Reise ins Paradies 2/2

Circa drei Stunden später sind wir angekommen. Leider scheint Captain Luke zu schnell geflogen zu sein, sodass wir in Dallas angekommen noch etwa 10 Minuten auf unser Gate warten müssen. Neben Todessternen zerstört Luke also auch Zeitpläne.  

An unserem Gate angedockt bin ich wieder einer der ersten, der aufspringt. Der Frau neben mir helfe ich, ihren Koffer aus dem Fach zu ziehen. Anders als in Detroit, strömt mir keine kalte Luft entgegen als ich durch den Finger zu meinem Ankunftsgate laufe.

In Texas ist es angenehm lauwarm. Als ich die große Halle betrete, in die der Finger am Gate endet, staune ich erneut. Ein riesiger Bogen aus Glass umfasst das Gebäude, das mit seiner hohen Decke genug Raum für reichlich Restaurants und Cafés. Mit einem Blick sehe ich zwei Starbucks. Direkt daneben sind die Gates. Ich bin in Terminal D, das glücklicherweise auch mein Abflugsterminal ist. Ich muss also nur ein paar Gates laufen, und bin direkt bei meinem nächsten Flugzeug. Auf dem Weg schaue ich mich um und entscheide mich, einen Halt bei Starbucks zu machen. Auf Meeghins Empfehlung hin, entscheide ich mich für einen Pink Drink, eine Art Erdbeermilch und -eis mit Erdbeeren. Über meinem Kopf rast ein Zug, der die einzelnen Terminals miteinander verbindet, ähnlich wie der People Mover in Detroit.  

An meinem Gate angekommen setze ich mich erst einmal hin. Neben meinem Gate ist ein Flug nach Tokio dabei, zu boarden. Besorgt klingende Ansagen auf japanisch dröhnen durch die Halle. Wieder werden Passagiere dazu aufgefordert, an den Counter zu kommen, nur klingen ihre Namen weniger amerikanisch. Ein „Mr. Wing Wing Wing“ muss nach vorne kommen. Wirklich war. Bescheiden halte ich derweil Ausschau nach anderen Alleinreisenden in meinem Alter. Meinen roten Hoodie habe ich ausgezogen, um Blick auf mein lila YFU T-Shirt zu geben. In der Hoffnung, das mich jemand anspricht setze ich mich und fange an, meinen Blogartikel zu schreiben. Ich schreibe also von heute morgen, was ziemlich praktisch ist, da ich noch ziemlich klare Erinnerungen habe. Derweil steigen die letzten Fluggäste in das Flugzeug nach Tokio. Ein letztes mal wird irgendjemand aufgerufen. Niemand kommt. Ich auch nicht. Kurz denke ich darüber nach, zum Counter zu gehen, und Rey aus Star Wars zu zitieren.  

„Auf wen auch immer du auch wartest, sie werden nie kommen.“ 

Obwohl ich es einen Moment wirklich in Erwägung gezogen hatte, entschließe ich mich, es gut sein zu lassen. Lieber stehe ich noch einmal auf und spaziere einmal um das Terminal herum, bevor ich die nächsten acht Stunden im Flugzeug sitze. Die suche nach anderen Austauschschülern habe ich offiziell aufgegeben, nachdem mich niemand angesprochen hat. Ich laufe also im Kreis und blicke noch einmal auf die Skulptur in der Mitte der Halle. Was sie wohl darstellen soll? Ich weiß es nicht, weißt du es? Dummerweise habe ich es auch nicht nachgeschaut, obwohl ich es jetzt gerne gewusst hätte.  

Zurück am Gate fängt gerade Gruppe eins an zu boarden. Wieder sehe ich meinen Veteranen, der als erstes in die Maschine geschoben wird. Ich kann nicht genau erkennen, ob es der gleiche Mann ist, aber zumindest eine Ähnlichkeit besteht. Auch ich reihe mich so langsam ein. Vor mir sehe ich ein Mädchen stehen. Sie hat einen deutschen Reisepass mit Tickets in der linken Hand. Sherlock Holmes-artig analysiere ich, dass die Wahrscheinlichkeit gering ist, dass sie keine Austauschschülerin ist, was sonst will man in Dallas und fliegt nach Hawaii. „Bist du von YFU?“, frage ich mit einer Prise Neugier in der Stimme. „Ja“, antwortet sie schnell. „Ich habe dich beobachtet und deinen Pass gesehen“, fange ich an, während ich bemerke, dass das eine furchtbare Art ist, jemanden anzusprechen. Das kann ich doch besser. Hannah, so stellt sie mir sich vor, scheint es mir nicht zu verübeln und erzählt, dass sie aus Rheinland-Pfalz kommt. Viel Zeit bleibt uns jedoch nicht, sie steigt ein mit Boarding Gruppe 6, ich bin in Gruppe 9. Dementsprechend weit auseinander sitzen wir auch im Flugzeug. Also verabschieden wir uns, bis später.  

