Wächter die Fremdlinge in die Stadt zu lassen und stellt ihnen die Stadt in Oz mit ihren Einwohnern, den Ozians, vor. Die Ozians leben ihr bestes Leben, genießen den Jubel und Trubel der grünen Stadt. Angezogen sind sie fein in Jacket, Hemd und guten Hosen, die Mädchen tragen Kleider.

„We get up at twelve and start to work at one, take an hour for lunch and then at two we’re done.“

– Ozians in „Mary old land of Oz“

Im Song „Mary old Land of Oz“ singen die grünen Einwohner nicht nur von ihrem Tagesablauf, sondern verpassen den Charakteren auch eine Aufhübschung durch die „Beauticians“, die aufgeregt Zöpfe binden, Krallen schneiden, ölen und Stroh aufstocken.

Ich bin Teil einer kleinen Tanzgruppe, die für einen Augenblick ein Lächeln auf die Gesichter der Zuschauer zaubert.

Das laute, geschriene Lachen der Hexe unterbricht unseren Tanz, gerade als wir zu einer Endpose ausholen. Es wird neblig im Saal. Die böse Hexe lacht noch einmal, die Ozians zucken zusammen. „Dorothy, gib auf!“, schreibt sie in den Nebel. Fast ein wenig panisch fangen wir an, von der Bühne zu rennen, doch der Wächter beruhigt uns schnell. „Alles ist unter Kontrolle, der große Zauberer von Oz hat alles im Griff, ihr könnt alle nach Hause gehen.“ Alle verlassen die Bühne, bis auf Löwe, Tinman, Vogelscheuche und Dorothy. Liebend gerne würde Dorothy nach Hause, doch nur der Zauberer kann helfen…

Während Löwe in seinem Solo „König des Waldes“ bekundet, was für einen Mut er gefunden hat, um jetzt vor den großen Zauberer zu treten, schaut der Wächter mürrisch von der Seite. Erst als nach dem Lied klar ist, wie hoffnungslos die Situation von Dorothy doch ist, entschließt er sich, zu helfen. „Ich werde euch schon irgendwie zum Zauberer bringen…“

Der mächtige Zauberer versteckt sich hinter dem Vorhang, in der „Kammer des Zauberers“.

Ehe sich die Protagonisten versehen, inzwischen haben sie eine weitere Runde im Theatersaal gedreht, führt der Wächter sie zum mysteriösen Zauberer, der sich hinter einem grünen Vorhang verbirgt. Mit mächtiger Stimme fängt er an, einschüchternd erst Vogelscheuche anzugreifen, dann Tinman und schließlich Löwe, der in seiner Ängstlichkeit schlicht zu Boden fällt. Das Publikum lacht. Mutig fordert Dorothy den Zauberer jedoch auf, ihr zu helfen, bevor die Hexe ihr zuvorkommt, die immer noch hinter ihren roten Schuhen her ist. Der Zauberer willigt ein, aber unter einer Bedingung: Er will den Besenstiel der Hexe! Frustriert verlassen die Vier den Raum des Zauberers.

All dies verfolgen wir auf dem kleinen Fernseher, der in der Umkleide angebracht ist und, zwar verschwommen, aber erkennbar, das Geschehen auf der Bühne wiedergibt. Die Jungs, die vorher Ozians waren, darunter auch ich, schlüpfen jetzt in ihre nächstes Kostüm. Wer vorher Ozian war wird jetzt zum „Winkie“. Winkies waren einmal Ozians, doch wurden von der bösen Hexe verzaubert und haben nun all ihre Farbe verloren. Ich werfe mir also ein graues Oberteil über und ziehe die kurze, graue Hose an, die schon bereit auf meinem Platz in der Umkleide liegt.

Während unsere Helden noch einmal vom Wächter durch das grüne Tor begleitet werden, wird das Schloss der Hexe auf die Bühne gerollt. Als der Vorhang sich öffnet sitzt sie entspannt auf der Kante und zupft an einem Gänseblümchen.

