Die perfekte Welle

Wieder war es einer dieser Tage, an denen man viel zu früh aufstehen muss. „Warum nur?“ Flucht Felix, der neben es sich neben mir im Bett gemütlich gemacht hat, und jetzt aufsteht. „Weil wir Hawaii erleben wollen. Dazu müssen manchmal Opfer gebracht werden.“, antworte ich nicht nur ungefragt sondern auch übermotiviert.

Schon das zweite Mal wache ich in unserem Hotelzimmer auf, das sich Felix und ich noch mit Pauli und Thomas aus Finnland teilen. Das zweite Mal schon sehe ich der hawaiianischen Sonne beim aufgehen zu und genieße den Vibe der Tropeninseln.

Diesen Morgen bleibt uns jedoch nicht all zu viel Zeit, um das Aufwachen im Paradies zu zelebrieren, denn schon um 6:30 verlassen wir heute mit unserer Reisegruppe das Hotel. Während Felix also schon unter der Dusche steht rolle ich mich rollmopsartig aus dem Bett heraus.

Wenig später treffen sich Felix und ich wieder unten beim Frühstück wieder. Inzwischen ist es schon etwa zwanzig nach sechs, also schmiere ich mir in feinster deutscher Manier nur zwei Toasts, um sie, in Servietten eingerollt, mit auf die etwa einstündige Busfahrt nehmen zu können.

Bevor wir allerdings den Reisebus betreten, treffen uns Felix und ich mit Katja und Leonie in der Hotellobby. Viel Zeit für Smalltalk bleibt nicht, denn wir werden von unserer Reiseleiterin nach wenigen Minuten aufgefordert in den inzwischen auf die kleine Hotelvorfahrt eingefahrenen Bus zu steigen. Quietschgelb steht er da, mit grünen Palmenblättern. Aus der Vordertür dröhnt uns laute Musik entgegen und der etwa 50-Jährige Busfahrer begrüsst uns mit einem braunen Grinsen. „Aloha!“, ruft er uns zu, als würden wir auf der anderen Seite einer sehr tiefen Schlucht stehen. Von uns vieren betrete ich als erstes den Bus und halte einen Platz neben mir für Felix frei. Katja und Leonie setzen sich neben uns. Hinter uns setzt sich Johannes, aus den USA. Johannes Mutter kommt aus Schleswig-Holsteinischen, weshalb Johannes ein wenig deutsch kann. Trotzdem reden wir, zur Integration die meiste Zeit Englisch.

Ed, der Busfahrer, ergreift das Mikrofon und leitet uns in die heutige Tour, und was wir alles vor uns haben. Ich bin aufgeregt. Neben einem Busfahrer und Durchsagenmacher ist Ed allerdings auch unser Tourguide, zumindest im Bus. Ein Job, den Ed mit großer Freude ausübt. Kaum sind wir aus dem dichten Verkehr Honolulus ausgebrochen, fängt er an, uns von ein paar besonderen Stränden zu erzählen, an denen der Highway, auf dem wir fahren, vorbeiführt. Gerade für uns angehende Surfer gibt Ed schon ein paar wichtige Hinweise. Naja, um genau zu sein, nur einen.

Nicht runterfallen.

Nach einer guten Stunde Fahrt sind wir an unserem heutigen Strand angekommen. Im Norden der Insel gelegen, sind die Wellen hier in Waialua genau optimal zum Üben.

Ich laufe also zum Ende des kleinen Parkplatzes, auf dem der Bus gehalten ist, um einen Blick auf das Meer zu erhaschen. Was sich mir eröffnet ist nicht nur ein Strand… sondern ein Statement! Bevor ich hierher gekommen war, hatte ich es als Klischee angenommen, das absolut jeder Strand wunderschön ist, doch falsch.

Ein wenig aufgeregt marschieren wir der Gruppe von Austauschschülern hinterher. 100m weiter am Strand finden wir zu einem kleinen Pavillon mit der Aufschrift „buttonsurfschool“. Weiter unten Richtung Wasser ist eine Reihe von Surfbrettern aufgestellt, die alle Richtung Wasser zeigen.

Wir werden von einem Mann mit langen Haaren mit bunter Schminke im Gesicht begrüßt. In der Hand trägt er einen sehr kleinen Hund. Sofort ist die Aufmerksamkeit aller Mädchen verloren. Dementsprechend sind es die Jungs, die als erstes ein dünnes T-Shirt aus Neopren bekommen, um die Haut vor dem harten Wasser zu schützen, für die sehr unwahrscheinliche Situation, dass man vom Brett fällt.

