Cherokee. Oder das, was davon übrig ist…

Nicht nur für atemberaubende Natur sind die Great Smoky Mountains bekannt, sondern auch für die lange Tradition und die Geschichte der Menschen hier. 

Schon immer hat es aus irgend einem Grund Menschen angezogen, die wohl menschenfeindlichsten Orte zu besiedeln, und so haben sich auch hier seit hunderten Jahren Menschen eine Lebensgrundlage geschaffen. Der Stamm der Cherokee lebte in Einklang mit der Natur, die sie umgab. Die Berge und Täler mit ihren klaren Bächen und Quellen gaben den Menschen des fast weltbekannten Indianerstamm eigentlich alles, was sie zum Leben brauchen, doch Anfang des 19. Jahrhunderts verändert sich für die Ureinwohner alles.  

„The First Settlers“ fingen an, das Land der einstigen Cherokee zu besiedeln. Rücksichtslos wird so im Geiz auf der Suche nach Gold die Umwelt und die Menschen ausgebeutet. Im Zuge des „Trail of Tears“ wurden die Cherokee umgesiedelt und aus ihrer Heimat zwangsabgeschoben, hinein in ein neues Territorium, heute Arkansas und Oklahoma, und später in die immer kleiner werdenden Reservate.  

Das erste, was mich auf die Stadt Cherokee heute aufmerksam macht, ist der Verweis eines Ortsschilds. Aus dem vernebelten Tennessee überqueren wir die Grenze nach North Carolina, wo es schnell klar und sonnig wird. Der Blick durch die Täler der Smoky Mountains, den uns die kurvige Bergstraße liefert, ist atemberaubend. Verzaubert sehe ich dem Nebel dabei zu, wie er langsam, wie ein Schleier, über die Berge hinwegzieht.  

Die Smoky Mountains machen ihren Namen alle Ehre.

Bevor wir überhaupt nach Cherokee fahren, machen wir jedoch an einem weiteren „Point of Interest“ halt. Vor den Toren der Stadt haben ein paar Historiker eine Mühle nachgebaut, die, so wie sie im Wald heute steht, der Lebensquell der ersten Siedler waren. Von indianischen Einflüssen ist keine Spur hier, die Mühle ist Symbolbild der technologisch fortgeschrittenen Siedler, die die kleinen Flüsse der Smoky Mountains geschickt nutzten.  

Das Wasser wird durch eine improvisierte Holzleitung geführt.

Dazu wird vom größeren Fluss ein Teil des Wassers oberhalb der Mühle vom eigentlichen Fluss abgetrennt. Mit einem kleinen Tor kann so die Menge an Wasser, die durch den hölzernen Weg geleitet wird, kontrolliert werden. Um die Mühle, die z.B. Korn zu Mehl mahlen kann, nicht zu beschädigen ist es wichtig, immer den richtigen Druck auf der Leitung zu haben. Gute hundert Meter sind die Flussmündung und die Mühle dabei auseinander, getrennt von dünnen, hohen Bäumen und Kirschlorbeer.  

Vom Hauptstrom wird ein wenig Wasser abgezweigt.

Dem Wasserlauf folgend gelangt man zu dem klobigen Holzhaus, dass ohne den Wasserzulauf auch genau so gut ein Wohnhaus hätte sein können. Das Mühlrad und der ganze Rest sind hinter der dunklen Holzfassade verborgen, die an einigen Stellen entweder von der Sonne, oder von unsanften Menschenhänden heller, fast grau, gebleicht ist.  

Wieder im Auto erreichen wir schnell die Stadt. Ein heruntergekommenes Schild heisst uns Willkommen in Englisch und Cherokee (ᏣᎳᎩ ᎦᏬᏂᎯᏍᏗ), der einstigen Sprache des Stammes. Cherokee wird heute nur noch vereinzelt hier und in den Teilen Arkansas und Oklahomas gesprochen, in denen noch Mitglieder des Stammes leben. „Diese Seite der Smokies ist touristisch bei weitem nicht so erschlossen, wie die Seite von Gatlinburg.“, erklärt Paul, „Das einzige hier sind ein paar Souvenirläden, die auch mit Gold und Waffen handeln. Und natürlich das Casino.“ Tatsächlich ist eines der ersten Dinge, die mir ins Auge fallen ein Gold- und Waffenladen.  

„Nicht gerade das, was man von einem ehemaligen Indianerdorf erwartet hätte“, merke ich schnell an. „Ja, das einzige, was von der indianischen Kultur hier noch übrig geblieben ist, ist ein historisches Dorf irgendwo vor der Stadt. Und das Casino.“, lacht Paul. Ich dachte immer, dass es ein Klischee wäre, doch tatsächlich ist hier nicht viel los, denke ich, während wir an einem verlassenen Motel vorbeifahren. Das Casino, das auch ein Hotel ist, lässt den kleineren Attraktionen, wie sie hier genannt werden, keine Chance. Dass das große Casino der Region hier mehr Zulauf gibt, wie man es eigentlich vermuten würde, ist nicht der Fall. Hier ist nichts. Das Casino, das zu groß ist, um es durch das Fenster unseres PickUps zu fotografieren, macht die Stadt aus. Allein. Drumherum sind bis auf die verzweifelten Souvenirläden bloss heruntergekommene Wohnwagen und Holzhäuser, die den Mitarbeitern im indianischen Casino ein Zuhause bieten.  

Das Casino: Zu groß, um es durch das kleine Autofenster zu fotografieren.

Ein paar Kilometer nördlich der Stadt befindet sich das „Oconaluftee Valley“, ein Tal in dem sich, so vermuten Historiker, die ersten Siedler niedergelassen haben. Wir biegen auf den Parkplatz des großen Visitor Centers ein. Überrascht bin ich davon, dass auch hier von dem verdrängten Indianerstamm der Cherokee keine Rede ist, ganz im Gegenteil. Ich betrete einen räum mit ein paar interaktiven Infotafel, die das Leben der ersten Siedler erklären und ein sehr einzigartiges Bild des Lebensstils der Menschen hier geben. Um das noch echter wirken zu lassen, wurden vor dem großen Gebäude ein Dorf aus alten Gebäuden der ersten Siedler des Tals zusammengebaut. Idyllisch am Fluss gelegen, der die Lebensader der romantisiert dargestellten Zivilisation war, hat jedes Haus seine Funktion. So gibt es zum Beispiel ein Teppichmacher-, Metzger- oder Schäferhaus. „Später, im Sommer leben hier auch echte Tiere, und das Leben im Dorf wird nachgestellt“, erzählt Paul begeistert. Tatsächlich erkenne ich im Schweinestall noch eine Karotte, die halb im schlammigen Boden versunken ist.  

Hölzerne Hütten, grüne Wiesen, reichhaltiger Fluss und Berge.

Einmal im Kreis führt der Weg durch das kleine Dorf am Fluss. Die ersten Siedler wussten, sich anzupassen. Auch ich passe mich jetzt wieder in den Rücksitz unseres Trucks an. Der weg zurück nach Gatlinburg, wo unser Ferienhaus steht, dauert etwa eine gute Stunde.  

Cherokee, eine Stadt der Kontraste, in dem Geschichte noch zu fühlen ist, lässt mich nachdenklich zurück. Ich kratze mich am Kopf und fange an, zu schreiben.  


Freue dich bald auf mehr zum Schicksal der Cherokee, eines Stammes, der Opfer einer Verschleppung durch eine Kultur war, die niemand kannte. Folge meinem Blog um nichts mehr zu verpassen!

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