Lässig laufe ich wenig später erst durch den Finger, um dann fast schon mit Routine in die Maschine zu steigen. Ich gestehe, ich komme mir ein wenig cool dabei vor.  

In der Boeing 777 gibt es zwei Reihen mit jeweils drei Sitzen an den Fensterseiten und eine Vierergruppe von Sitzen in der Mitte. Ich habe einen Platz in der Mitte. Auf 20e, meinem Sitz, hat diesmal noch niemand Platz genommen. Neben mir sitzt ein Mitte 20-Jähriger mit einer pinken Adidas Jacke. Auf der anderen Seite sitzt noch niemand. Auf meinem Sitz liegt bereits ein Kissen und eine Decke. Ich mache es mir gemütlich. Captain Randy begrüßt uns und seine Crew herzlich auf American Airlines Flug 5 nach Honolulu, was mich zweifeln lässt, ob man, um Pilot bei American Airlines zu werden, eigentlich einen stereotypischen amerikanischen Vornamen haben muss.  

Die Maschine beginnt sich zu bewegen, was für mich gute Nachrichten sind, denn das schließt aus, das sich noch jemand neben mich setzt. Dekadent breite ich mich aus.  

Gerade haben wir die Flughöhe erreicht, da rollen zwei Stewardessen einen großen Essenswagen an mir vorbei. Passend, denn ich hatte bisher noch nichts gegessen. Heute im Angebot: Chicken BBQ oder Vegetable Wrap. Ich entscheide mich für das Chicen BBQ, in der Annahme, das man damit wenig falsch machen kann. Meine Annahme sollte sich bewahrheiten, tatsächlich war der Chickenwrap nicht schlecht. Dazu gab es echte hawaiianische Chips (?) und Schokorosinen.

Eine Stunde fliegen wir jetzt schon, und es scheint ein wenig ungemütlich zu werden. Etwa über Roswell, was meiner Meinung nach kein Zufall sein kann, haben wir Turbulenzen. Alle müssen sich anschnallen. Eine Frau in der reihe schräg vor mir fängt an zu quicken, was meine Aufmerksamkeit auf sie zieht. Wie es aussieht, teilt sie sich die Fensterreihe mit einem Afroamerikaner, und einem Europäer. Soeben hat sie sich mit Wein begossen, was das kurze Quicken erklärt. Nicht nur sie ist mit Wein gut dabei, sondern auch ihr Nachbar, der Europäer, auf dessen Tisch ich blicken kann. Er bekommt gerade ein neues Glas Weißwein. Links der Frau sitzt der Afroamerikaner. Er bekommt ein kleines Fläschchen, das von Weitem aussieht wie ein Feigling. Alle drei unterhalten sich euphorisch, die Frau lacht immer wieder laut. Mir scheint, als hätte sich einen Weg aufgetan, alle Völker und Geschlechter der Welt zusammenzuführen. Eine Möglichkeit, alle, zumindest für eine kurze Zeit, an einem Strang ziehen zu lassen. Alkohol.  

Noch sieben weitere Stunden verbringe ich damit, auf fremde Bildschirme zu schauen (sehr interessant!), zu schreiben, und die Seele baumeln zu lassen. Schlafen kann ich nicht, zu aufgeregt bin ich noch immer. Etwa eine halbe Stunde bevor wir landen beginnt Captain Randy mit dem sanften Landeanflug. Mit Kaubonbons in der Hand, bin ich auf das Schlimmste vorbereitet. Doch diesmal bleibt Ohrenschmerz aus. Sollte mein linkes Ohr sich doch daran gewöhnt haben, Druck auszugleichen? Ich schöpfe Hoffnung.  

Wenig später setzt die Boeing 777 in Honolulu auf.  

Aloha Hawaii!


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