The Wizard of Oz 1/2

Es ist etwa kurz nach zwölf, als Alayna und ich auf den bunten Parkplatz unserer Highschool vorfahren. Viele der Parkplätze sind bemalt. Alaynas rotes Auto steht auf einer großen, gemalten Flagge. Ein Elternteil eines kleineren Mädchens hält uns beiden die große Schwingtür des gläsernen Vorbaus auf. Wo Alayna einen großen Koffer voller Make Up hinter sich herzieht halte ich nur einen kleinen Schuhbeutel in der Hand. Der ältere Frau scheint es nicht zu schnell zu gehen, sie zieht eine Flappe. Vor zehn Minuten noch saßen wir zusammen mit den anderen an einem der hölzernen Tische bei Cracker Barrel, einem „old country store“. Neben Schaukelstühlen, Gitarren und einem schwarz-weiß Portrait einer Dame, die unheimlich in die Kamera schaut schmausten wir Bacon und Pancakes.  

Inzwischen bin ich an der Umkleide angekommen. Erwartungsvoll reiße ich die Tür auf. Mit offenem Mund blicke ich zuerst einem großen Block an Kostümen entgegen, dann Jeremiah, Adam, Jack, Gavin, Avery, Ethan und Jayvon. Ich stoße den Jungs zu, die sich schon intensiv auf die Show vorbereiten. Inzwischen ist das Anziehen unserer Kostüme, das Auftragen des Make Up und das positionieren unserer Utensilien zur Routine geworden. Zu lauter Musik tanzen wir den „Crab Rave“. Obwohl dies bereits das vierte mal ist, das wir die komplette Show aufführen, merke ich langsam, dass meine Aufregung steigt. Es ist Zeit, sich in Richtung der Bühne aufzumachen, und den großen, roten Vorhang zu öffnen. Port Huron Highschool & Central Middle School präsentieren: „The Wizard of Oz“ 

Aus dem Orchestergraben tönt Musik. Wir befinden uns in Kansas. Die Gemüter der Einwohner dieser Gemeinde aus Farmern sind rau, die Mentalität südlich. „Uncle Henry“ (Avery) und „Aunt Em“(Lauren) betreten die Bühne. Beide beugen konzentriert über einem Korb und zählen. Etwas frustriert schauen sich beide kurz an, bis „Dorothy“(Alayna) auf die Bühne stürmt. In ihrer Hand ein Korb mit ihrem Hund „Toto“(Marty), der interessiert in den Korb schaut. Als das unschuldige Mädchen aus Kansas jedoch besorgt mit ihrer Familie reden will, bekommt sie nur Ablehnung.

„Dorothy, we’re trying to count…!“

– Uncle Henry

Genervt von ihrer Familie verlassen Dorothy und Toto schnell die Bühne und verschwinden Backstage. „Hunk“(Adam), „Hickory“(Gavin) und „Zeke“(Ethan/Jayvon) bringen einen großen Karren auf die Bühne. Ein Rad fehlt. Auch hier ist die Stimmung aufgeheizt. Lautstark fangen die Charaktere erst an, einander, dann Aunt Em anzubrüllen. Sie reagiert lässig und verteilt ein paar Kekse, um die Gemüter zu beruhigen.

Als nächstes führt „Mrs. Gulch“(Beyonce) mit einem alten, schwarzen, Damenfahrrad auf die Bühne. Sie sieht wütend aus. Ihr Problem: Toto. Dorothys kleiner Hund passt der alten Dame offensichtlich garnicht. „Was fällt dem Hund ihres Kindes ein, so laut zu sein!“, beschwert sie sich lautstark bei den Farmern. „Ich habe eine offizielle Beschwerde beim Sheriff eingereicht, also unternehmen sie etwas, oder der Hund muss beschlagnahmt werden!“.

Für Dorothy ist das ein Albtraum, sie muss Toto abgeben. Glücklicherweise gelingt es Toto, der alten Mrs. Gulch auszubüxen, und zurück zu Dorothy zu laufen, die den Hund nimmt, und beschließt, wegzulaufen. Ganz weit weg. Über den Regenbogen.

„Where trouble melts like lemon drops,
away above the chimney tops
that’s where you’ll find me.“

– Dorothy in „Somewhere over the Rainbow“

Mit Toto auf dem Arm trifft das junge Mädchen auf „Professor Marvel“(Jack), einem dubiosen Professor, der ihr einen Blick in die Zukunft gewährt.

Dorothy und Professor Marvel schauen auf Kansas, Dorothys zuhause.

