Tag X – Teil 2/3

Hier geht es zum ersten Teil!

Der Bus hält an einem Eingang unterhalb einer Überführung. Wir trotteten in eine mäßig pompöse Halle. Eine Unzahl an Schildern erschlägt mich. Ich halte mich an Vincent und zusammen finden wir schnell ein paar weitere lila T-Shirts. An unserem Gate warten weitere YFUler. Ich setze mich mit Vincent zu ihnen. „Hey, ich bin Jonas“, fange ich an. Alle stellen sich einmal vor, bisher sind wir nur ein paar wenige, die schon am Gate sitzen. Die Sitzreihen sind lang, sodass neben uns wenigen noch genug Platz bleibt für einen Mann zum Schlafen. Seine Schuhe hat er ordentlich vor sich gestellt, das Jacket ordnungsgemäß über den Sitz. Das ergibt zusammen mit dem wirklich intensiven Schnarchen ein interessantes Bild. Nun weiß ich, man macht keine Bilder von Menschen, die sich nicht wehren können, aber ich kann nicht anders.

IMG_4949.jpg

Vincent fängt an: „Ich habe Hunger“, ich ergänze „Das ist ja ganz was neues.“ Also fangen wir an zu diskutieren. „Wann geht unser Flug?“, „In einer guten Stunde“, „Ich habe auch Hunger.“, „Ich finde wir sollten uns vor allem kulturell auf unser Austauschjahr vorbereiten. Das wird im Vorfeld häufig unterschätzt. War da vorne nicht ein McDonalds?“, „Gute Idee!“. Wir vertrauen unser Gepäck den anderen YFUlern an, und setzen uns in Bewegung in Richtung McDonalds. Jedenfalls dachten wir das. „War hier nicht irgendwo einer?“, werfe ich Vincent vor einer Wand stehend zu. Wir scheinen uns verirrt zu haben. „Traurig, ich hatte wirklich Hunger auf einen Burger, jetzt müssen wir uns etwas anderes suchen.“. Ich entscheide mich für einen Panini von einem italienischen to-go Laden. Vincent kauft irgendein Brötchen. „Immerhin haben wir uns Mühe gegeben mit dem Kulturzeug…“, entgegnet er. 

IMG_4944.jpg

Zurück am Gate sind unsere Plätze besetzt. Das Gate wimmelt jetzt von lila T-Shirts. Sehr viele lila, und ein Pinkes. Unsere Flugbegleitung ist eingetroffen. Eine junge Dame, die auf dem Weg in ihren Urlaub einen kleinen Nebenjob angenommen hat. Wir werden abgeharkt auf einer Liste, die scheinbar kein Ende hat. Ich dachte wir wären höchstens 15 Leute, aber weit gefehlt. Scheinbar sind ein paar mehr Menschen auf die Idee gekommen, ein Jahr in den USA zu verbringen. Ich gehe in Richtung meines alten Sitzplatzes. Meine Sachen stehen noch davor. Ich werfe der Person darauf einen strafenden Blick zu. Die Person steht auf. Ich habe nicht einmal etwas gesagt. Die Person muss geahnt haben, das früher oder später jemand aufkreuzt, der den Platz einfordert. Also setze ich mich wieder, mit einem wirklich deliziösen Tomate-Mozzarella Panini in der Hand. 

„Mr. Mouhamad Al Irgendwas, Mr. Müller and Mr Irgendwas to the counter please!“, erklingt eine Durchsage. „Da scheint es Leute erwischt zu haben, die überbucht wurden…“, werfe ich in die Runde. Und tatsächlich, die nächste Durchsage kommt direkt: „wegen eines spontanes Flugzeugwechsels auf ein Flugzeug, das weniger Plätze hat, ist unser Flug überbucht. Lufthasa zahlt eine Entschädigung von 600€ für zwei Freiwillige, die einen Flug später nehmen.“ Aus den Augenwinkeln sehe ich einzelne YFUler aufstehen. „Dieses Angebot gilt nicht für Schülergruppen.“, ergänzt die Dame am Schalter. Ein lautes „Ohh“ zieht sich durch unser Gate. Immer wieder gehen einzelne zum Schalter oder werden aufgerufen. Unser Boarding hätte schon längst anfangen sollen. Es scheint Probleme zu geben. 