Der im Gesicht bunt angemalte Mann, der ein wenig wie ein Ureinwohner aussieht, bringt uns die ersten drei Schritte, die ein jeder Surfer braucht, um auf die Welle zu kommen, bei. Die Ausgangsposition ist im Liegen. Wie Käfer, die auf den Rücken gefallen sind paddeln wir also als erstes im Sand, auf unseren Brettern liegend. Als nächstes, wenn die Welle in Sicht ist, ziehen wir beide Beine zur Mitte des Bretts, sodass wir auf den Knien sitzen und Stabilität gefunden haben. Der dritte, und wohl schwierigste Schritt ist es, aufzustehen und nicht wieder um zu fallen.

„Jetzt könnt ihr surfen“, witzelt der Mann und gibt uns zu erkennen, das jetzt endlich alle ins Wasser dürfen. Kurz vor unserem Strand bilden wir eine Reihe, auf unseren Surfbrettern liegend. Einer nach dem anderen werden wir aufgerufen, weiter heraus zu paddeln, wo ein weiterer Instructor und ein paar Trainer auf uns warten. Vermutlich habe ich ausgesehen, wie ein kleines Kind, das zum ersten Mal Rad fährt, denn die Frau, die mich vorhin aufgerufen hat, lacht kurz, als ich weg in Richtung Ozean paddle.

Ein wenig weiter draußen im Ozean klammere ich mich auf meinem Brett fest, wie ein kleines Äffchen. Kaum zu glauben, dass ich den untrennbaren Packt zwischen mir und dem Brett gleich auflösen muss, um aufzustehen. Das Brett und ich hatten uns wohl einfach auseinandergelebt…

Noch ein letzter Trainer gibt mir Anweisungen, als ich mich ihm mit meinem wilden Gepaddel nähere. „Dreh das Brett um, sodass du zum Strand blickst.“ Dann kommt die Welle, meine Welle. Schon von bisschen weiter weg, kann ich ahnen, dass dies die Welle ist, die ich nehmen werde. Ich mache mich mental bereit und stelle mich darauf ein, jetzt zum Strand zurück getragen zu werden. Von der Welle. Ich erinnere mich an die drei Schritte. Ich fange an zu paddeln, schneller, schneller und immer schneller, bis ich die Welle in meinem Rücken habe. Ich fühle, wie mich die Welle greift und mich auf meinem Brett mitzieht. Automatisch versuche ich aufzustehen. Schritt eins, zwei, zwei-einhalb…

Plums. Bevor ich mich versehe, finde ich mich unter Wasser wieder. Mein erster Surfversuch endet sehr schnell, also reihe ich mich wieder ein in die Schlange von Surfbrettern vor der Küste.

Nachdem mein zweiter Versuch ähnlich verläuft wie mein erster, will ich nun, mit meinem dritten Versuch erst Recht aufs Brett schaffen. Wieder paddle ich heraus auf den Ozean und bin schnell bei einem der vielen Trainer im Wasser angekommen, die einem auf die Welle helfen. Mein neuer Helfer gibt mir noch einmal zusätzliches Vertrauen mit einem netten Gespräch. Quengelig wie ein kleines Kind frage ich immer wieder: „Kann ich die Welle nehmen?“. Er antwortet nur: „Nein, die ist nicht ganz optimal. Die Kunst des Surfens ist es nicht, auf das Brett zu kommen und irgendwelche Tricks zu machen. Es geht darum, die perfekte Welle zu erkennen und sie dann auszunutzen.“ Einige Minuten warten später ist es dann soweit. Ich höre eine hohe Welle brechen, genau hinter mir. Auch mein Instructor ist euphorisch. „Jetzt oder nie!“, schreit er. Also fange ich an mit der Welle zu paddeln, um dann, genau an der richtigen Position (siehe Schritt 1 bis 3) aufzustehen. Und ich stehe! Ich stehe und surfe!

Ich kann es kaum fassen. Wie in einem Hollywoodfilm fühle ich mich, Zac Efron kann sich warm anziehen. Fast 20 Sekunden schaffe ich es, mein Gewicht zu halten, bevor ich umfalle und ins Wasser plumpse.

Noch ein paar weitere Male schaffe ich es, die perfekte Welle abzuwarten und zu surfen, bevor ich, ein wenig stolz an den Strand zurück trotte. Es ist Zeit, sich von meinem Surfstrand zu verabschieden. Der Strand mit der perfekten Welle!


Ich habe die Welle erwischt, noch immer bin ich ein wenig stolz. Damit in Zukunft auch du keine Welle mehr verpasst, hinterlasse mir doch deine E-Mail oder folge mir auf Instagram! Aloha!

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