Dorothy ist von dem Gesehenen verwirrt. Aunt Em scheint es nicht gut zu gehen und sie beschließt, dem kleinen Abenteuer ein Ende zu setzen und nach Hause zu gehen, doch ein Sturm zieht auf…

Als ich meine „queue line“ höre, beginne ich mich zu bewegen. Jetzt ist es für mich jedoch noch nicht Zeit, auf die Bühne zu gehen, erst habe ich eine andere Aufgabe. Schnell laufe ich durch den langen Gang vor dem Theater bis ich schließlich vor dem Chor-Raum ankomme und die Tür aufmache. Aus der Dunkelheit hier blicken mich etwa 30 fragende Augenpaare von Grundschülern an.

Die kleinsten Darsteller unseres Musicals sind fast an der Reihe, auf die Bühne zu gehen, also beginne ich, die Meute leise aus ihrem Warteraum zu lotsen. Kaitlyn hilft mir die Tür offen zu halten. Etwa 20 Grundschülertraben auf die Bühne hinter das Kulissenbild, das an langen Bändern an der Decke des Theaters festgemacht ist. Uncle Henry stürmt auf die Bühne…

„It’s a twister, it’s a twister!“

– Uncle Henry

Während ich die Grundschüler hinter ihren kleinen, angemalten Häusern aus Holz platziere und für etwas Ruhe sorge (alle sind natürlich aufgeregt) fängt das große, gelbe Haus an wild über die Bühne zu drehen. Ein Wirbelsturm. Dorothy, die verzweifelt in das Haus geflüchtet ist, schreit laut nach Hilfe. Niemand ihrer Familie kommt ihr jedoch zur Hilfe, alle sind schon im Schutzbunker.

Das Haus kommt zum stehen und das Kulissenbild wird gehoben. Dorothy öffnet die Tür des Hauses und findet sich an einem Ort wieder, den sie noch nie zuvor gesehen hat: Sie landet in Munchkinland.

Dorothy verlässt ihr Haus, das mitten im Munchkinland und auf der bösen Hexe des Ostens gelandet ist. Nur ihre Füße mit den roten Schuhen schauen noch unter dem Haus hervor.

Es dauert nicht lange bis „Glinda“(Hannah), die gute Hexe des Nordens, sie empfängt und schnell aufklärt, dass sich Dorothy jetzt nicht mehr in Kansas befindet. Doch das ist noch nicht alles. Wie es scheint ist das gelbe Haus genau auf die böse Hexe des Ostens gefallen und hat sie getötet – Ein Freudentag für alle Bewohner von Oz, die sich nun nicht mehr vor der Hexe fürchten müssen. Kurz danach kriechen alle kleinen Munchkins, die Grundschüler, die ich vorhin noch leise auf die Bühne begleitet habe, hinter ihren Häusern und Büschen hervor. Sie singen, tanzen und danken Dorothy, dass sie die böse Hexe getötet hat!

Verwundert schaut Dorothy um sich, als sie von Munchkins umringt wird.

Bald wird den Munchkins und auch Dorothy allerdings klar, dass eine Hexe zwar tot ist, es aber noch eine zweite gibt. Die böse Hexe des Westens (Shawnna) erscheint unter viel Nebel. Schnell bemerkt sie was der bösen Hexe des Ostens, ihrer Schwester, widerfahren ist.

„You dropped your house on my sister? How can anyone be so unbelievably clumsy?“

– The Wicked Witch of the West

Traurig scheint die böse Hexe jedoch nicht zu sein, denn nun kann sie einen Gegenstand ihrer Schwester haben, den sie schon immer begehrte… Die roten Schuhe! Bevor sie sich versieht hat sich Dorothy allerdings schon die glitzernden Schuhe angezogen. Die Hexe stöhnt laut, Dorothy schaut verwundert daher. „Die Schuhe kann ihr niemand abnehmen, so lang sie lebt!“, klärt Glinda, die gute Hexe, auf. Beide Hexen starren sich verfeindet an.

Während die böse Hexe also frustriert von der Bühne geht erklärt Glinda Dorothy, die doch eigentlich nur nach Hause möchte, dass sie ihr nicht wirklich helfen kann. Der einzige, bei dem Dorothy eine Chance hätte, wäre der mächtige Zauberer von Oz höchst persönlich. Der Weg dorthin ist jedoch gefährlich und lang. Tapfer und vielleicht etwas naiv macht sich das junge Mädchen auf den Weg…


Nach einer weile, Dorothy hat inzwischen eine Runde im Theater hinter sich, bleibt sie jedoch stehen. Vor ihr ist steht eine Vogelscheuche. „Wo es wohl lang geht?“, denkt sie laut vor sich hin. „Vielleicht da lang?“, tönt es aus der Leere, „Oder doch lieber da lang?“. Dorothy braucht eine Sekunde, bis sie bemerkt, das die Vogelscheuche (Adam) soeben zum Leben erwacht ist und mit dem einen Arm nach rechts und mit dem anderen nach links zeigt. „Einige Leute gehen auch in beide Richtungen…“, die Arme der Vogelscheuche kreuzen sich. Verwirrt fragt Dorothy warum die Scheuche sich nicht entscheiden kann. Die Antwort: „Ich habe kein Hirn, nur Stroh.“ Auf die Frage, warum die Vogelscheuche denn dann sprechen könnte, antwortet sie nur:

„I don’t know, but some people without brains do an awful lot of talking, don’t they?“

– Scarecrow
Dorothy, die Vogelscheuche und die Krähen.