„I hate her, I hate her not, I hate her, I hate her not…“

– The Wicked Witch of the West

Die Winkies, darunter auch ich, machen sich im Seitenflügel der Bühne bereit. Nachdem die Hexe zum Entschluss gekommen ist, dass sie Dorothy hasst, ruft sie laut: „Winkieeees!“ Wir, die Winkies marschieren im absoluten Gleichschritt auf die Bühne und stellen uns links und rechts der Hexe auf, die in zwischen in der Mitte der Bühne angekommen ist. Unter meinem Oberteil ist es heiß, und ich erwische mich kurz dabei, mir eine Schweißperle von der Stirn zu wischen.

Nicht lange verharren wir auf der Bühne, bloß der Winky General (Ethan) hat ein paar Worte mit ihr zu wechseln. Praktisch, denn von meiner Rolle als Winky habe ich nicht viel Zeit um in mein nächstes Kostüm zu schlüpfen.

Während ich mich also auf dem Weg zurück zur Umkleide befinde, betreten unsere vier Helden erneut den düsteren Wald. Diesmal treffen sie allerdings auf andere tanzende Kreaturen: Die Jitterbug.

Von der Hexe erschaffen tanzen die Jitterbugs wie wild ihren Tanz und breiten sich auf der ganzen Bühne aus. Dorothy, Vogelscheuche, Löwe und Tinman können einfach nicht aufhören zu tanzen, sie sind verzaubert! Der Zauber der Jitterbugs liegt schwer auf unseren vieren und sie fallen in einen tiefen, sehr tiefen Schlaf.

„Just be careful

of that rascal

Keep away from the Jitterbug!“

– The Wicked Witch of the West in the „Jitterbug Song“

Die Choreography dauert einige Minuten und das Publikum klatscht enthusiastisch. Inzwischen habe ich mich in Position gebracht für meinen nächsten Auftritt, denn nachdem unsere Helden vom gemeinen Zauber der Hexe eingeschläfert wurden kommen nun ganz andere Kreaturen und ärgern sie.

Die Fliegenden Affen kommen!

Wild wedle ich mit den Armen, als wir durch die Reihen kreuz und quer durch das Theater rennen. Nach einer Runde im Saal springe ich auf die Bühne und schmeiße Vogelscheuche durch die Luft. „Es tut mir so leid Adam!“, flüstere ich ihm betroffen auf der Bühne zu, als ich ihn zu Boden werfe.

Die anderen der fliegenden Affen nehmen sich jeweils auch einen der Charaktere zur Brust und Neico, der Affengeneral entführt Dorothy und nimmt sie mit in das Schloss der Hexe.

In der nächsten Szene sitzen die Affen wieder auf der Bühne, ich hocke am Rand des Orchestergrabens und setze ein diebisches Lächeln auf. Wir befinden uns im Schloss der Hexe und Dorothy liegt auf dem Boden. Ihre Augen öffnen sich.

Dorothy und die Affen schauen zur Hexe, die auf einem Turm in der Seite steht.

Nur umringt von Affen finden sich Dorothy und ihr Hund Toto wieder in einer grauen Festung mit nur einem Fenster. Nach einem kurzen Schlagabtausch mit der Hexe, die von der Seite auf ihrem Turm steht, gelingt es dem Hund allerdings zu fliehen. Genau richtig, denn Vogelscheuche, Tinman und Löwe sind bereits vor den Toren der Festung um Dorothy zu retten… Irgendwie…

Vogelscheuche fällt dazu ein ziemlich genialer Plan ein, um unbemerkt in das Schloss einzudringen.

„But first we need to get a hold on three Winky uniforms…“

– Scarecrow

Getarnt in den Uniformen der Winkies marschieren die Helden also in die Festung um Dorothy zu finden, doch in welchem der tausend Räume ist bloß Dorothy? Vogelscheuche, Tinman und Löwe haben eine Hilfe: Toto! Er bellt lautstark und leitet sie zu Dorothy, die inzwischen komplett allein ist in ihrem Raum.

Umzingelt von Winkies!

Gerade als die vier jedoch unbemerkt abhauen wollen, kommen die Winkies, und ich, zurück auf die Bühne. Dorothy und ihre neugewonnenen Freunde sind umzingelt! Sanft stupse ich den Löwen mit meinem Speer, er zuckt kurz.