Dann, eine halbe Stunde später als geplant, fängt das Boarding endlich an. Aufgeregt stehe ich sofort auf und will das Flugzeug betreten, doch ich werde direkt zurückgepfiffen. „Erst Kinder und Behinderte, danach alle anderen.“, bekomme ich von hinten gesagt. Kennt ihr das, wenn man so richtig Hunger hat, und dann erst eine Vorspeise kommt, die alle außer man selbst bekommt? Man nörgelt und nörgelt, ob man nicht was abbekommt, bis man entweder tatsächlich etwas bekommt, oder der Hauptgang kommt. In diesem Fall musste ich warten, bis der Hauptgang kommt, ich war zusammen mit meiner Gruppe nämlich einer der letzten, der das Flugzeug betreten durfte. Also laufe ich wieder durch einen Finger, schon das zweite Mal heute. Neben mir Vincent und ein paar neue Bekanntschaften. Ich quetsche mich durch den schmalen Flugzeuggang bis ich schließlich an meinem Platz angekommen bin. Auf meinem Platz liegen bereits ein schmales Kissen und eine Decke, eingepackt in eine Plastiktüte bereit. Ich setze mich auf das Kissen und packe die Decke beiseite. Meinen Rucksack stelle ich zwischen meine Beine unter den Sitz. Bereits jetzt ist der Platz vollkommen ausgenutzt. Vor mir ist gerade so genug Platz, um den kleinen Tisch im Sitz vor mir auszuklappen. Dann weiß ich allerdings nicht, ob noch genug Luft zum Atmen bleibt. Dieses Risiko muss ich wohl in Kauf nehmen. Ich hole gerade meine Katjes Bonbons heraus, als sich neben mich ein Mädchen setzt. Als ich aufschaue, sehe ich ihr lila T-Shirt und ein freundliches Lächeln: „Hey, ich bin Jana.“ Ich stelle mich vor, wir unterhalten uns ein wenig. Schnell entdecken wir das Bordsystem, das mit reichlich Filmen, ein paar Spielen, einer App, die zeigt, wo wir gerade sind, und reichlich Rucklern ausgestattet ist. 

Kurze Zeit später hebt die Airbus A340 mit einem lauten Brausen in die Luft ab. Fasziniert schaue ich durch das kleine Fenster und sehe die Häuser Frankfurts langsam kleiner werden.

IMG_4963.jpg

Ich wende mich meinem Monitor zu. Immer wieder fange ich an, auf dem Handy Sachen zu tippen, oder ein Spiel zu spielen. Nach Studieren der Filmbibliothek entscheide ich mich dafür, „Maze Runner“ zu schauen. Ein Film über eine Gruppe von Menschen, die in einem Labyrinth gefangen sind, nicht wissen wie sie dahin gekommen sind, wer sie sind, oder wie sie da raus kommen. Sie können sich an nichts mehr erinnern. Das Labyrinth ist voller Gefahren, voller Monster die aus irgendeinem Grund zur Hälfte aus Fleisch, und zur Hälfte aus Metall bestehen. Trotzdem wagt es ein einzelner, ins Labyrinth zu gehen und es zu entschlüsseln. Überraschung: Sie finden einen Ausgang. Nun, das war vorauszuahnen, immerhin ist es Hollywood, aber ich habe mich sowieso mehr für den Weg aus dem Labyrinth interessiert. 