Liebend gerne hätte die Vogelscheuche ein Gehirn. Nicht einmal die Krähen, die sich inzwischen lauthals auf dem kleinen Podest niedergelassen haben, auf dem vorher die Vogelscheuche saß, haben Angst vor ihr. In der Hoffnung, der Zauberer könnte der Vogelscheuche ein Gehirn, und Dorothy zurück nach Hause bringen, machen sich also beide auf den Weg.

Während die beiden noch eine Runde im Theatersaal drehen, wird auf der Bühne ein kleiner Wald aufgebaut. Dorothy ist hungrig, und sieht die glänzenden roten Äpfel, die von den Ästen der Bäume hängen. Doch als sie ausholt, um einen der Äpfel zu pflücken fängt der Baum sich an, zu bewegen. Beleidigt fangen die Bäume an, beide mit Äpfeln zu bewerfen. Der Saal lacht.

„Ölkanne…“, murmelt der verrostete Tinman leise. Dorothy und Vogelscheuche helfen.

Wenig später bleiben die beiden noch einmal stehen. Sie lernen „Tinman“ (Gavin) kennen, einen Mann aus Zinn. Einst war er ein fleißiger Holzfäller, doch die böse Hexe hat die Axt von Tinman verzaubert. Während er also eines Tages ahnungslos Holz fällen wollte, hat ihn seine eigene Axt in Stücke zerlegt. Schrecklich. Was Tinman seit jeher fehlt ist ein Herz. Ob der Zauberer von Oz wohl helfen kann?

Der Freundeskreis um Dorothy ist allerdings kurz davor, sich noch ein mal zu vergrößern, als sich die drei von dem helleren, fröhlichen, in den verzauberten Düsterwald begeben. Dort treffen sie den Löwen (Ethan/Jayvon), der sich auch der Clique anschließt. Als der Löwe hinter einem der dunklen Bäume hervorspringt, sind alle erst verängstigt, doch bald stellt sich heraus, dass er garnicht so gefährlich ist.

„Oh the Lord made me a Lion but forgot to make me brave!“

– Cowardly Lion

Was dem Löwen fehlt, ist Mut. Der Löwe hat Angst vor fast allem, er ist ein Feigling. Ob der große Zauberer von Oz ihm wohl eine Packung Mut spendiert?


Während alle von der Bühne gehen, lenkt die böse Hexe, die in einer kleinen Nische in der Wand steht, die Aufmerksamkeit auf sich. „Wie kann ich die vier aufhalten, bevor sie zum Zauberer gelangen?“, überlegt sie laut. „Ich brauche etwas liebliches, etwas mit Gift… Blumen! Mohnblumen werden sie zum Schlafen bringen!“ Das Spotlight auf der Hexe wird dunkler, und sie verschwindet mit einem lauten lachen.

Löwe, Tinman, Vogelscheuche und Dorothy treten wieder auf die Bühne und finden sich umgeben von den vielen Mohnblumen, die ein fast hypnotisches Schlaflied singen. „Ich könnte jetzt echt ein Nickerchen vertragen…“, fängt Löwe an. Einer nach dem anderen schlafen unsere Protagonisten ein – bis auf die Vogelscheuche und Tinman. Tinman weint verzweifelt und schreit nach Hilfe. Auch die Vogelscheuche fängt an, lauthals nach Hilfe zu schreien.

Zum Glück lässt Hilfe nicht lang auf sich warten und Glinda, die gute Hexe des Nordens erscheint.

Glinda lässt es schneien, und Löwe, Vogelscheuche, Tinman und Dorothy sehen die Stadt aus Smaragden.

Zwischen den Blumen wendet sie einen ihrer Zauber an: Sie lässt es schneien. Schnell sind die Blumen bedeckt und alle wieder wach. Und auch die ihr Ziel liegt jetzt vor Augen: Die Stadt aus Smaragden – Heimat des Zauberers von Oz.

„We’re off to see the wizard, the wonderful wizard of Oz!“

Der Vorhang schließt sich.


Wenn dir meine Nacherzählung der Geschichte gefallen hat, hinterlasse mir doch deine E-Mail Adresse um keine neuen Berichte mehr zu verpassen! Achso, und wann komme ich eigentlich auf die Bühne…?

Ein Kommentar zu „The Wizard of Oz 1/2

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