Dorothy wird jedoch Held der Situation indem sie der bösen Hexe ein für alle mal ein Ende bereitet. Sie nimmt den Wassereimer neben der Hexe und kippt ihn über sie. Die Hexe schmilzt! Sie verschwindet immer weiter in der kleinen Anhörung, bis zuletzt nur noch ihr Kopf heraus schaut. Die Hexe ist tot!

Die Hexe schmilzt.

Jetzt bleibt nur noch, den Besenstiel der Hexe zum Zauberer zu bringen und ihn erneut um seine Hilfe zu bitten, doch als unsere Helden zurück im Raum des Zauberers sind, sträubt sich der mächtige Zauberer zuerst.

„Kommt zurück zur nächsten Sprechstunde, die ist in etwa 20 Jahren!“, lacht er mürrisch, als die vier den Saal betreten. Diesmal ist Dorothy jedoch nicht so verängstig und fordert den Zauberer auf, sein Versprechen einzuhalten. Schließlich haben sie die Hexe getötet und den Besenstiel hergebracht. Noch immer zeigt sich der mächtige Oz jedoch mürrisch, bis Vogelscheuche und Tinman beschließen, sich den Zauberer selbst anzusehen.

Tinman und Vogelscheuche öffnen den Vorhang der Kammer des Zauberers.

Zur Überraschung aller ist der Zauberer garnicht so groß und mächtig, wie er einst schien. „Du bist ja gar kein Zauberer, du bist ja gar nicht so groß und mächtig, wie wir uns es vorgestellt haben“, platzt es allen irgendwie heraus.

„I guess you’re right, I’m a humbug.“

– Oz

Der Gauner, der sich vor kurzem noch als Zauberer ausgegeben hat, muss allerdings auch zugeben, dass er den Helden nicht wirklich helfen kann. Aber muss er das überhaupt?

"Wird Mut nicht durch deine Taten, und nicht durch deine Einstellung bestimmt? 
Wird Intelligenz nicht durch deine Entscheidungen und nicht durch dein Gehirn bestimmt?
Und wird dein Herz nicht dadurch bestimmt, wie sehr du geliebt wirst und nicht durch deine Liebe?"

Jetzt bleibt nur noch Dorothy, die noch immer nicht nach Hause kann, doch Oz hat eine Idee. Ryder und ich sind in der nächsten Szene die ersten, die die Bühne betreten, denn wir rollen einen riesigen Ballon auf die Bühne. In der „Ballon-Szene“ versuchen Oz und Dorothy vergeblich, mit einem Heißluftballon zurück nach Kansas zu fliegen. Dorothy schafft es mit Toto jedoch nicht rechtzeitig an Bord und bleibt hoffnungslos am Boden zurück.

„I can’t stop it, I don’t know how it works! Goodbye folks!“

– Oz

Als Dorothy jedoch anfängt zu weinen und in die Arme von Vogelscheuche fällt, kommt noch einmal Glinda, die gute Hexe des Nordens in ihrem majestätischen Ring angeflogen. Sie erzählt Dorothy, das sie schon immer die Fähigkeit besaß, nach Hause zu gehen, schließlich hatte sie die magischen roten Schuhe an. „Warum ich es dir nicht früher gesagt hab‘? Du hättest es mir nicht geglaubt und musstest es für dich selbst herausfinden“, antwortet Glinda auf die angestellte Frage, die sich jeder verwirrte Kopf im Raum inzwischen gestellt hat. „Alles was du tun musst, ist deine Hacken drei mal zusammentippen zu lassen und dir zu denken ‚Zuhause ist es am schönsten'“.

Während Dorothy also die magischen Worte wiederholt gehen alle Bewohner des Landes Oz langsam in die Seitenflügel. Das Licht wird dunkler und schließlich ist es komplett schwarz. Man hört ein Rumpeln.

Dorothy sieht sich um. Neben ihr steht das gelbe Haus und der Zaun vom Anfang. Sie ist zurück in Kansas. Überglücklich fällt sie ihrer Familie in die Arme.

There is no place like home!


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