Nach dem Film fange ich an nachzudenken. Wie sind die USA so? Ist meine Gastfamilie nett? Wie viele Burger esse ich an einem durchschnittlichen Tag? Ich denke weiter, dass diese Fragen vermutlich mehr Leute als mich interessieren, also fange ich an über den heutigen Tag zu schreiben. Material hab ich schon jetzt genug. Mein relativ schmaler PC findet gerade so auf dem kleinen Flugzeugtisch platz. Ich bin ungefähr an dem Punkt angekommen, wo ich Vincent (wieder) treffe, als mich Jana von der Seite anspricht: „Wir müssten jetzt ungefähr über der Küste von Grönland sein.“ Also schiebe ich das kleine Verdeck vor dem schmalen Flugzeugfenster hoch. „Da ist nichts, nur Wasser“, berichte ich, „Obwohl warte, ich sehe einen Eisberg im Wasser!“. Ein einsamer Eisberg treibt unter uns im Ozean. Mir fällt auf, wie viel Eis auch unter der Wasseroberfläche ist. Das Wasser ist klar und ich sehe, was die Titanic wohl nicht gesehen hat. Bei längerem Nachdenken ist es völlig klar, es ist wie ein Eiswürfel in einer Cola. Der schwimmt auch mehr unter, als über der Wasseroberfläche. Wusstet ihr, dass eben diese Eigenschaft von Wasser, dass es gefroren „leichter“ ist, als flüssig, ist, die Leben teilweise erst möglich macht? 

IMG_5079.JPG

Langsam aber sicher wächst die Zahl der Eisberge im Wasser und dann taucht am Horizont eine lange Reihe Wolken auf, die sich kurzerhand als die Küstenlinie Grönlands entpuppt. Ich erkenne langsam einzelne Berge und Gletscher. Mit der Zeit erkenne ich mehr Details der immer feiner werdenden Küste. Ich meine sogar einzelne Eisklumpen von den steilen, verschneiten Eisküsten abbrechen zu sehen. Auffallend viele Eisberge sind vor der Küste und vor den einzelnen Gletschern. Nun will ich in diesem Blog nicht politisch werden, aber zumindest ich bin jetzt vom Klimawandel überzeugt. Weiter im Landesinneren sind riesige Gletscher und Berge, von denen man denken könnte, ihre Spitzen kratzen am Flugzeug. Die Berge werden immer eisiger, die Gletscher immer größer, bis schließlich nichts mehr als Eis und Schnee zu sehen sind. 

IMG_4999.jpg

Für mehr Bilder besuche doch meine Galerie „Flugzeugfenster“. Dort sammle ich alle Bilder, die ich aus dem Fenster geschossen habe.

Ich beschließe, das Fenster wieder zuzumachen und „Maze Runner 2“ anzufangen. Leider ist es ähnlich, wie mit „Zurück in die Zukunft 2“, der zweite Teil kommt einfach nicht an den erfolgreichen ersten Teil heran. Die Gruppe, die vorher im Labyrinth war, sieht sich jetzt einer bösen Organisation entgegengesetzt, die sie irgendwie aussaugen will und werden von Zombies angegriffen und müssen in einer wüste um ihr Überleben kämpfen und die Welt geht unter und…. Irgendwie ein bisschen zu viel für einen Film, da komm ich nicht mehr mit. Also schalte ich aus, gebe Jana ihre Kopfhörer zurück, die sie mir geliehen hat (an dieser Stelle tausend Dank!), und öffne die Flug-App. Schnell öffne ich wieder das Fenster, als ich sehe, das wir die andere Küstenseite erreicht haben müssten. Doch wieder: Nichts, auch keine Eisberge, nur dass diesmal auch keine mehr kommen. Ich ärgere mich. Anstatt des blöden Films hätte ich doch lieber die andere Küste anschauen sollen. 


Dir gefällt meine Reise? Hinterlasse mir doch deine E-Mail-Adresse im Seitenmenü und ich halte dich auf dem Laufenden über neue Geschichten aus und über meinem Austauschjahr!

Hier geht es zum dritten Teil!

Ein Kommentar zu „Tag X – Teil 2/3

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s